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Vergrößerte Prostata: Wann Sie den Arzt aufsuchen sollten

von unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief, dem Dienst, der Ihnen verlässliche Informationen für Ihre Gesundheit direkt aus der Mayo Clinic bringt

In letzter Zeit sind Sie vier bis fünf Mal in der Nacht zur Toilette gegangen. Ihre Frau glaubt, dass Sie Ihre Prostata überprüfen lassen sollten und drängt darauf, dass Sie zum Arzt gehen. Aber Sie kommen mit Ihren Symptomen zurecht und halten wenig von einer Behandlung.

Mit zunehmendem Alter entwickeln viele Männer eine vergrößerte Prostata, ein Zustand, der als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet wird. Die Symptome sind zwar unangenehm, aber tolerabel. Doch wenn sie lange Zeit unbehandelt bleiben, kann eine vergrößerte Prostata Ihre Blasenmuskulatur und sogar Ihre Nieren schädigen. Es ist wichtig, rechtzeitig den Arzt aufzusuchen, bevor sich die Schäden nicht mehr rückgängig machen lassen.

Wenn das Wasserlassen bei Männern zum Problem wird

Die Prostata oder Vorsteherdrüse gehört zum reproduktiven System der Männer. Sie liegt direkt unter der Blase und umschließt die Harnröhre, also das Röhrchen, über das die Blase entleert wird. Die Prostata sondert eine Flüssigkeit ab, die die Samenzellen ernährt und transportiert. Unter normalen Umständen ist die Prostata etwa so groß wie eine Walnuss. Im Alter vergrößert sich jedoch die Drüse häufig und verengt die Harnröhre. Das kann die Passage von Urin erschweren. Eine vergrößerte Prostata tritt etwa bei der Hälfte aller Männer in den 60ern und bei fast 80 % aller Männer zwischen 70 und 90 Jahren auf. Die Schwere der Erkrankung variiert. Nur etwa die Hälfte der Patienten mit einer vergrößerten Prostata hat Probleme, die sich bemerkbar machen bzw. so störend sind, dass eine Behandlung ratsam ist. Zu den Symptomen können folgende Erscheinungen gehören:

  • Ein schwacher Harnstrahl
  • Schwierigkeiten, mit dem Urinieren zu beginnen
  • Abbrechen und wieder fortfahren während des Wasserlassens
  • Nachtropfen am Ende des Urinierens
  • häufiger Harndrang
  • vermehrte nächtliche Toilettengänge (Nyktorie)
  • starker Harndrang
  • Unfähigkeit, die Blase komplett zu entleeren
  • Harnwegsinfektion

Wenn Sie eine dieser Schwierigkeiten bemerken, sollten Sie zu Ihrem Arzt gehen. Eine langfristige Blasenentleerungsstörung, die durch eine vergrößerte Prostata bedingt ist, kann den Verlust der Blasenspannung nach sich ziehen und zu einer Blasenerweiterung führen. Wenn diese zu lange unbehandelt bleibt, kann der Schaden an der Blasenmuskulatur nicht mehr rückgängig gemacht werden. Eine Therapie zur Behebung der Obstruktion wird das Problem nicht unbedingt lösen, wenn sie zu spät kommt. Blaseninfektionen und Nierenschäden können als Spätfolgen auftreten.

Wie die Diagnose gestellt wird

Um eine vergrößerte Prostata zu diagnostizieren, wird Sie Ihr Arzt nach Symptomen fragen, wann sie zuerst auftraten und wie häufig sie sich bemerkbar machen. Natürlich wird sich Ihr Arzt auch nach anderen Gesundheitsproblemen und eingenommenen Medikamenten – einschließlich der rezeptfreien Präparate und Nahrungs-ergänzungsmittel – sowie nach dem Auftreten von Prostata-Erkrankungen in Ihrer Familie erkundigen. Außerdem können zu Ihrer Untersuchung folgende Elemente gehören:

  • Rektaler Tastbefund – Zu diesem Zweck führt Ihr Arzt vorsichtig einen Finger in Ihren Anus ein, um den hinteren Abschnitt der Prostata zu ertasten. Das erlaubt Ihrem Arzt einen Rückschluss auf die Größe Ihrer Prostata. Daneben dient das Tasten auch dem Ausschluss von Prostatakrebs.
  • Urintest – Diese Untersuchung kann Ihrem Arzt helfen, eine Infektion oder andere Erkrankungen der Harnwege auszuschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen können wie eine vergrößerte Prostata.
  • Prostata-Spezifischer-Antigen (PSA)-Bluttest – PSA ist ein natürliches Produkt der Vorsteherdrüse und dient der Verflüssigung des Samens. Eine kleine Menge zirkuliert im Blut. Überhöhte Konzentrationen können auf eine vergrößerte Prostata, Prostatakrebs oder eine Entzündung des Organs hinweisen.

Wenn die Ergebnisse dieser Tests eine vergrößerte Prostata vermuten lassen, kann Ihr Arzt weitere Untersuchungen durchführen, darunter:

  • Fragebogen – Ein kurzer Fragebogen, der von der American Urological Association und ebenso von der Deutschen Gesellschaft für Urologen entwickelt wurde, fragt nach bestimmten Problemen beim Wasserlassen und wie häufig sie auftreten.
  • Harnfluss-Test – Damit misst man die Stärke und Menge des Harnflusses. Anhand der Dokumentation dieser Werte kann Ihr Arzt die Veränderung Ihres Harnflusses bestimmen.
  • Bestimmung des Restharns – Diese Methode lässt erkennen, ob Sie Ihre Blase vollständig entleeren können. Zu-erst werden Sie gebeten, Ihre Blase möglichst vollständig zu entleeren. Danach misst man die Menge des Restharns entweder mithilfe eines Katheters oder einer Ultraschalluntersuchung.
  • Ultraschall – Ultraschallbilder, die über eine Sonde im Enddarm aufgenommen werden, dienen der Beurteilung der Prostatagröße. Andere Probleme in diesem Bereich können auf dieselbe Weise entdeckt werden.
  • Urodynamische Studien – Wenn Ihr Arzt hinter den Symptomen ein Blasenleiden vermutet, kann er Tests empfehlen, mit denen der Blasendruck und die Funktion der Harnblase gemessen werden.
  • Zystoskopie – Bei diesem Verfahren wird ein beleuchtetes Instrument (Zystoskop) unter örtlicher Betäubung in die Harnröhre eingeführt. Damit kann Ihr Arzt einen Blick in Harnröhre, Blase und Teile der Prostata werfen. So können Probleme wie eine vergrößerte Prostata sowie verschiedene Abnormitäten und Verengungen aufgedeckt werden.
  • Intravenöses Pyelogramm oder Computer-Tomografie (CT) – Bei dieser Methode wird ein Kontrastmittel in Ihre Venen gespritzt und eine Röntgenaufnahme Ihrer Nieren, Blase und der sie verbindenden Harnwege gemacht. Das Kontrastmittel ermöglicht das Auffinden von Harnsteinen, Tumoren oder einer Blockade oberhalb Ihrer Blase.
  • Serum-Kreatinin – Dieser Bluttest kann zur Beurteilung der Nierenfunktion herangezogen werden.

Wählen Sie die für Sie richtigen Behandlungsmethoden

Die Behandlung einer vergrößerten Prostata richtet sich nach den Ergebnissen der Untersuchungen und der Dringlichkeit Ihrer Probleme. Wenn Ihre Symptome eher schwach und nicht zu störend sind, kann Ihr Arzt ein wachsames Abwarten empfehlen. In Abständen kann Ihr Arzt den Zustand neu untersuchen – vor allem in Bezug auf den Restharn –, um eine Veränderung festzustellen. Mit Medikamenten lassen sich schwache bis mäßige Symptome häufig in den Griff bekommen. Zu den Wirkstoffgruppen gehören Alphablocker, die die Muskeln am Blasenhals entspannen, Finasterid oder Dutasterid, die die Prostata schrumpfen lassen, oder eine Kombination dieser Medikamente. Eine Reihe von minimalinvasiven Therapien wird angewandt, mit denen sich die Drüsengröße reduzieren und damit verbundene Zustände behandeln lassen, die zu den Problemen beim Wasserlassen beitragen können. Diese Verfahren konzentrieren sich auf die Vergrößerung der Harnröhre, sodass das Urinieren erleichtert wird. Operative Eingriffe bleiben typischerweise schweren Problemen vorbehalten. Ihre Entscheidung für eine bestimmte Behandlung hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der Schwere der Symptome, der Größe Ihrer Prostata, Ihrem Alter, Gesundheit, sexueller Aktivität und einer Vorteile-Versus-Risiko-Abschätzung einer bestimmten Therapieform.

Wägen Sie Ihre Optionen ab

Auch nach einer Behandlung kann sich der Zustand mit der Zeit verschlimmern. Die medikamentöse Behandlung ist nicht immer wirksam. Eine langfristige unwirksame Behandlung kann zu denselben Komplikationen führen wie eine Unterlassung jeglicher Behandlung, wie Blasen- und Nierenschäden. Eine Operation kann schließlich nötig werden. Besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt, um die beste Behandlung zu finden. Es ist auch wichtig, Ihren Zustand regelmäßig zu überprüfen, damit die Behandlung eventuell angepasst werden kann. Jedoch ist es nicht empfehlenswert, die Symptome einfach nur zu tolerieren, da sie sich mit der Zeit verschlimmern und bleibende Schäden hinterlassen können.

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