Verwenden Sie nur ausgewählte Algenpräparate
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Algen
vom 17.07.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Meer- und Süßwasseralgen werden derzeit als natürliches Wundermittel angepriesen. Was ist davon zu halten?“ fragte mich ein Leser aus Schleswig-Holstein gerade per Mail. Darauf kann ich nur mit Radio Eriwan antworten: Ja, sie sind gesund, aber nicht ohne Nebenwirkungen.

In der Gourmet-Küche gehören Algen mit ihrem Geschmack nach „Meer“ längst zum festen Bestandteil. Seit einiger Zeit werden sie auch als Nahrungsergänzungsmittel propagiert. Sie sollen Jodmangel beheben, Kalziumspeicher auffüllen, das Immunsystem stärken und vor Krebs schützen. Selbst gegen Depressionen hält man sie für wirksam.
Tun Sie sich mit der Einnahme von Algenprodukten etwas Gutes oder nicht? Die Frage kann nicht abschließend beantwortet werden. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für einen medizinischen Nutzen“, erklärt Jürgen Kundke vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV).
Als Nahrungsmittel in maßvollen Mengen sehr wertvoll
Alle Algen bestehen aus einem extrem einweißreichen Grundgerüst. Ein Eiweißgehalt von bis zu 65 % ist keine Seltenheit. In dieses Eiweißgerüst sind die Vitamine A, C, E, B 6 und B 12, zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente eingelagert. Die meisten Mineralstoffe enthält nach heutigen Kenntnissen die schwarze Hijiki-Meeresalge. Weil sie an Eiweiß gebunden sind, kann das menschliche Verdauungssystem die Inhaltsstoffe der Alge sehr leicht resorbieren – was sie vor allem nach der Einschätzung von Naturheilkundlern so wertvoll macht.
Algen gelten als gute natürliche Quelle, die körpereigenen Speicher an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelemente aufzufüllen. Das ist vor allem für ältere Menschen und chronisch Kranke besonders wichtig, weil sie sehr häufig wegen ihrer eingeschränkten Nahrungsaufnahme unter Mangelsymptomen wie Sehverschlechterungen, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Wundheilungsstörungen, Depressionsneigungen und Konzentrationsstörungen leiden.
Dennoch bringen die unterschiedlichen Algenpräparate einige bedenkliche Probleme mit sich:
- Zu viele Schwermetalle: Als besonders problematisch gelten Süßwasser-Afa-Algen. Sie können Verunreinigungen wie Schwermetalle oder Pestizide aus den Gewässern aufnehmen, die zu Nervenschädigungen führen können.
- Zuviel Jod: In manchen Produkten aus Meeresalgen fand die Zeitschrift „Ökotest“ mehr als 20 Gramm Jod pro Kilogramm. Von diesem Wert an dürften sie eigentlich nicht mehr verkauft werden. Die für Deutschland als Jodmangelland empfohlene Zufuhr von 200 Mikrogramm Jod täglich kann mit manchen Algenpräparaten leicht überschritten werden. Vor allem ältere Menschen kommen mit so hohen Mengen nicht klar. Bei ihnen kann die Schilddrüse nachhaltig aus dem Takt geraten.
- Verunreinigungen mit pflanzlichen Giftstoffen: Algen teilen sich den Lebensraum mit anderen Organismen und Pflanzen, die für den Menschen giftig sein können. Das gilt insbesondere für die Afa-Algen.
Meine Tipps für Sie:
Kaufen Sie nur Algenprodukte aus kontrollierter Herstellung und mit genauer Deklaration der Inhaltsstoffe. Verwenden Sie ausschließlich Algenprodukte mit Angabe der Jodkonzentration und nehmen Sie nicht mehr als 0,2 Milligramm Jod pro Tag zu sich. Vergessen Sie nicht, das jodierte Speisesalz und eventuell den von Ihnen verputzten Seefisch mit hinzu zu rechnen. Kaufen Sie nur Afa-Algen, deren Hersteller sich in der Packungsaufschrift eindeutig für die Einhaltung der US-Grenzwerte für Mikrozystin verbürgt. Die für Sushi verwendeten Nori-Blätter sind in Maßen genossen unbedenklich.
Nach ihrem Lebensraum werden Meeresalgen und Süßwasseralgen voneinander unterschieden
Meeresalgen sind großblättrige Makroalgen, die sehr viel Jod enthalten können. Sie werden unter anderem verkauft unter den Produktnamen
- Arame
- Dulse
- Hijiki
- Kombu oder Kelp
- Norio
- Wakame
Süßwasseralgen sind oft winzig kleine Algen, die in Seen wachsen. Als Nahrung lassen sie sich nicht zubereiten. Wegen ihrer hohen Nährstoffdichte werden sie jedoch seit einiger Zeit als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Bei wärmeren Temperaturen sind sie auch im Meer zu finden, dort gelten sie als „Algenpest“. Sie zeigen eine Belastung mit Nährstoffen (Gülle, Dünger) an, der die Algen explosionsartig wachsen lässt. Wenn sie verrotten, führen sie zu einer Unterversorgung des Wassers mit Sauerstoff.
Wichtigste Sorten im Handel:
- Spirulina
- Chlorella
- Klamath- oder Afa-Alge