Warum Perfektionismus Sie krank macht - und wie Sie gegensteuern
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund
vom 7. Februar 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Ein neues Jahr hat begonnen. Sicherlich haben auch Sie gute Vorsätze gefasst. Sei es, dass Sie ein neues Hobby erlernen oder sich in einem Verein engagieren wollen. Was auch immer Sie in diesem Jahr vorhaben: Übertreiben Sie es nicht. Versuchen Sie nicht, „perfekt" zu sein. Denn Perfektionisten sind nie zufrieden mit dem, was sie erreicht haben. Und das macht auf Dauer krank, wie sogar Studien bewiesen haben.
Diese Krankheiten können durch Perfektionismus ausgelöst werden:
- Depressionen
- chronische Schlafprobleme
- Verdauungsbeschwerden (z. B. Reizdarmsyndrom)
- Kopfschmerzen
- Appetitlosigkeit
- erhöhte Infektanfälligkeit
- Bluthochdruck, Herzinfarkt
- Gedächtnisstörungen
Perfektionisten befinden sich im Dauerstress. Und dabei schüttet die Nebennierenrinde die Stresshormone Kortisol und Adrenalin aus. Die Folge: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und treiben den Blutdruck in die Höhe. Die Stresshormone schwächen außerdem das Immunsystem, aber auch Gedächtnis- oder Schlafstörungen gehen auf ihr Konto.
Studie belegt: Reizdarm kann die Folge sein
Psychologen unterscheiden drei verschiedene Varianten des Perfektionismus: Beim so genannten selbstorientierten Perfektionismus setzen sich Menschen unrealistisch hohe Ziele und sind zudem sehr selbstkritisch. Der „an anderen orientierte Perfektionismus" äußert sich dadurch, dass die Betroffenen zu hohe Anforderungen an ihre Mitmenschen stellen. Die dritte Form ist der soziale Perfektionismus: Hier glauben die Betroffenen, dass ihr Umfeld extrem hohe Erwartungen an sie habe. Alle drei Formen können sich negativ auf Ihre Gesundheit auswirken.
So untersuchte 2007 die Universität von Southampton/Großbritannien 620 Patienten, die an einer Magen-Darm-Infektion litten. Jeder Teilnehmer musste zum Zeitpunkt seiner Diagnose einen Fragebogen ausfüllen, der u. a. Fragen zu Stress und Perfektionismus enthielt. Nach drei bzw. sechs Monaten wurden die Teilnehmer erneut untersucht. Das Ergebnis: Bei 49 Patienten hatte sich ein chronisches Reizdarmsyndrom entwickelt. Und das waren gerade jene Patienten, die sich im Fragebogen als nahezu „perfekt" bewertet hatten.
Mut zur Lücke: Eine Verhaltenstherapie hilft dabei
Um den Perfektionismus abzulegen und in positive Energie umzuwandeln, kann Ihnen eine Verhaltenstherapie unter Anleitung eines Psychologen helfen. Dazu sind mindestens 20 Sitzungen (je 50 Minuten) nötig. Eine Sitzung kostet etwa 70 €, die in der Regel von den Krankenkassen übernommen werden. Das Ziel der Therapie ist, sich selbst realistische - nicht überhöhte - Standards zu setzen und zu lernen, mit eigenen Misserfolgen umzugehen.
Um dem Streben nach Perfektionismus zu entkommen, ist es vor allem wichtig, dass Sie sich nicht ständig mit anderen Menschen vergleichen. Denn Sie sind einzigartig, mit all Ihren Fähigkeiten, Kenntnissen, aber auch Fehlern. Gerade kleinere „Macken" machen uns liebenswert.
Hand aufs Herz: Personen, denen scheinbar alles gelingt, erwecken eher Argwohn als Sympathie. Stehen Sie also zu Ihren Fehlern, denn nur so können Sie letztendlich auch ein glücklicher Mensch werden.