Vertreiben Sie Ihren Winterblues mit gezielter Helligkeit
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten zum Thema Depression
vom 11. Januar 2012, 05:00 Uhr
GNL5356
Bis Weihnachten kommen die meisten Menschen mit den dunklen Tagen ganz gut klar. Doch danach - wenn das Grau einfach nicht weichen will - versinken viele mehr und mehr in Trübsal. Sie plagen sich mit einer Winterdepression - der "Saisonal Abhängigen Depression" (SAD), über die wir gestern schon sprachen. Was Ihnen hilft: Sport, Spaziergänge und künstliche Lichtquellen.
SAD entsteht hauptsächlich durch die verminderte Tageshelligkeit. Der Lichtmangel führt in Ihrem Körper zu einer Vielzahl von ungünstigen Reaktionen - etwa einer Verringerung der Knochendichte. Man nimmt an, dass neben Lichtmangel genetische Faktoren eine Rolle spielen. Frauen sind von der Winterdepression häufiger betroffen als Männer. Krankheitswert erreicht sie bei etwa vier bis sechs Prozent der Bundesbürger. Typischerweise kommt es ab dem späten Frühling zu einem völligen Rückgang der Krankheitserscheinungen.
Manche Forscher vermuten, dass der menschliche Körper sich eigentlich nach einem Winterschlaf sehnt. Vor allem in den finsteren Nordländern sind diese Erscheinungen ausgeprägt. Je dunkler das Gebiet, desto häufiger tritt die Winterdepression auf.
Das Tageslicht übt positive Wirkungen auf Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden aus. Über spezielle Rezeptoren in der Netzhaut Ihres Auges wirkt es auf die Zirbeldrüse des Gehirns und steuert damit die Bildung und Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Dieses reguliert Ihren Schlaf-Wach-Rhythmus. Es beeinflusst Ihre Stimmung, Ihren Antrieb und Ihre Leistungsfähigkeit. Ein Mangel an Melatonin verursacht biochemische Veränderungen im Gehirn, die zu einer Stimmungsverschlechterung führen können.
Generell beeinflusst Licht Sie auf drei Wegen: über Ihre Augen, Ihre Haut und die Zirbeldrüse. Was Sie wahrscheinlich nicht wissen: Fast alle Zellen Ihres Körpers verfügen über Lichtrezeptoren. Über die Augen und die Sehnerven regt Licht in Ihrem Gehirn die Ausschüttung bestimmter chemischer Botenstoffe an. Helles Licht aktiviert beispielsweise die Bildung von Serotonin und Noradrenalin. Diese beiden wirken unter anderem auf die Schilddrüse, die Nebennieren und die Geschlechtsdrüsen und bringen die Stimmung in Schwung. Das Tageslicht stoppt zudem die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Dieser Stoff bettet Sie des Nachts zur Ruhe und ist für die Reparatur und Erneuerung Ihrer Zellen zuständig. Tagsüber wird er jedoch nicht gebraucht. Das Licht wird auch direkt über die Haut aufgenommen - am besten übrigens dort, wo die Blutgefäße besonders dicht unter der Haut liegen.
Blaues Licht macht Sie munter
Schon seit vielen Jahren setzt die Medizin deshalb Lichttherapien zur Behandlung von Winterdepressionen ein. Die Betroffenen werden hellem Kunstlicht ausgesetzt. Wichtig ist, dass das Licht direkt auf die Netzhaut fällt, wobei Sie nicht unbedingt direkt in die Lichtquelle schauen müssen. Nach neueren medizinischen Erkenntnissen der Charité Berlin ist bei der Unterdrückung der Melatoninausschüttung nur ein kleines Frequenzband im blauen Bereich des Lichtspektrums aktiv.
Forscher der Universität von Surrey in der Nähe von London fanden heraus, dass mit Blau angereichertes Licht munter macht. Es steigert das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. „Wenn wir das Licht mit mehr Blaustoffen versetzten, nähern wir uns dem Ideal des natürlichen Lichts bei blauem Himmel," so der Leiter der Studie Derk-Jan Dijk. Bei Menschen, die am Computer arbeiten, vertreibt es überdies Augen- und Kopfschmerzen. Schon länger bekannt ist, dass Blautöne die Seele beruhigen.
Durch diese Erkenntnisse wurde es möglich, dass Sie Ihre Lichttherapie auch anwenden können, wenn Sie sich bewegen. Dafür sorgt beispielsweise ein neuer Tragstrahler (BlueLight mobile), der von der Charité Berlin mitentwickelt wurde. Er sieht aus wie eine überdimensionierte Brille, in der alle wichtigen Elemente untergebracht sind. Ihr Sichtfeld bleibt so beim Tragen des Gerätes weitgehend frei. Während Sie mit den herkömmlich Lichttherapiegeräten weitgehend zur Untätigkeit verdammt sind, können Sie mit diesem Gerät lesen, arbeiten oder leichten Sport treiben. Die Helligkeit des Lichts können Sie variabel einstellen. Das Gerät kostet etwa 400 Euro.