Warum das Huhn ein echter Grippeviren-Killer ist
unserer Amerika-Korrespondentin Jenny Thompson in Täglich Gesund zum Thema Grippe
vom 27.10.2004 16:00 Uhr
GNL5356
Lieber Leser,
Es passiert immer etwas. Oder zumindest immer dann, wenn es um die Grippe-Impfung geht. Es gibt jedes Jahr etwas Neues: Eine befürchtete Epidemie, ein Ansturm auf die Arztpraxen, der eine Impfstoff-Knappheit hervorruft, oder, wie in diesem Jahr, ein Impfstoff-Hersteller schließt, was knappe Vorräte, Diebstähle in Impfstoff-Lagern und einen regen Schwarzmarkt-Handel verursacht.
Wie Moshe ben Maimon sagen würde: Verrückt!
Ben Maimon war ein jüdischer Philosoph und Physiker, der im 12. Jahrhundert lebte und der als Behandlung von Grippe und Erkältungen eines empfiehl: Hühnersuppe. Der Geschichte nach bezog sich ben Maimon auf die klassische griechische Medizin, aber ich wette, er hatte das Rezept von seiner Mutter.
Ich wurde an die Suppe von ben Maimon erinnert, als mir ein Artikel der Associated Press in die Hände fiel, in dem über eine Klinik in Fergus Falls, Minnesota geschrieben wurde. Aufgrund der nationalen Knappheit erhielt diese Klinik keine Grippe-Impfstoffe mehr. Die Menschen, die vorbeikamen, um sich impfen zu lassen, erhielten statt einer Spritze einen Topf voll Hühnersuppe und eine Packung Taschentücher. Der Chef des Immunisierungsprogramms in Minnesota sagte zu den Suppenspenden: "Besser als gar nichts!".
Besser als gar nichts, in der Tat. Tatsächlich ist Hühnersuppe, nach einer Studie, vollgestopft mit guten Nährstoffen und hat sogar natürliche entzündungshemmende Stoffe in sich. Das ist mehr, als man von einer Grippeimpfung behaupten kann.
Stephen Rennhard ist Wissenschaftler an der Universität Nebraska, wo er die Abwehrmechanismen der Lunge untersucht. Eines Tages, als er die hausgemachte Hühnersuppe seiner Frau genoss, fragte er sich, ob etwas in der Suppe wohl einen entzündungshemmenden Effekt auf die viralen Atemwegsinfektionen hat, die verantwortlich sind für Erkältungen und Grippe.
Er bat seine Frau, für Laboruntersuchungen einige Töpfe voll Suppe nach einem Rezept mit Namen "Großmutters Suppe" zu kochen. Diese Suppe untersuchte er auf Effekte auf die so genannten neutrophilen Leukozyten; das sind weiße Blutkörperchen, die schleimige Abgabe stimulieren. Er fand heraus, dass die Zutaten der Suppe tatsächlich die Abgabe der neutrophilen Leukozyten hemmen.
Mit anderen Worten kann Hühnersuppe tatsächlich eine erkältungs- und grippebekämpfende Reaktion im Körper veranlassen. Aber mit der Hemmung der neutrophilen Leukozyten hört es noch lange nicht auf.
Viele Rezepte für Hühnersuppe enthalten genau das, was kranke Menschen brauchen: Zutaten, die nährstoffreich sind, wie Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Petersilie, Süßkartoffeln, Pastinaken und Steckrüben. All diese Inhaltsstoffe waren auch in der untersuchten "Großmutters Suppe").
In einem Interview erklärte Rennhard, dass der Dampf der warmen Suppe auch hilft, entzündete Stirnhöhlen zu beruhigen. Und wenn Ihnen jemand diese Suppe zubereitet, zum Beispiel eine liebevolle Großmutter, dann hat diese Fürsorge schon einen therapeutischen Effekt, der die Heilung vorantreibt.
Das Rezept von Rennhard verlangt nach Salz und Pfeffer, was ein guter Ratschlag ist.
Salz ist ein essentielles Elektrolyt, das die Flüssigkeitszufuhr begünstigt. Sie sollten nun nicht das Salz teelöffelweise hinzufügen, aber etwas Salz ist von Vorteil, außer, wenn Ihr Arzt es Ihnen verboten hat.
Und sparen Sie nicht mit dem Pfeffer. Pfeffer hilft, den Schleim zu verdünnen, weil er Flüssigkeiten in Mund und Hals anregt. Zudem enthält das Hauptbestandteil der Hühnersuppe – das Huhn – Cystein; das ist eine Aminosäure, die ebenfalls den Schleim verdünnt.
Wenn Sie also keine Grippeimpfung erhalten, stattdessen aber einen topf Hühnersuppe, achten Sie darauf, dass man Ihnen eine großzügige Portion mitgibt. Mit einem großen Topf Hühnersuppe, der auf dem Ofen vor sich hin kocht, werden Sie eventuell die gesündeste Grippesaison erleben, die Sie jemals hatten.