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Probleme beim Wasserlassen: Neue Kombi-Therapie kann OP vermeiden!

Wenn Sie älter als 50 Jahre sind, müssen Sie möglicherweise öfter zum Wasserlassen auf die Toilette als früher. Bis vor kurzem waren die Ärzte schnell bei der Hand, diese Symptome allein einer gutartig vergrößerten Prostata zuzuschreiben, und verschrieben Medikamente, die die Prostata schrumpfen und entspannen bzw. empfahlen einen entsprechenden operativen Eingriff.

Neue medizinische Erkenntnisse weisen immer häufiger darauf hin, dass eine vergrößerte Prostata oft nur eine Neben- bzw. manchmal sogar überhaupt keine Rolle bei der Entstehung dieses Symptoms spielt. Das bedeutet, dass viele Männer einen Eingriff ganz vermeiden können – eine entsprechende Diagnose durch einen erfahrenen Arzt vorausgesetzt.

Die versteckte Übeltäterin

Da die Prostata die Harnröhre umschließt, wird diese oft zusammengedrückt, wenn sich die Prostata vergrößert. Folge: Der Harnstrom wird schwächer. In diesem Fall ist die Ursache tatsächlich das Wachstum der Prostata. Doch es gibt in diesem Zusammenhang auch andere Probleme, die sich etwa durch plötzlichen, heftigen Harndrang und durch wiederholtes Wasserlassen tagsüber sowie auch nachts bemerkbar machen, Ärzte sprechen dann von der so genannten Reizblase.

Diese Symptome haben aber nach neuesten Erkenntnissen weniger mit der Prostata als vielmehr mit der Blase zu tun. Denn bei einer Querschnittsverengung der Harnröhre muss die Blase einen höheren Druck aufbauen. Dadurch verstärkt sich die Blasenmuskulatur, und es wird schwieriger, sie unter Kontrolle zu halten.

So stellt der Arzt die Diagnose

Eine Prostatavergrößerung stellt der Arzt durch Abtasten der Prostata via Darmausgang und/oder durch die Bestimmung eines Enzyms (freie PSA) im Blut fest. Meist verschreibt Ihnen der Arzt ein Medikament. Lassen die Beschwerden nach, lagen die Probleme beim Wasserlassen tatsächlich an einer gutartig vergrößerten Prostata. Mittel der Wahl sind zum einen die Alpha-Blocker, z.B. Terazosin (Handelsname z.B. Flotrin) oder Doxazosin (Doxacor). Sie entspannen die Muskulatur im Bereich der Prostata und im Blaseneingang. Die Symptome verschwinden oft bereits nach einer Woche. Nebenwirkungen: niedriger Blutdruck und Schwindel beim Aufstehen, beides verschwindet meist innerhalb von drei Tagen.

Hinweis: Alpha-Blocker sollten Sie nicht einnehmen, wenn gleichzeitig eine Operation des Grauen Stars ansteht!

Zum anderen kommen die 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren in Betracht, z.B. Finasterid (Proscar) oder Dutasterid (Avodart). Diese Wirkstoffe lassen die vergrößerte Prostata schrumpfen, wodurch der Druck auf die Harnröhre nachlässt. Die Wirkung kann allerdings bis zu mehreren Monaten auf sich warten lassen und ist nicht so effizient wie die der Alpha-Blocker. Nebenwirkungen: verminderte Libido und Impotenz in 3 bis 10 % der Fälle.

Der neue Weg der Problembehandlung

In einer jetzt im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Studie wurden 879 Prostata-Patienten in vier Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt das Prostata-Medikament Tamsulosin (Alna Ocas), die zweite Gruppe ein Medikament gegen Reizblasen-Symptome, die dritte Gruppe bekam beide Medikamente und die vierte ein Placebo.

Die Mittel gegen Prostatavergrößerung, gegen überaktive Blase und das Placebo zeigten eine vergleichbare Wirkung, indem sie die Symptome etwas verringerten. Anders die Gruppe 3, die beide Medikamente erhielt: Diese Wirkstoffkombination hatte bei weitem den besten Effekt. Bei 80 % der Männer in dieser Gruppe ließen die Symptome deutlich nach!

Fazit: Wenn Sie von Ihrem Arzt prostatawirksame Medikamente verschrieben bekommen haben, aber keine Besserung verspüren, fragen Sie ihn nach einer entsprechenden Kombination aus Prostata-und Blasenmedikamenten.

Wann ist welche OP erforderlich?

Wenn sich die Beschwerden bei Einnahme des Kombinations-Präparats innerhalb von zwei bis vier Monaten nicht legen, kann ein Eingriff erforderlich werden.

  • Bei der so genannten TURP (Transurethrale Resektion der Prostata) werden via Harnröhre die einengenden Gewebeschichten der Prostata abgetragen und somit der Harnweg wieder freigemacht. Dabei ist es meist mit einem einmaligen Eingriff getan. Voll- oder Teilnarkose und Krankenhausaufenthalt sind hierbei erforderlich. Als Komplikationen treten in seltenen Fällen Inkontinenz und Impotenz auf.
  • Bei der so genannten TUMT (Transurethrale Mikrowellen-Thermotherapie) wird eine Sonde in die Harnröhre eingeführt, an deren Spitze Mikrowellen austreten, die das Gewebe der Prostata erhitzen und schrumpfen lassen. Dieser Eingriff geschieht ambulant und ohne Narkose. Häufig sind jedoch wiederholte Behandlungen erforderlich (Nebenwirkungen wie bei der TURP, jedoch seltener). Bei gutartiger Prostatavergrößerung bzw. bei Patienten, die nicht narkosefähig sind, ist die TURP die Therapie der Wahl.
  • Grünlicht-Laser- oder Holmium- Laser-Therapie. Hierbei wird das störende Gewebe entweder verdampft (Grünlicht-Laser) oder scheibchenweise abgetragen (Holmium- Laser). Auch hier können mehrere Behandlungen erforderlich werden. Der Eingriff erfolgt sowohl ambulant als auch stationär. Vorteil des Holmium-Lasers: Die Gewebeteile können gleich auf das Vorhandensein bösartiger Zellen untersucht werden (Nebenwirkungen wie bei der TUMT).
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