Verzicht auf Industriekost: Wie Sie als Genießer gesünder leben
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund
vom 13. Mai 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
Wer nimmt sich heute noch genügend Zeit zum Kochen und Essen? Für viele junge Menschen gehören gemeinsam zubereitete und genussvoll verzehrte Mahlzeiten bereits in eine längst vergangene Epoche. Der Trend geht zum Fertigprodukt. Vor dem Fernseher wird die schnell in der Mikrowelle aufgewärmte Tiefkühlpizza heruntergeschlungen. Von Gemütlichkeit und Genuss keine Spur. Doch immer mehr Menschen machen diesen Fast-Food-Wahnsinn nicht mehr mit. Zusammengeschlossen haben sie sich in einer Gruppe, die das „Fast" ganz bewusst durch ein „Slow" ersetzt. Die Slow-Food-Bewegung versteht sich als „internationaler Zusammenschluss zur Wahrung des Rechts auf Genuss".
So fördert Slow Food Ihre Gesundheit:
- Übergewicht wir vermieden.
- Der Cholesterinspiegel sinkt.
- Die Versorgung mit Vitalstoffen verbessert sich.
- Die Darmtätigkeit wird angeregt (durch langsames Kauen).
- Stress wird abgebaut.
- Der Körper wird weniger mit Zusatzstoffen belastet (Stärkung des Immunsystems, Schutz vor Allergien).
Dabei steht das langsame, genussvolle Essen im Vordergrund. Ihren Ursprung hat die weltweite Vereinigung in Italien: 1986 verhinderte eine Gruppe von Journalisten in Rom den Bau eines Fast-Food-Restaurants in der Nähe der Spanischen Treppe. Insgesamt gibt es in Deutschland 50 regionale Slow-Food-Gruppen - so genannte Convivien („Tafelrunden"). Auf Seminaren, Workshops, Kochkursen, Bauernmärkten, Weinproben etc. genießen die Slow-Food-Anhänger Produkte aus heimischen Regionen. Sie fördern regionale Spezialitäten, z. B. vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen, aber auch sehr schmackhafte Kartoffeln, Äpfel oder Kirschen, die es im Massenproduktions-Einheitsangebot unserer Supermärkte schon lange nicht mehr gibt.
Fette, Zusatzstoffe und künstliche Aromen machen Ihren Körper krank
Hinter allem steht das Wissen, dass Fast-Food und Fertigprodukte auf Dauer Ihrer Gesundheit schaden. Sie enthalten nur wenig Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, hingegen oft ein Übermaß an Fett, Zucker und Salz. Nur ein Beispiel: Maximal 600 kcal sollten Sie täglich in Form von Nahrungsfett zu sich nehmen. Doch allein ein Hamburger kann schon 500 kcal enthalten. Zum Vergleich: Wenn Sie einen Hackbraten aus hochwertigem Schweinefleisch selbst zubereiten, liefert er pro Portion lediglich etwa 200 kcal.
Viele Fertignahrungsmittel stecken außerdem voller Geschmacksverstärker (z. B. Glutamat) und Farbstoffe, die Kopfschmerzen, Müdigkeit und Allergien auslösen können. Wie schädlich die Industriekost tatsächlich ist, konnten im Jahr 2007 Forscher der Universität Southampton zeigen. Fast 200 Kinder erhielten täglich mit Farbstoffen und Konservierungsstoffen versetzte Getränke. Nach sechs Wochen bewerteten Eltern und Lehrer Symptome wie Nervosität oder Unruhe (ADHS-Syndrom). Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die ein unbelastetes Getränk erhalten hatte, waren sie um 25%angestiegen.
Das Geheimnis: Bauen Sie beim Essen Stress ab
Um diesen krank machenden Lebensmitteln zu entkommen, müssen Sie selbstverständlich nicht gleich Mitglied bei Slow-Food werden, denn es gibt auch so genügend Möglichkeiten, nach den Grundgedanken dieser gesunden Genießer zu leben.
So integrieren Sie Slow-Food-Ideen in Ihren Alltag:
- Bevorzugen Sie Produkte aus der heimischen Region.
- Kaufen Sie direkt beim Bio-Bauern oder im Bioladen ein.
- Kochen Sie, so oft es geht, selbst mit möglichst unverarbeiteten und frischen Nahrungsmitteln.
- Nutzen Sie saisontypische Produkte (z. B. keine Erdbeeren im Winter oder Weintrauben im Frühling).
- Genießen Sie Ihr Essen in aller Ruhe - allein, zu zweit oder in großer Runde mit Freunden.
Das langsame und genussvolle Essen hat zahlreiche positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit: Das Sättigungsgefühl setzt früher ein, und Sie essen nur so viel wie wirklich nötig. Außerdem bauen Sie Stress ab, wenn Sie sich bewusst Zeit zum Essen nehmen. Essen ist eindeutig mehr als nur die Aufnahme von Kalorien. Wenn Sie sich dabei wohl fühlen, Ihre sozialen Kontakte pflegen und den Geschmack genießen, ist Essen Entspannung pur - für Ihre Gesundheit ist das so förderlich, dass Sie ausnahmsweise auch mal „über die Stränge schlagen" können.