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Inkontinenz: Neues Medikament gegen Reizblase auf dem Markt

Bis zu achtmal müssen die Patienten nachts raus. Auch tagsüber drückt die Blase oft und wenn sie Glück haben, erreichen sie die Toilette gerade noch rechtzeitig. Manchmal ist es allerdings schon zu spät. Alle bisherigen Medikamente haben so viele Nebenwirkungen, dass bis zu 90 Prozent der Inkontinenz-Patienten die Therapie entnervt abbrechen.

Typische Behandlung der überaktiven Blase

In Deutschland sind etwa 4 Millionen Menschen von einer Reizblase (Dranginkontinenz) betroffen. Etwa genauso viele dürften an der zweiten Form der Inkontinenz leiden, der Belastungsinkontinenz. Eine überaktive Blase wird heute vor allem mit Medikamenten aus der Klasse der Anticholinergika behandelt.

Um deren Wirkung zu verstehen, ist ein Blick auf die Kontrolle der Blasenentleerung nötig. Diese wird durch das autonome (vegetative) Nervensystem gesteuert. Das verfügt über einen anregenden Teil (Parasympathikus). Diese Nerven schütten vor allem Acetylcholin aus. Der Botenstoff bewirkt, dass sich die Muskeln der Blasenwand zusammenziehen und die Blase entleert wird. Anticholinergika blockieren die Wirkung des Acetylcholins und vermindern so die unwillkürliche Blasenentleerung.

Häufige Nebenwirkungen der bisherigen Medikamente

  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Verwirrtheitszustände
  • Gedächtnisschwäche
  • Schlaflosigkeit
  • Übelkeit
  • Sehstörungen
  • Herzrasen, Herzrhythmusstörungen

Aufgrund dieser Nebenwirkungen setzen 70 bis 90 Prozent der Patienten die Anticholinergika innerhalb eines Jahres wieder ab und nehmen stattdessen lieber die Unannehmlichkeiten der Inkontinenz auf sich.

Mirabegron: Das neue und verträglichere Mittel

Falls auch Sie bisher mit diesen Medikamenten schlechte Erfahrungen oder keinen Erfolg hatten, sollten Sie Ihren Arzt auf den neuen Wirkstoff Mirabegron ansprechen. Es ist kein Anticholinergikum, sondern ein Beta-3-Adrenozeptor-Antagonist. Er wirkt auf den zweiten Teil des vegetativen Nervensystems (Sympathikus). Diese Nerven schütten Adrenalin aus und das hat auf die Blasenmuskulatur eher eine entspannende Wirkung. Mirabegron unterstützt diese Wirkung und reduziert so den Harndrang.

Das sollten Sie beim Einsatz von Mirabegron beachten

  • Die Wirkung stellt sich oft erst nach zwei bis vier Wochen ein. Gehen Sie also nicht davon aus, dass Ihnen bereits die ersten Tabletten helfen.
  • Das Medikament ist vor allem dann geeignet, wenn Sie bereits mehrere andere Medikamente einnehmen, da es weniger Wechselwirkungen als die bisher üblichen Anticholinergika hat. Mirabegron kann auch bei Grünem Star (Glaukom) verordnet werden (hier dürfen die herkömmlichen Reizblasen-Medikamente nicht genommen werden).
  • Ihr Arzt sollte die Pulsrate und den Blutdruck regelmäßig kontrollieren, da Mirabegron diese Werte leicht erhöhen kann.

Die Wirksamkeit von Mirabegron wurde zum Beispiel im Jahr 2014 an der Universität von Alberta in Edmonton (Kanada) an über 8.400 Patienten untersucht. Nach zwölf Wochen verringerte sich die Zahl der Inkontinenz-Episoden etwa um die Hälfte. Im Vergleich zu den herkömmlichen Anticholinergika war auch die Verträglichkeit besser. Beispielsweise trat Mundtrockenheit unter Mirabegron sechsmal seltener auf.

Wie entsteht eine Reizblase?

Ähnliche Symptome wie bei einer Blasenentzündung können von einer Reizung herrühren, bei der keine krankhaften Veränderungen oder ein Bakterienbefall zu beobachten sind. Die genauen Ursachen konnten bisher nicht ausreichend geklärt werden. Aber nach vorangegangenen Blasenentzündungen oder nach einer Operation an den Harnorganen kann es zur Reizblase kommen. Auch hormonelle Einflüsse und seelisch-nervöse Faktoren wie Stress spielen eine Rolle. Hier können pflanzliche Präparate (keine Antibiotika) helfen. Fragen Sie Ihren Arzt.

  • Frauen, die häufig an einer Reizblase leiden, sollten auf reizende Lebensmittel verzichten: kohlensäurehaltige Getränke, unverdünnte Fruchtsäfte, Wein, stark geröstete Kaffeesorten oder scharf gewürzte Speisen.
  • Wird zu wenig getrunken, kann die höhere Urinkonzentration die Blasenwände reizen. Deshalb viel neutrale Flüssigkeit trinken, am besten Wasser und „unschuldigen“ Kräutertee. Tee aus Heilpflanzen kommt noch hinzu.

Johanniskraut beruhigt die Reizblase

Das Johanniskraut hat nicht nur einen Einfluss auf Ihr Gemüt oder ihr allgemeines Wohlbefinden, sondern kann auch bei einer Reizblase seine positive Wirkung entfalten. Johanniskraut vermag eine Reizblase zu beruhigen. Es enthält aber auch antibiotisch wirksame Substanzen, welche die Heilpflanze bei einer bakteriellen Blasenentzündung empfehlen.

Zubereitung: Aufguss aus ein bis zwei Teelöffeln Johanniskraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser. Zehn Minuten ziehen lassen und dann zwei- bis dreimal täglich eine Tasse trinken.

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