Warum Sie Hautveränderungen auf keinen Fall ignorieren dürfen
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund zum Thema Hautkrebs
vom 28. Juni 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Die häufigste Krebsart in Deutschland ist Hautkrebs - jährlich erkranken hier zu Lande etwa 110.000 Menschen neu daran. Trotz dieser hohen Zahl nehmen viele Patienten und Ärzte das Risiko nicht ernst. Doch wenn die bestehenden Möglichkeiten zur Früherkennung konsequent genutzt würden, lägen die Heilungschancen bei nahezu 100 %. Das haben mittlerweile auch die Krankenkassen erkannt und bieten seit Juli 2008 eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung beim Hautarzt an.
Versicherte ab dem 35. Lebensjahr haben alle zwei Jahre Anspruch auf diese Vorbeugungsmaßnahme. Achtung: In manchen Praxen wird das Hautkrebs-Screening immer noch als Selbstzahlerleistung angeboten, und für den „Kassen-Check" erhalten Sie oft nur schwer einen Termin. Bestehen Sie jedoch darauf, dass die Untersuchung über Ihre Chipkarte abgerechnet wird.
Der kostenfreie Haut-Check beinhaltet:
- Anamnesegespräch (Krankheitsvorgeschichte)
- Ganzkörperuntersuchung der Haut und der Kopfhaut
- Beratung über Ihr persönliches Risikoprofil (z. B. Hauttyp)
- Diagnostik und Dokumentation (z. B. von Leberflecken)
Sonnenlicht ist der größte Risikofaktor
Bei der Früherkennung wird nicht nur nach dem besonders gefürchteten „schwarzen Hautkrebs" (Melanome), sondern auch nach „hellem Hautkrebs" gesucht (vor allem Basaliome und so genannte Plattenepithel-Karzinome). Für alle drei Hautkrebsarten ist ein unbedachter Umgang mit Sonnenlicht der größte Risikofaktor. Kurzfristig kommt es zum Sonnenbrand, langfristig schädigen die UV-Strahlen auch das Erbgut (Mutationen) und schwächen das Immunsystem. Beides erhöht das Hautkrebsrisiko.
Unter dem Einfluss der Sonne entwickelt sich bei jedem zweiten Menschen über 70 Jahren eine so genannte aktinische Keratose. Das sind raue, schuppende und oft auch gerötete Stellen, die vor allem an sonnenexponierten Hautpartien auftreten (z. B. Nase, Ohren, Stirn, Glatzenregion, Handrücken).
Leider sehen viele Ärzte darin immer noch eine „normale" Alterserscheinung. Doch aus diesen Hautstellen entwickelt sich oft ein Plattenepithel-Karzinom. Sie sollten diese Regionen also regelmäßig kontrollieren (einmal monatlich) und verdächtige Veränderungen beim Arzt ansprechen.
Und was die wenigsten Menschen beachten: Mit Sonnencremes schützen Sie sich zwar vor Sonnenbrand, aber nicht vor Hautkrebs! Die Statistik zeigt, dass Anwender von Sonnencremes sogar ein etwas höheres Hautkrebsrisiko haben als Menschen, die wenig Sonnenschutzmittel einsetzen. Vermutlich wiegen sich viele Creme-Nutzer in falscher Sicherheit. Da sie vor Sonnenbrand geschützt sind, bleiben sie länger in der Sonne, als es ihre Haut verträgt. Bedenken Sie außerdem: Bei Tests zur Ermittlung des Schutzfaktors werden 2 mg Sonnencreme pro Quadratzentimeter Haut eingesetzt. Eine 150-ml-Flasche würde danach lediglich für fünf Ganzkörper-Anwendungen reichen. So dick cremt sich im Alltag kaum jemand ein, und deshalb ist der tatsächliche Lichtschutzfaktor einer Creme meist viel geringer als auf der Packung angegeben.
Bei hellem Hautkrebs ist eine OP oft nicht nötig
Wie alle anderen Krebsarten wurde auch Hautkrebs bis vor zehn Jahren noch hauptsächlich durch eine Operation mit anschließender Strahlen- oder Chemotherapie behandelt. Beim hellen Hautkrebs hat es jedoch - zumindest in frühen Stadien - einen Wandel gegeben. Hier kommt heute die so genannte photodynamische Therapie zum Einsatz: Dabei wird zunächst eine Creme mit dem Wirkstoff Methyl-Amino-Laevulinat auf die erkrankte Stelle aufgetragen. Anschließend wird die Hautpartie mit Laser-Rotlicht bestrahlt; es setzt aus dem Wirkstoff freie Radikale frei, die dann die Tumorzellen abtöten. Ernste Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt. Selten treten braune oder weiße Hautverfärbungen an den behandelten Stellen auf.
Seit zwei Jahren gibt es ein Verfahren, bei dem nur eine Creme aufgetragen wird. Der enthaltene Wirkstoff (Imiquimod) aktiviert die Immunabwehr und leitet so die Zerstörung der Krebszellen ein. Im Jahr 2006 wurden an der Universität von Alberta in Edmonton/Kanada Studien mit Daten von über 1.000 Patienten zusammenfassend ausgewertet. Das Ergebnis dieser so genannten Meta-Analyse: Die Imiquimod-Therapie kann in mindestens 75 % der Fälle die Krebsherde komplett ausschalten. In den Kontrollgruppen mit einer wirkstofffreien Creme (Placebo) lagen die Erfolgsraten dagegen unter 3 %.
Ähnliche Immuntherapien werden für den schwarzen Hautkrebs bisher erst erprobt. Die Ansprechraten sind hier jedoch deutlich niedriger. Doch auch dieser aggressivste Hautkrebstyp kann durch eine Operation in nahezu allen Fällen geheilt werden - vorausgesetzt, er wird rechtzeitig erkannt. In späten Stadien liegen die Heilungsraten dagegen immer noch unter 5 %. Das sollte für Sie das stichhaltigste Argument für eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung sein.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rolf Freitag (28.06. 2011 17:07 Uhr):
Stimmt es, dass Hautkrebs bereits 6 Wochen nach auftreten tödlich sein kann. Falls ja: dann müsste man ja alle paar Wochen die Haut vom Arzt kontrollieren lassen und nicht einmal pro Jahr.
Antworten - Kommentar von Dr Christine Wolbrandt (29.06. 2011 15:24 Uhr):
Gerade vorher habe ich - mit viel grösserer Übereinstimmung! - einen entgegengesetzten Artikel gelesen: dass das Benutzen der Sonnencremes vielfältig schadet, auch wegen der chemischen Inhaltsstoffe, die Krebs erzeugen können. Ich finde es fast ärgerlich, wie immer wieder Werbung für diese Produkte gemacht wird. Ich verhalte mich mit meinen 70 Jahren in mehreren Hinsichten natürlich und habe nie Sonnenbrand, auch wenn ich mich froh unbedeckt in der Sonne aufhalte. C.W.
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