Die TVT-Plastik
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Operation statt Vorlagen
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Hoffnung für viele Frauen mit Blasenschwäche
Die neue, wenig eingreifende Operationsmethode erreicht auch bei schwerer Belastungsinkontinenz eine hohe Erfolgsquote.
Frauen trifft eine Harninkontinenz häufiger als Männer, schon aufgrund der Anatomie ihres Beckenbodens und der Belastungen, denen er ausgesetzt wird: Schwangerschaften und Geburten. Neben der Dranginkontinenz (infolge einer Überaktivität des Blasenmuskels) ist es vor allem die Belastungsinkontinenz, welche auch jüngere Frauen bedrückt. Von dem dafür viel gebrauchten Begriff „Stressinkontinenz“ beginnt die Fachwelt abzurücken, weil er Gedankenverbindungen zu rein psychischen Ursachen provoziert. Die Belastungen, unter denen unwillkürlich Harn abgeht, sind aber körperlich: Niesen, Husten, Lachen, Hüpfen, Laufen, Geschlechtsverkehr, Heben von Lasten usw.
Sehr erfolgreich – neben einer örtlichen Östrogenbehandlung für Frauen nach den Wechseljahren – ist das tägliche Beckenbodentraining durch die Frau. Doch nicht immer lassen sich damit alle Beschwerden beheben. Muskeln lassen sich bis ins hohe Alter stärken. Aber ein wesentlicher Teil der Halterung von Harnblase und Harnröhre besteht aus Bindegewebe. Dieses kann reißen, um die Öffnungen herum brüchig werden oder einfach in der Straffheit nachlassen. Davor konnte auch ein Dammschnitt unter der Entbindung nicht schützen. Zwar vermag eine straffe Muskulatur auch Bindegewebe zusammenzuhalten. Doch bei sehr erschlafftem Bindegewebe kommt ein Beckenbodentraining an seine Grenzen.
Operation statt Vorlagen
Für solche Fälle einer schlecht zu beeinflussenden Belastungsinkontinenz gibt es seit langem die Möglichkeit einer Operation. Die Kolposuspension (oder retropubische Operation) nach Burch hebt mit zwei verankerten Fäden den Beckenboden an. Sie hat eine hohe Erfolgsquote, erfordert aber einen Bauchschnitt. Jetzt wurde das Prinzip zu einer minimal invasiven (eindringenden) Methode verändert. Bei der TVT-Plastik (Tensionfree Vaginal Tape) nach Prof. Dr. Ulf Ulmsten, Uppsala, Schweden, wird eine Schlinge angebracht. Sie liegt spannungsfrei (tensionfree) unter dem mittleren Teil der Harnröhre und gibt ihr Halt. In Deutschland haben die Chirurgen und Gynäkologen mit inzwischen rund 8.000 solcher Eingriffe Erfahrung gesammelt. Langzeitergebnisse (über 5 Jahre) liegen allerdings noch nicht vor.
Der Unterschied gegenüber herkömmlichen Verfahren
Die neuere Operation nach Ulmsten kann in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) ausgeführt werden, so dass die Patientin mithelfen kann. Für den Operateur ist es nämlich schwer abzuschätzen, wie fest oder locker die Schlinge sitzen muss. Sitzt sie zu straff, kann sie später das Wasserlassen erschweren (Harnverhaltung). Sitzt sie zu locker, nützt sie nichts. Eine wache Patientin kann husten und Druck bei voller Blase ausüben, und damit lässt sich die notwendige Straffheit der Halterung schon während der Operation überprüfen. Zudem ist es in der Regel nicht nötig, danach vorübergehend einen Katheter zu legen.
Die eingesetzte Schlinge besteht aus dem Kunststoff Prolene, der auch in der plastischen Chirurgie verwendet wird und bisher keine Abstoßungsreaktionen hervorgerufen hat. Durch einen kleinen Schnitt im Bereich der vorderen Scheidenwand wird das Schlingenband unterhalb der Harnröhre rechts und links neben der Harnblase nach oben und durch die Bauchdecke geführt. Das 12 mm breite Band aus Netzgewebe trägt wie eine Hängematte und dient als Leitschiene zum Einwachsen von körpereigenem Bindegewebe. Als Operationsnarben bleiben zwei ca. 1 cm lange Schnitte im Unterleib, durch die die Schlingenenden gezogen und danach abgeschnitten wurden.
Wird die TVT-Plastik als alleiniger Eingriff durchgeführt, sind ca. 90 Prozent der Patientinnen sofort kontinent und können in den ersten 24 Stunden spontan ihre Blase entleeren. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die Frau zum erstenmal wegen Belastungsinkontinenz operiert wurde. Aber selbst bei einem Rezidiv (Wiederkehr) nach vorheriger Operation oder bei betagten Patientinnen sind die Ergebnisse dieser Schlingenoperation bemerkenswert. Wegen der möglichen Komplikationen – Verletzung der Blasenwand oder der Blutgefäße im Bereich des Blasenbodens – wird die Operation stets in der Klinik durchgeführt.