Ursache Umweltgifte? Darmerkrankungen nehmen immer weiter zu
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund zum Thema Darm
vom 11. Januar 2012, 16:00 Uhr
GNL5356
Immer mehr Menschen erkranken an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Hierzu gehören unter anderem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Während Morbus Crohn in den meisten Fällen im Darm auftritt, aber auch die ganze Magen-Darm-Region befallen kann, kommt es bei Colitis ulcerosa im Dickdarm zu Entzündungen. Die Folgen dieser Erkrankungen sind unter anderem starke Schmerzen in der Bauchgegend, Gewichtsverlust, Durchfall, der teilweise blutig ist oder Veränderungen der Haut.
Eine neue Studie der Universität Calgary, Kanada, hat nun gezeigt, dass die Erkrankungszahl gerade in Kanada und Europa ansteigt. Laut der kanadischen Studie leiden in Europa 828 Menschen pro 100.000 Einwohner an den Darmerkrankungen, in Nordamerika sind es 568.
In Entwicklungsländern werden immer dann mehr Krankheitsfälle gemeldet, wenn das entsprechende Land Fortschritte in der Industrialisierung macht. Zudem erkranken viele Menschen, wenn sie aus den Ländern, in denen es nur wenige Darmerkrankungen gibt, wie Asien, in Länder übersiedeln, wo diese weiter verbreitet sind, wie zum Beispiel nach Nordamerika oder Europa. In diesem Fall steigt ihr persönliches Risiko, selbst zu erkranken, deutlich an.
Die Forscher gehen davon aus, dass dies ein Hinweis darauf ist, dass gerade Umweltbedingungen eine große Rolle bei der Entstehung der Erkrankungen spielen. Dazu passen würde auch, dass entzündliche Darmerkrankungen eher in der Stadt als auf dem Land auftreten.
Klar ist, so die Wissenschaftler, dass sich durch die fortschreitende Verstädterung auch Hygienebedingungen, Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, ärztliche Versorgung und der Kontakt mit Bakterien verändert. Hinzu kommt die ansteigende Luftverschmutzung. All dies, kombiniert mit einer genetischen Vorbelastung, erhöht das Risiko, an den entzündlichen Darmerkrankungen zu erkranken. Welche Zusammenhänge hier aber genau existieren, haben Forscher bis heute noch nicht aufdecken können.
Für ihre Untersuchung hatten die kanadischen Wissenschaftler fast 250 Studien der letzten Jahrzehnte ausgewertet, die sich mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa befassten. Erstellt wurden die zugrunde liegenden Untersuchungen in Europa, Nordamerika und Asien. Sie enthielten Daten zur Krankheitshäufigkeit in der Bevölkerung und zur Neuerkrankung pro Jahr, aufgeteilt nach unterschiedlichen geographischen Regionen.