Vermeiden Sie diese größten Fehler, die Diabetiker begehen können
Dietmar Kowertz in Verbraucherschutz Vertraulich
vom 26. Juni 2008, 10:00 Uhr
GNL5356
Rund 6 Millionen Deutsche sind Diabetiker und in ärztlicher Behandlung. Nach Schätzungen von Medizinern ist allerdings nur ein Drittel richtig eingestellt und kontrolliert erfolgreich seinen Blutzuckerspiegel. Das bedeutet, dass 4 Millionen behandelte Diabetes-Patienten einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Nierenversagen und anderen lebensbedrohenden Komplikationen ausgesetzt sind. Denn ein zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer die Blutgefäße und Nerven irreparabel. Doch was sind die größten Fehler, die Diabetiker begehen und was können Sie selbst tun, um diese Erkrankung zu kontrollieren bzw. ihrem Fortschreiten vorzubeugen.
1. Fehler: Mangelhafte Qualität der Blutzuckereinstellung
Die regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels gilt als Schlüssel zu einer individuellen Behandlung und Einstellung bei Diabetes mellitus. So weit - so bekannt. Was jedoch viele insulinpflichtige Diabetiker nicht wissen: Die täglichen Glukosewerte können sehr stark variieren, einzelne Messungen geben lediglich Momentaufnahmen wieder.
Lassen Sie daher auch einen anderen Indikator bestimmen, der sehr viel besseren Aufschluss über den mittleren Glukosespiegel der vergangenen drei Monate gibt, den so genannten HbA1C-Test, auch „Zuckergedächtniswert" genannt. HbA1C ist ein Eiweißbestandteil der roten Blutkörperchen (Hb steht für Hämoglobin) und kann vom Arzt einfach aus dem Blut bestimmt werden (z.B. mit ClinRep® der Fa. Recipe). Die Kosten dafür tragen sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen.
In einer kürzlich in den USA durchgeführten großen Studie wurden die HbA1C-Werte von 157.000 Diabetikern untersucht. Zwei Drittel hatten Werte über 6,5 und etwa ein Viertel lag gar über 9 (Der normale HbA1C-Wert sollte unter 6,0 liegen.). Für jede Einheit über 6,0 steigt das Risiko für ernsthafte Diabetes-Folgeerkrankungen um 25 bis 40 Prozent!
Ich rate Ihnen daher folgendes: Wenn Diabetes erst kürzlich bei Ihnen festgestellt wurde, bitten Sie Ihren Hausarzt, Ihren HbA1C-Wert alle drei Monate zu bestimmen. Wenn Ihr HbA1C-Wert über sechs Monate hinweg im Normalbereich liegt, lassen Sie den Test zweimal pro Jahr machen. Achtung: Wenn Ihre Behandlung umgestellt oder die Dosierung geändert wird, sollten Sie anschließend den Test in Zeitabständen von sechs bis acht Wochen durchführen lassen.
2. Fehler: Zu geringe Messfrequenz bzw. falsche Messung
Diabetes-Patienten sollten ihren Blutzuckerspiegel mindestens dreimal täglich kontrollieren. Viele empfinden diese Prozedur als lästig und beschränken die Messung auf einmal pro Tag. Zudem messen die meisten ausschließlich vor den Mahlzeiten. Dabei ist es oft ebenso wichtig, den Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten festzustellen. Vor allem Patienten, bei denen trotz guter Nüchternblutzuckerwerte der HbA1C zu hoch ist, sollten auch jeweils bis zu 4 Stunden nach den Mahlzeiten messen.
„Besonders in den ersten Jahren eines Diabetes mellitus hat der nach einer Mahlzeit gemessene Wert einen stärkeren Einfluss auf den Gesamtglukosestoffwechsel als der Nüchternblutzuckerwert" weiß Professor Monika Kellerer vom Marienhospital in Stuttgart.
Empfehlung: Variieren Sie Ihre Messzeiten. Messen Sie stets den Nüchtern-Status nach dem Aufstehen. Dann messen Sie an einem Tag vor dem Mittagessen, am nächsten Tag vor dem Zubettgehen. Messen Sie zusätzlich mehrmals pro Woche 2 bis 3 Stunden nach dem Essen.
Vorsicht: Regelmäßig erhöhte Glukosewerte von 140 und höher zwei Stunden nach einer Mahlzeit oder von 110 und höher vor einer Mahlzeit sollten für Sie Anlass zu einem Arztbesuch sein.
Fehler Nr. 3 Verzögerter Beginn der Behandlung mit Medikamenten
Etwa 40 Prozent der Patienten mit Prediabetes - so bezeichnen Mediziner regelmäßige Nüchternzuckerwerte zwischen 100 und 125 - entwickeln später einen Diabetes mellitus. Hier können rechtzeitig verordnete und auch eingenommene Arzneimittel das Risiko zusätzlich senken.
Diese Medikamente lindern die Zuckerkrankheit
| Medikament | Wirkung |
| Metformin | Verringert die Glukose-Freisetzung in der Leber und reduziert so den Bedarf des Organismus an Insulin. In einer sechsjährigen Studie reduzierte die Einnahme von Metformin das Risiko einer Diabetes-Erkrankung um 31 Prozent. Bei diesem Medikament wird seltener als bei vergleichbaren eine Gewichtszunahme beobachtet. Als Nebenwirkungen können anfangs Übelkeit und Verdauungsstörungen auftreten. |
| Sulfonylureas | Unter diesem Sammelbegriff firmieren Medikamente wie Glimepirid (Handelsname Amaryl) und Gliquidon (Glurenorm). Beide bewirken eine erhöhte Insulinausschüttung der Pankreas. Als Nebenwirkungen können Gewichtsszunahme und zu niedriger Blutzuckerspiegel auftreten. Oft in Kombination mit Metformin eingesetzt. |
| Thiazolidinedione | Dazu gehören Pioglitazon (Actos) und Rosiglitazon (Avandia). Sie erhöhen die Wirkung des körpereigenen Insulins. Oft in Kombination mit den anderen genannten Arzneimitteln eingesetzt. Nebenwirkungen: Gewichtszunahme und Wasseransammlung im Gewebe. |
| Resorptionsverzögerer | Dazu gehören z.B. Acarbose (Glucobay) und Miglitol (Diastabol). Sie bewirken, dass kohlenhydratreiche Nahrung nicht in Glukose gespalten wird. Zusätzlich sättigende Wirkung, unterstützt die Gewichtsreduktion. Wirkt nur bei geringfügig erhöhten Blutzuckerwerten. |
| Insulin | Wird eingesetzt, wenn die medikamentöse Behandlung über drei Monate hinweg keine ausreichende Kontrolle der Zuckerwerte mehr ermöglicht. |
| Exenatide | In den USA wurde jetzt Exenatide (Byetta) als neues Medikament zugelassen. Es ersetzt die Wirkung des Hormons Incretin, welches Diabetiker nicht in ausreichendem Maße selbst produzieren können. Es verzögert die Magenentleerung und beugt damit hohen Blutzuckerwerten nach den Mahlzeiten vor. Zudem wirkt es leicht appetitzügelnd. Incretin muss zweimal täglich selbst injiziert werden. In Deutschland noch nicht zugelassen. |
Fehler Nr. 4: Unangepasste Lebensweise
Ersetzen Sie Weißbrot häufiger mal durch Vollkornbrot und reduzieren Sie Ihren Fettverzehr. Diabetiker mit Übergewicht sollten generell versuchen, 5 bis 10 Prozent ihres Körpergewichts abzunehmen. Dadurch kann ihr körpereigenes Insulin sehr viel besser den Blutzucker in Schach halten.
Bewegung tut gut: Patienten mit Prediabetes, die an fünf Tagen der Woche rund 30 Minuten leichte Gymnastikübungen ausübten, konnten in einer Studie ihr Risiko für Diabetes mellitus um 58 Prozent senken.