MenüMenü

Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs: Es muss nicht immer gleich die Operation sein

von Dr. Michael Spitzbart, Chefredakteur von "Dr. Spitzbart’s Gesundheits-Praxis", Ihrem unabhängiger Gesundheitsberater für bewusste Ernährung, mentale Stärke und körperliche Fitness

Wenn Sie eine vergrößerte Prostata oder sogar Prostatakrebs haben, gibt es eine Reihe weiterer Therapien, die nicht zu den Standardtherapien gehören. Nicht, weil sie unbedingt schlechtere Ergebnisse liefern, sondern aufgrund von Nebenwirkungen oder weil sie nicht bei jedem Menschen angewandt werden können. Dennoch sollten Sie diese Therapien kennen – vielleicht ist ja eine für Sie geeignet.

Ein breites Feld an Therapien gibt es, mit denen eine kranke Prostata behandelt werden kann. Dass trotzdem oft zur klassischen Operation als Therapie gegriffen wird, liegt daran, dass diese sich in den meisten Fällen als hilfreich erwiesen hat. Was aber, wenn zum Beispiel Ihr Gesundheitszustand eine Operation mit Vollnarkose nicht zulässt? Ich möchte Ihnen einen Überblick über die gängigsten Methoden geben, die heute angewandt werden können. So lernen Sie Alternativen kennen, die vielleicht auch Ihnen helfen können. Gleichzeitig stelle ich aber auch die Nebenwirkungen dar – Sie sollten immer mit Ihrem Arzt entscheiden, welche Methode mit welchen Risiken für Sie die geeignete ist.

So kann eine Prostatavergrößerung behandelt werden

Schonende Verfahren bei einer Prostatavergrößerung werden im Moment immer weiter entwickelt. Bei ihnen handelt es sich entweder um Methoden, bei denen weniger Betäubungsmittel verwendet werden oder weniger Nebenwirkungen auftreten. Leider aber kennen wir Mediziner die Langzeitfolgen dieser Techniken noch nicht und wissen daher nichts über den dauerhaften Erfolg. Zudem werden sie noch nicht überall angeboten. Allerdings müssen Sie sich immer von Ihrem Arzt beraten lassen. Es kommt darauf an, ob in Ihrem Krankheitsfall eine solche Behandlung geeignet ist. Er kann Ihnen dann auch sagen, wo das Verfahren angewandt wird.

  • Laser-Vaporisation: Bei diesem Eingriff wird das vergrößerte Prostatagewebe verdampft. Der Laser wird durch die Harnröhre in den Körper geschoben und die Operation mit einer auf diesem Weg mit eingeschobenen Mini-Kamera überwacht.
  • Laser-Resektion: Das Prostatagewebe wird in diesem Fall nicht verdampft, sondern mit dem Laser weggeschnitten. Auch dieser Eingriff erfolgt durch die Harnröhre und wird über eine miteingeführte Minikamera überwacht.
  • Laser-Ablation: Lasersonden werden über die Harnröhre zur Prostata geschoben und dort in das Gewebe eingestochen. Dabei wird es zerstört. Diesen drei Techniken ist gemeinsam, dass das Gewebe, das gelöst oder weggedampft wird, vom Körper abgestoßen wird. Die Lasertechniken weisen kaum Komplikationen auf. Allerdings tritt die Wirkung der Operationen stark verzögert ein.
  • Thermotherapie: Diese Behandlung ist auch unter dem Namen „Hyperthermie“ bekannt. Durch Mikrowellen wird das Prostatagewebe erwärmt – Zellen sollen so weggeschmolzen werden. Die Operation erfolgt über die Harnröhre. Leider ist es mit diesem Verfahren nicht möglich, deutliche Verkleinerungen durchzuführen.
  • Stents: Bei Stents handelt es sich um kleine Gitterröhrchen. Diese werden bei einer Harnröhrenverengung zusammengefaltet in die Harnröhre eingeführt. Wenn der Stent bis zur verengten Stelle geführt wurde, wird er ausgefaltet. Dadurch drückt er die verengte Harnröhre wieder auseinander. Allerdings ist ein einmal gesetzter Stent keine Lösung für immer, sondern muss in regelmäßigen Abständen gewechselt werden. Für Patienten, die an Harnstau leiden, aber aufgrund ihres Allgemeinzustands nicht operiert werden können, ist er eine gute Alternative.

Hormontherapien: Wirksam, aber mit schweren Nebenwirkungen

Beim Prostatakrebs gibt es dagegen nicht so viele Alternativen. Hier beschränkt sich die gängige Behandlung auf Operation und Strahlentherapie, dennoch gibt es – je nach Krankheitsfortschritt auch Möglichkeiten, anders zu behandeln.

  • Abwarten und den Tumor beobachten: Dies passiert vor allem bei sehr kleinen Tumoren. Sichergestellt sein muss, dass sie sich auf die Prostata beschränken und auch nur sehr langsam wachsen. Dann kann Ihr Arzt die Behandlung verschieben. Dies passiert dennoch vor allem bei Menschen, deren Allgemeinzustand für eine Operation zu schlecht ist oder bei sehr alten Männern. Wichtig ist, dass Sie bei dieser Behandlungsform Ihre Kontrolltermine peinlich genau einhalten. Denn nur so kann Ihr Arzt ein eventuelles Wachstum des Tumors sofort erkennen.
  • Kryotherapie: Dabei handelt es sich um eine sehr neue Methode. Die Prostata wird vereist, das Krebsgewebe so zerstört. Aufgrund der Temperaturmess-Sonden, die mit in die Prostata eingeführt werden, wird verhindert, dass gesundes Prostatagewebe angegriffen wird.
  • Hormonentzug: Testosteron ist nicht unbeteiligt an Prostatakrebs – das Hormon fördert bei vielen Erkrankten das Krebswachstum und die Ausbreitung auf andere Organe. Wird das Testosteron gehemmt, gelingt es, in 80 % aller Fälle das Tumorwachstum zu stoppen. Auch Schmerzen können so gelindert werden. Allerdings ist diese Wirkung nicht von Dauer. Zudem kommt es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Impotenz, Brustvergrößerung oder Verlust von Knochenmasse.
  • Hodenentfernung: Diese Operation wird nur noch in Notfällen gemacht, um die Testosteronausschüttung nicht nur zu hemmen, sondern ganz zu unterbinden. Zwar wirkt sie innerhalb eines Tages und sorgt so für eine rasche Schmerzlinderung, ist aber psychisch sehr belastend für Sie als Patienten. Zudem kann sie nicht mehr rückgängig gemacht werden.
  • Hormontherapie: Sie bekommen ein bestimmtes Hormon, ebenfalls mit der Zielsetzung, die Testosteronproduktion zu hemmen.
  • Zystotika: Wenn der Tumor durch einen Hormonentzug nicht mehr zu behandeln ist, werden diese Medikamente eingesetzt. Allerdings ist die Behandlung nicht immer einfach, da die Mittel nur Krebszellen angreifen, die schnell wachsen. Prostatakrebs aber wächst in Phasen, teilweise sehr schnell, manchmal eben aber auch sehr langsam. Daher kann die Behandlung zeitaufwändig sein. Die Medikamente können also nur dann wirken, wenn die Phase des schnellen Wachstums beginnt und wirken so lange, wie diese Phase des Tumorwachstums anhält.
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten