Verschimmeln Sie bloß nicht in Ihrer Wohnung
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 21.09.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Natürlich von Tag zu Tag, Einfälle und Ausfälle
Angesichts der immens gestiegenen Energiepreise warnen immer mehr Experten vor den negativen Auswirkungen auf das Wohnklima: Sparsame Mieter setzen sich lieber warm angezogen in die gute Stube und drosseln stattdessen die Heizung. Die Panik vor den Folgen des Klimawandels trägt dazu ein Übriges bei. Damit ziehen Schimmelpilze als Untermieter in viele Wohnungen ein.
Viele Leute können sich eine ausreichende Beheizung ihrer Wohnräume nicht mehr leisten, die Heizung bleibt aus und die Fenster zu. Gernot Henrich, Leiter des unabhängigen Bochumer Instituts für Bauwerksdiagnostik schlägt Alarm: Bereits nach den letzten Preisrunden der Energieunternehmen seien in Häusern, die über Jahrzehnte schimmelfrei waren, schlagartig neue Fälle aufgetreten. Schlafzimmer würden oft gar nicht, Küchen und Bäder nur noch kurzfristig vor oder während der Benutzung beheizt, ist seine Erfahrung. Dadurch kühlen die Wände aus und bieten dem Wohnschimmel einen idealen Nährboden.
Die Belastung der Raumluft geht von den Sporen der Schimmelpilze aus. Sie können sich zu einer echten Bedrohung für Ihre Gesundheit auswachsen, denn sie verursachen grippeähnliche Beschwerden, Allergien und Asthma. Schon vor der Erhöhung der Energiepreise wies fast jede fünfte Wohnung einen Schimmel- oder Feuchtigkeitsschaden auf. Das ergab eine Studie der Universität Jena.
Wer nicht ausreichend heizt, züchtet die Schimmelpilze
Schimmelpilze siedeln sich normalerweise vor allem durch Bau- oder Wasserschäden an. Begünstigt wird ihr „Gedeihen“ aber auch wenn Sie zu wenig heizen und nicht ausreichend lüften. Schon ein feuchter Keller ist eine Gesundheitsgefahr, alarmierte das Ärzteblatt „Medical Tribune“ kürzlich. Bereits einen Tag nach einem Wasserschaden können in Keller oder Wohnung Schimmelpilze festgestellt werden.
Professor Martin Pfeiffer vom renommierten Institut für Bauforschung in Hannover hat festgestellt, dass Schimmelpilze neben unsachgemäßer Modernisierung älterer Gebäude und Neubauten vor allem auch durch falsches Verhalten der Bewohner zum Problem werden.
Warme Luft kann wesentlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Wird mit Wasserdampf gesättigte Luft beispielsweise an einer kalten Wand abgekühlt, kondensiert Wasser aus und lässt sich als Feuchtigkeit an der Wand nieder. Früher sorgten undichte Fugen und Fenster dafür, dass diese Feuchtigkeit ebenso wie die Schadstoffausdünstungen nach draußen befördert werden konnten. Dieser Luftwechsel ist bei der modernen Bauweise unterbunden. Bevorzugt bilden sich Schimmelpilze deshalb in Wohnungen, die aus Energiespargründen stark abgedichtet sind, denn hier kann die Feuchtigkeit nicht abziehen. Wenn dann nicht richtig gelüftet wird, kondensiert die feuchte, warme Raumluft an den kältesten Flächen und Winkeln in Haus oder Wohnung. Das ist ein idealer Nährboden für Schimmel.
Schimmelpilzbefall macht sich durch Stockflecken, abgelöste Tapeten oder Schimmelecken bemerkbar. Die Nase spürt ihn an einem muffigen, erdigen Geruch, der durch die Pilze freigesetzt wird. Verschimmelte Oberflächen nur mit Alkohol abzuwischen, mit „Schimmelentferner“ einzusprühen oder mit „Anti-Schimmelfarbe“ zu überstreichen, reicht meist nicht aus, um gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden. Die Sporen der Schimmelpilze befinden sich in der Raumluft und können Sie krank machen. Deshalb müssen Bauschäden und Feuchtigkeitsquellen konsequent beseitigt werden.
So vermeiden Sie Schimmelpilze in Ihrer Wohnung:
- Halten Sie in Ihren Tagesräumen eine Temperatur von 21 Grad.
- Lüften Sie gründlich und regelmäßig. Die Faustregel lautet „kurz – oft – intensiv“. Das bedeutet: mehrmals täglich für 3 Minuten die Fenster richtig aufmachen und am besten eine Querlüftung durch gegenüberliegende Fenster erzeugen. Dann geht Ihnen auch im Winter nicht allzuviel Heizenergie verloren. Dauerlüften durch Kippfenster sollten Sie vermeiden. Ständiges Lüften führt zur Auskühlung der Wände, dann droht wiederum Schimmelbefall.
- Wenn Sie einen Raum für längere Zeit verlassen, sorgen Sie vorher ebenfalls für einen Luftaustausch.
- Lassen Sie sich beraten, ob Ihnen eine automatische Lüftungsanlage Vorteile verschafft.
- Auch in der abgelegensten Ecke muss eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet sein. Möbelstücke, insbesondere wenn sie einen geschlossenen Sockel haben, müssen mit einem Abstand von mindestens 8 Zentimetern zur Wand stehen.
- Behindern Sie Ihre Heizkörper nicht durch Möbel, schwere Gardinen oder unsachgemäß angebrachte Heizkörperverkleidungen.
- Halten Sie die Türen von unbeheizten Räumen geschlossen.
- Stellen Sie in kalten Räumen nur Pflanzen auf, die wenig Gießwasser brauchen, denn dieses wird in kalten Räumen auch von der Luft aufgenommen.
- Dampf, der beim Duschen oder Kochen entsteht, sollte gleich nach draußen gelangen oder sich über offene Türen in der gesamten Wohnung verteilen können.
- Hängen Sie - wenn möglich – keine Wäsche zum Trocknen in der Wohnung auf, das erhöht die Luftfeuchtigkeit nur unnötig.
Haben alle Verhaltensregeln und Vorsichtsmaßnahmen nichts genützt und Sie haben sich bereits Beschwerden „eingefangen“, sollten Sie sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass Ihre Räumlichkeiten gründlich saniert werden müssen. Dabei kann Ihnen ein Baufachmann helfen.
Wie sehen Sie das?
P. S.: Eine Broschüre zum Thema „Feuchte- und Schimmelpilzschäden in Innenräumen von Wohngebäuden – Ursachen, Risiken, Beseitigung, Vorbeugung, Rechtliche Würdigung“ erhalten Sie gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro plus Versand beim
Institut für Bauforschung e. V.
www.bauforschung.de