Warum europäische Bio-Vorschriften keine maximale Qualität garantieren
Inga-Maria Richberg in Täglich Gesund
vom 26. Januar 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Artgerechte Tierhaltung, geringe Schadstoffbelastung und gesunde Ernährung sind laut Ökobarometer die drei wichtigsten Gründe für Verbraucher, zu Bioprodukten zu greifen. Inzwischen bieten daher nicht mehr nur Naturkostläden und Hofgeschäfte der Erzeuger entsprechende Produkte an, sondern auch Supermärkte und Discounter. Mit der Ausweitung des früheren Nischensegments ging eine wahre Inflation der Bio-Logos einher. Wir sagen Ihnen, auf welche Bio-Siegel Sie wirklich vertrauen können.
Eines vorweg: Umschreibungen wie „naturnah", „umweltverträglich" oder „aus kontrolliertem Anbau" bieten Ihnen keine Garantie für tatsächlich auf biologische bzw. ökologische Weise erzeugte Lebensmittel.
Kaufen Sie möglichst Waren aus der Region
Mit rund 17.000 Biobauern kann Deutschland die Nachfrage nach Bioprodukten längst nicht mehr decken. Das gilt besonders für Gemüse, Fleisch und Milch. Viele Lebensmittel kommen daher aus EU-Ländern, etwa Spanien und Italien, die über größere Bio-Anbauflächen verfügen.
Auch China und Vietnam drängen mit Macht in den Bio-Markt und bieten den großen Lebensmittelketten die benötigten großen Mengen. Schauen Sie daher auch bei Bioprodukten aufs Herkunftsland. Denn lange Lieferwege belasten unsere Umwelt, z. B. wenn Hülsenfrüchte, Getreide und Samen per Luftfracht aus dem Fernen Osten zu uns kommen. Umweltschonender ist der Kauf regionaler Saisonprodukte.
So unterscheiden sich die verschieden Bio-Siegel
Das europäische Bio-Siegel, eine grüne Getreideähre auf blauem Grund umgeben von Sternen, einem grünen Kreis und einem blauen Zackenrand, gibt es seit dem Jahr 2000. Doch es wird in Deutschland kaum verwendet. Verbreiteter ist das staatliche deutsche Bio-Siegel, ein grünes Sechseck mit dem Schriftzug Bio. Es ziert rund 40.000 Produkte. Waren, die diese beiden Zeichen tragen, müssen der unlängst leicht verschärften EG-Öko-Verordnung entsprechen. Sie gilt als Mindestanforderung an Bioprodukte: Mindestens 95 der Zutatenmüssen EU-Bioqualität aufweisen, es dürfen keine synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet und mit Tieren muss pfleglich umgegangen werden.
Deutlich strenger sind die Kriterien der acht traditionellen Bio-Verbände in Deutschland. Zu ihnen gehören die drei großen überregionalen Verbände Bioland, Naturland und Demeter, die regional begrenzten Bio-Anbauverbände Biokreis, Biopark, Ecoland und Gäa sowie Ecovin im Weinbau.
Spricht für gute Qualität: 2 Bio-Labels auf einem Produkt
Die Bio-Hausmarken der Supermärkte und Discounter wie BioWertkost (Edeka), Naturkind (Kaiser's Tengelmann), Grünes Land (Metro), Füllhorn (Rewe), Prima Bio (Aldi Nord), Bioness (Lidl), Bio Sonnen (Norma), Naturgut (Penny) und Bio- Bio (Plus) entsprechen entweder der EG-Öko-Verordnung oder sogar den strengeren Kriterien der großen deutschen Verbände.
Daher tragen sie neben der Hausmarke noch ein weiteres Bio-Siegel, das Ihnen beim Einkauf anzeigt, welchem Biostandard sie genügen. Am vertrauenswürdigsten sind die Produkte, die als zweites Siegel eines der acht strengen deutschen Labels tragen (z. B. Naturland, Demeter oder Bioland).
Wer aus gesundheitlichen Gründen Bio kauft, muss gut wählen: Obst und Gemüse aus Biolandbau sind tatsächlich geringer mit Pestiziden belastet als konventionelle Ware. Auch der Nitratgehalt der frischen Produkte ist zumeist niedriger. In dieser Hinsicht sind Bio-Obst und Bio-Gemüse eine gute Wahl. Auch frische Milch und frisches Fleisch aus Biolandwirtschaft enthalten mehr wertvolle Inhaltsstoffe, v. a. Vitamine und ungesättigte Fette, als konventionell erzeugte Produkte. Mehr Bewegung bei artgerechter Tierhaltung und natürliches, vollwertiges Futter verbessern tatsächlich die Qualität der Biolebensmittel.
Bio-Produkte sind leider nicht immer gesünder
Im Hinblick auf die Keimbelastung kann Bioware konventioneller Ware aber deutlich unterlegen sein. Vor allem Kochschinken, Hackfleisch, Bratwurst, Forellenfilets und Mozzarella fielen Berliner Testern in letzter Zeit durch ihre hohe Keimbelastung negativ auf. Da Biohersteller auf Konservierungsstoffe verzichten, sind die Haltbarkeitsfristen meist zu großzügig bemessen: Die Produkte sind sehr häufig schon vor Ablauf der Mindestfristen verdorben! Vertrauen Sie daher bei tierischen Bioprodukten unbedingt auf Ihre Sinne: Sehen die Waren unappetitlich grau bzw. verfärbt aus oder riechen sie seltsam - unbedingt Finger weg!
Bei Fertiggerichten und auch bei Kaffee schnitten Bio-Lebensmittel bei zahlreichen Tests oft ebenfalls schlechter ab als konventionelle: In puncto Haltbarkeit und Geschmack konnten die Bioprodukte häufig nicht mithalten.
Unser Fazit: Greifen Sie bei Bio-Obst und -Gemüse mit gutem Gewissen zu. Fleisch, Wurst und Käse beziehen Sie am besten direkt vom Erzeuger. Bei Fertigprodukten in Bioqualität müssen Sie dagegen meist in Sachen Geschmack und Qualität Abstriche machen. Sie sollten darauf besser verzichten.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Brigitte Schwarzwald (26.01. 2010 16:47 Uhr):
Das Feld: diesen Artikel kommentieren steht mitten im Artikel und der Artikel kann dann nicht weiter gelesen werden. Haben Sie keinen Einfluß darauf, dass dieser Satz immer erst am Ende der Artikel erscheint? Wäre jedenfalls supertoll.
Antworten - Kommentar von Edith Bär (26.01. 2010 17:56 Uhr):
ausser der Marke Demeter glaube ich keinem Bio Produkt. Wenn man regional einkauft vom Bauernhof um die Ecke ist das allemal besser als alle Bio Label
Antworten - Kommentar von Fritz (26.01. 2010 20:00 Uhr):
Ihr Bericht über BIO ist m.E. geschmeichelt da mit BIO der größte Betrug am Verbraucher getätigt wird.Und der Verbraucher fährt trotzdem auf BIO ab. Unsere konventionell erzeugte Lebensmittel werden bei der Erfassung auch kontrlliertauf unerlaubte Rückstände.
Antworten - Kommentar von Wolfgang Schiefer (27.01. 2010 08:24 Uhr):
Irgendwie ist der Beitrag nicht ganz vollständig, oder irre ich mich?
Antworten - Kommentar von Franz Berger (03.02. 2010 13:12 Uhr):
Ich behaupte das in BIOPRODUKTEN 100% BIO drinnen ist!!!! Die Fa. Landgarten in Bruck/Leitha ist ein reiner Bioproduzent - daher wissen wir selbstverständlich wer - wann - was - wo - wie usw. BIO -PRODUKTE prüft auch bei IMPORTIERTEN Produkten. Die Bioprüfstellen nehme ICH an kennen Sie sicherlich alle. Selbstverständlich muß bei jedem Bioprodukt die Nachvollziehbarkeit gewähleistet sein. Sollten Sie anderer Meinung sein, lade Ich Sie recht herzlich zu uns in die Firma Landgarten ein.
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