Was ein erfahrener Therapeut aus Ihren Augen liest
Inga-Maria Richberg in Täglich Gesund
vom 2. April 2008, 16:00 Uhr
GNL5356
Die Augen sind das Fenster zur Seele, sagt der Volksmund. Die natürliche Medizin kann aus den Augen aber noch viel mehr lesen. Denn die Iris (Regenbogenhaut) des Auges ist die einzige Stelle des Körpers, die aufgrund der durchsichtigen Hornhaut einen direkten Blick auf das darunter liegende Bindegewebe erlaubt. Erfahrene Iris-Diagnostiker finden hier in Pigmentablagerungen, veränderten Faserverläufen oder dem Zustand der roten Blutkörperchen in den Haargefäßen wichtige Hinweise auf beginnende Gesundheitsstörungen. Dieser Beitrag stellt Ihnen dieses uralte Diagnoseverfahren vor und sagt Ihnen, was die Iris-Diagnose tatsächlich leisten kann.
Schon die alten Griechen schauten den Kranken in die Augen
Der diagnostische Blick ins Auge war schon vor über 2.000 Jahren ein fester Bestandteil der Krankenuntersuchung, z. B. bei Hippokrates und im alten China. Als Begründer der neuzeitlichen Iris-Diagnostik gilt der ungarische Arzt Dr. Ignatz von Peczely (1822 bis 1911). Er entwickelte die Iris-Topografie, eine Art Zifferblatt, dessen Abschnitte bestimmte Organe repräsentieren. Heute wird das Verfahren v. a. von Heilpraktikern angewendet, nur selten von Ärzten. Zur Untersuchung dient ein spezielles Irismikroskop, das dem Mikroskop des Augenarztes ähnelt.
Nach diesen Zeichen sucht der Iris-Diagnostiker:
- Grundfarbe der Augen
- Pigmentablagerungen
- Verfärbungen/Aufhellungen
- Lücken in den strahlenförmig verlaufenden Bindegewebsfasern
- Verdickungen der Irisfasern
Während Ihre Augenfarbe Ihren Konstitutionstyp angibt, deuten alle anderen Zeichen auf Regulationsstörungen bestimmter Organe hin.
Blauäugige Menschen neigen zu hohem Fieber
Für Irisdiagnostiker gibt es nur zwei Grundfarben der Iris: Blau und Braun. Grüne bzw. graue Augen gelten als Abwandlung der blauen, schwarze Augen als Variante der braunen Irisfarbe. Nach der Grundfarbe teilt die Iridologie, wie Iris-Diagnostiker ihre Lehre von den Krankheitszeichen in der Iris auch nennen, die Menschen in drei Konstitutionstypen ein.
Diese 3 Grundkonstitutionen unterscheidet die Iridologie:
- lymphatische Konstitution: rein blaue Augen
- hämatogene Konstitution: braune und schwarze Augen
- Mischkonstitution: graue, graublaue, grüne, graugrüne Augen
Wenn Sie z. B. lymphatisch veranlagt sind, werden bei Ihnen Reinigungs- und Heilprozesse v. a. über das Lymphsystem und die Schleimhäute reguliert. Bei einem fieberhaften Infekt bekommen Sie dann meist höheres Fieber als die anderen Konstitutionstypen, schwitzen dabei stärker und haben deshalb auch meist mehr Durst. Durch das Schwitzen leitet Ihr Körper nicht nur zu große Hitze ab, sondern scheidet auch Erregertoxine und andere Stoffwechselabfälle aus. Daher empfehlen sich Naturheilmittel, die das Lymphsystem und die Ausscheidung über die Nieren anregen.
Braune Augen: Vorsicht, Blutstauungen!
Bei der hämatogenen Konstitution werden Gesundheitsstörungen v. a. über das Blut reguliert. Eine Neigung zu verstärkter Blutgerinnung (Thrombosegefahr) gilt als häufig. Als braun- oder schwarzäugiger Mensch werden Sie nicht so hohes Fieber bekommen. Auch Gliederschmerzen bei fieberhaften Infekten dürften Ihnen vertraut sein. Stoffwechselabfälle werden bei der hämatogenen Konstitution vorwiegend über den Darm ausgeschieden. Braun- bzw. schwarzäugige Menschen benötigen nach der Iridologie v. a. Mittel zur Blutverdünnung und Stärkungsmittel für die Leber zur Förderung der Ableitung über den Darm. Auch Darmeinläufe gelten als ausgesprochen hilfreich. Bei Fieber sind Wadenwickel und eine ausreichende Trinkmenge wichtige Unterstützungsmaßnahmen. Bei Menschen mit einer „Mischkonstitution", zu denen die meisten Mitteleuropäer gehören, entwickelt sich im Laufe des Lebens oft eine „Vorliebe" für eine der beiden obigen Reaktionsweisen.
Die Farbe der Pigmente lässt auf kranke Organe schließen
Außerdem bestimmen Iris-Diagnostiker Ihre individuelle Diathese (Neigung) anhand der Veränderungen in Ihrer Iris, denn eine „ideale Iris" haben eigentlich heutzutage nur noch Kinder. Die Diathese verweist auf Ihre gesundheitlichen Schwachstellen und sagt Ihnen, welche Organe bzw. Organsysteme Sie besonders pflegen sollten.
Diese Neigungen kommen in der Praxis häufig vor:
- rheumatoid: Neigung zu Rheuma
- harnsauer: Neigung zu Gicht
- spastisch bzw. neurogen: Neigung zu Krämpfen bzw. Nervenleiden
- hepatogen bzw. biliös: Neigung zu Leber- bzw. Gallenbeschwerden
Zur Feststellung der Diathese prüft der Therapeut, welche Iriszeichen in welchem Organsektor liegen. So deuten z. B. grau-weiße bis grünlich-gelbe Tupfen oder Wolken auf die Ablagerung von Harnsäure im Bindegewebe hin. Orangefarbene Flecke zeigen eine Schwäche der Bauchspeicheldrüse an, lachsfarbene Punkte sprechen für Störungen im Magen-Darm-Trakt und bräunliche weisen auf eine Leberschwäche hin. Auch Veränderungen in den eigentlich glatten Irisfasern liefern Iris-Diagnostikern wichtige Informationen: Gekräuselte Fasern gelten als Hinweis auf eine Neigung zu Krämpfen, Lakunen und Waben, also Löcher zwischen den Fasern, zeigen eine allgemeine Schwäche des zugehörigen Organs an.
Ein seriöser Iris-Diagnostiker verlässt sich niemals allein auf den Blick ins Auge, sondern klärt alle Krankheitshinweise aus der Iris durch weitere Untersuchungen (auch Blutanalysen, Ultraschall, Röntgen) ab. Um Iris-Diagnostiker, die ihre Therapie einzig auf das Irisbild stützen, machen Sie bitte einen großen Bogen!
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