MenüMenü

Prostatakrebs: Sind erhöhte PSA-Werte wirklich immer gefährlich?

Jährlich erkranken in Deutschland über 30.000 Männer an Prostatakrebs. Damit ist diese Krebsart inzwischen der häufigste Tumor des Mannes. Wird die bösartige Veränderung der Prostata in einem frühen Stadium entdeckt, so kann dieser Krebs – wie fast jede andere Krebserkrankung auch – geheilt werden.

In vielen Arztpraxen wird heute zur Früherkennung der PSA-Test angeboten. Doch ist er wirklich eine sinnvolle Untersuchung? Erfahren Sie hier, weshalb Sie sich zumindest nicht allein auf diesen einfachen Bluttest verlassen sollten und was ein erhöhter Wert tatsächlich für Sie bedeutet.

Prostatakrebs Mann© tashatuvango - Fotolia

Der PSA-Test und die Prostatawerte

Nur jeder Vierte über 50-jährige Deutsche nimmt die kostenlose Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs in Anspruch. Bei dieser Untersuchung muss der Arzt via Darmausgang mit dem behandschuhten Finger die Prostata (Vorsteherdrüse) abtasten. Um diese Diagnose zu unterstützen, hat sich die labordiagnostische Untersuchung des prostataspezifischen Antigens etabliert (PSA-Test). Die PSA-Bestimmung wird von den gesetzlichen Krankenkassen allerdings nicht bezahlt, Sie müssen die Kosten von etwa 20 Euro selbst tragen.

Bei PSA, dem prostataspezifischen Antigen, handelt es sich um ein Eiweiß. Dieses wird in der Prostata gebildet und sorgt für eine Verflüssigung des Spermas. So können die Spermien längere Distanzen zurücklegen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine Eizelle zu erreichen. Der Normalwert des PSA liegt zwischen 2 und 4 ng/ml. Liegt eine Krebserkrankung vor, steigt dieser Wert auf das Doppelte und Mehrfache. Gut zu wissen: Da es ungefähr 50 verschiedene Verfahren zur labormäßigen Bestimmung des PSA-Werts gibt, sollten Sie darauf bestehen, dass eventuelle Wiederholungsmessungen immer vom selben Labor durchgeführt werden.

7 Möglichkeiten, weshalb Ihre Prostatawerte verfälscht sein können

  • Wenn Sie viel Fahrrad fahren bzw. vor der Untersuchung auf dem Rad oder einem Heimtrainer gesessen haben, kann der PSA-Wert noch eine Woche lang erhöht sein.
  • Wenn Sie an einer gutartigen Prostataentzündung erkrankt sind oder Ihre Prostata altersbedingt gutartig vergrößert ist.
  • Wenn Ihre Prostata vor der Blutabnahme per Ultraschall oder Biopsie untersucht wurde, können noch bis zu einem Monat erhöhte Werte vorliegen (nach einer Katheterisierung oder Spiegelung noch eine Woche lang).
  • Wenn eine bakterielle Infektion der Prostata vorliegt.
  • Wenn Sie bis 72 Stunden vor der Messung Geschlechtsverkehr hatten.
  • Wenn eine Blutabnahme in aufrechter Haltung durchgeführt wird (bis zu 10 Prozent höhere Werte als im Liegen).
  • Wenn Sie Medikamente gegen eine gutartige Prostataerkrankung einnehmen (kann zu niedrige Messwerte zur Folge haben)

Wie hoch sollte der PSA-Wert sein?

Mediziner halten heute bei unter 50-Jährigen einen Wert bis zu 2,5 ng/ml und bei über 50-Jährigen einen solchen von bis zu 4,0 ng/ml für normal. Doch nicht allein die Höhe des Gesamt-PSA ist zur Risikoabklärung ausschlaggebend, sondern auch das Verhältnis von freiem zu gebundenem PSA. Die Konzentration des freien PSA wird zum gebundenen Anteil rechnerisch ins Verhältnis gesetzt (PSA-Quotient). Liegt dieser Wert dann unter 16 bis 20 Prozent, kann man wahrscheinlich von einem bösartigen Geschehen ausgehen; liegt er darüber, spricht das eher für eine gutartige Prostatavergrößerung.

Verschiedene wissenschaftliche Studien legen die Vermutung nahe, dass zusätzlich zum Gesamt-PSA und zum Verhältnis von freiem zu gebundenem PSA auch die Geschwindigkeit, mit der die PSA-Konzentration im Blut über die Jahre zunimmt, ein Hinweis auf ein vorliegendes Prostatakarzinom sein kann. Allein um diese Zunahme verfolgen zu können, sollten Sie regelmäßig an der Vorsorgeuntersuchung inklusive PSA-Messung teilnehmen. Wie bereits oben erwähnt, ist es wichtig, dass immer dasselbe Labor die Untersuchungen vornimmt, damit die Messwerte optimal vergleichbar sind. Erhöht sich Ihr PSA-Wert über einen Zeitraum von einem Jahr um mehr als 0,6 ng/ml, empfiehlt sich zur Abklärung der Ursache eine Biopsie der Prostata.

PSA-Wert nicht immer ausschlaggebend

Der PSA-Wert ist ein Indiz für Krebs, aber kein Beweis. Häufig wird vom Arzt daher auch gemessen, wie schnell der Wert sich in der letzten Zeit verändert hat bzw. wie stark er angestiegen ist. Doch auch das ist kein sicherer Beweis für das Vorliegen einer Krebserkrankung. Das haben Forscher aus New York jetzt nachgewiesen.

Sie haben über 5.500 Männer untersucht. Keiner von ihnen hatte Krebs, auch Tastuntersuchungen und PSA-Messungen waren unauffällig. Nach dieser Eingangsuntersuchung wurden die Männer, alle im Alter ab 55 Jahre, in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen erhielten ein Medikament, mit dem ihre vorhandene vergrößerte Prostata behandelt wurde, die anderen erhielten ein Scheinmedikament. Jährlich wurde zudem ein PSA-Test gemacht und bei denjenigen, bei denen er über 4 ng/ml lag, wurde eine Biopsie durchgeführt. Diejenigen, die nach der siebenjährigen Studie keinen Prostatakrebs hatten, ließen eine Abschlussbiopsie durchführen. Das Ergebnis: Egal, wie stark der PSA-Wert stieg, es gab keinen Zusammenhang zwischen Anstieg und Biopsie-Ergebnis. Vielmehr kann der Wert sich von Monat zu Monat verändern. Es sollte also immer ein zweiter Test durchgeführt werden und dann, bei dauerhaft erhöhten Werten, eine Tastuntersuchung erfolgen. Eine Biopsie sollte immer der letzte Schritt sein, der aber häufig überflüssig ist.

Weitere Anzeichen für Prostatakrebs

Tritt einer von diesen weiteren Symptomen auf, sollten Sie in jeden Fall einen Arzt aufsuchen um sicherzustellen, dass Sie wirklich keinen Prostatakrebs haben und gesund sind:

  • Blut im Urin
  • plötzliche Impotenz
  • plötzlich auftretende Rückenschmerzen
  • übermäßiger Harndrang
  • unvollständige Blasenentleerung
  • schwacher Harnstrahl
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten

Alte Kommentare
  • klaus jäger schrieb am 08.09.2009, 16:17 Uhr

    es gibt im Rahmen der Prostatauntersuchung auch den sogenannte PCA 3 Test, eine aufwändige Urinlaboruntersuchung nach Massage der Prostata. Dieser Test, leider auch recht kostenintensiv, soll aber zuverlässigere Ergebnisse bzgl. eines Prostatakarzinoms liefern und unnötige Biopsien vermeiden helfen. Ich persönlich hatte einen relativ hohen PSA Wert von 9,1, einen PSA Quotienten von 45 und einen PCA 3 Wert von 18. Der PSA Wert allein hätte wohl eher auf ein Karzinom hin gedeutet. Der PSA Quotient in Verbindung mit dem PCA 3 Wert aber dann doch wieder nicht. Grüße K. Jäger München

  • Roos Petra schrieb am 08.09.2009, 19:03 Uhr

    Man schreibt diesen Wert immer nur den Männern zu.ich war wegen einer Reizblase beim Urologen der mir diesen Test vorschlug.der erste Test war positiv,der zweite negativ.Er hat es aufs rauchen geschoben.wie kann das sein? Mit freundlichen Grüssen Frau Roos

  • Roland Wedig schrieb am 08.09.2009, 19:53 Uhr

    Guten Abend, in Leipzig laparaskopisch mit 63J. im Nov.2007 an PCA operiert,ergab in der Voruntersuchung einen PSA-Wert von3,74 ! Bestrahlung Mai 2008,seitdem PSA-Wert 0,01) Mit Selen-Tab.,Obst,Gemüsegerichte (basische Kost) Bewegung und Sport und vor allem: Kein Berufs-Stress als Rentner mehr!