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Inkontinenz – Wenn die Blase außer Kontrolle gerät

Eine Harn-Inkontinenz ist zwar keine gefährliche Krankheit, aber für die Betroffenen macht sie schon die kleinen Dinge des Lebens schwierig:

  • Kann ich immer „das Wasser halten“, wenn ich huste?
  • Schaffe ich es noch rechtzeitig zur Toilette?
  • Soll ich mich wirklich zu dem Busausflug anmelden?

Das sind Fragen, die das Leben der Patienten bestimmen.

Inhalt:

  1. Die wichtigsten Arten von Inkontinenz
  2. Diese Faktoren erhöhen das Risiko für eine Harn-Inkontinenz
  3. Wie eine Reizblase entsteht
  4. Inkontinenz: Neues Medikament gegen Reizblase auf dem Markt
  5. Inkontinenz: Neuartiges Vibrations-Training und Gel-Injektionen stoppen Blasenschwäche
  6. Probleme beim Wasserlassen: Neue Kombi-Therapie kann OP vermeiden
  7. Sagen Sie der Inkontinenz den Kampf an
  8. Inkontinenz nach Prostata-Behandlung

Bis zu 8x müssen die Patienten nachts raus, auch tagsüber drückt die Blase oft. Und wenn sie Glück haben, erreichen sie die Toilette gerade noch rechtzeitig. Manchmal ist es allerdings schon zu spät…

In Deutschland sind etwa 4 Mio. Menschen von einer Drang-Inkontinenz betroffen. Etwa genauso viele dürften an der 2. Form der Inkontinenz leiden, der Belastungs-Inkontinenz. Mehr als 60% der Menschen über 60 Jahren leiden an einer Blasenschwäche. Etwa jede 3. Frau leidet unter einer quälenden Harn-Inkontinenz. Im höheren Lebensalter sind es sogar 60 – 80%.

Wenn Sie davon betroffen sind, scheuen Sie sich nicht, wegen Ihrer Probleme den Arzt Ihres Vertrauens aufzusuchen!

Als erstes verschafft dieser sich einen Überblick über das Erscheinungsbild Ihrer Inkontinenz und schließt andere Erkrankungen aus. Denn die Art der Behandlung richtet sich nach der Form Ihrer Inkontinenz.

Die wichtigsten Arten von Inkontinenz

Auch wenn der Volksmund den unfreiwilligen Harnverlust häufig als „schwache Blase“ bezeichnet, ist die Blase nicht immer der Auslöser des Problems.

Je nach Ursache unterscheiden Mediziner verschiedene Arten der Inkontinenz; die Medizin hat sich inzwischen auf eine neue Definition der Formen geeinigt:

1. Hyperaktive Blase (früher: Drang-Inkontinenz)

Ihre Blase ist noch fast leer und trotzdem empfinden Sie immer wieder einen starken, plötzlichen Harndrang? Und manchmal gehen dabei auch ein paar Tröpfchen unkontrolliert ab?

Ursache ist eine nervöse Überaktivität der Blasen-Muskulatur. Schuld sind also überaktive Kontraktionen des Blasenentleerungs-Muskels und die Rezeptoren in Ihrer Blasenwand, die den Füllstand messen. Diese melden dem Gehirn vorschnell, dass die Blase gefüllt ist.

Das Gehirn sendet dann zu früh das Signal an die Blase zurück, dass diese entleert werden soll. Das löst wiederum einen starken, krampfartigen Drang aus.

Die abgehenden Urin-Mengen sind dabei meist nur gering. Organische Ursachen liegen bei dieser Konstellation nicht vor. Die Psyche hingegen ist ein häufiger Auslöser dieser fehlerhaften Kommunikation.

Diese Form der Inkontinenz geht weniger mit einem unwillkürlichen Harnabgang einher als mit einem häufigen und besonders fordernden Harndrang – auch nachts.

Eine weitere treffende Bezeichnung für die Drang-Inkontinenz ist  „Reizblase“.

Mögliche Ursachen:

  • Harnwegs-Infekte
  • Demenz-Erkrankungen
  • Diabetes
  • Medikamente (z. B. Blutdruck-Mittel oder Antidepressiva)

Symptome: ständiger Harndrang, der sich oft nicht willkürlich unterdrücken lässt. Typisch sind nächtliche Gänge zur Toilette, die den Schlaf empfindlich stören.

Betroffen sind hiervon v. a. Männer.

2. Belastungs-Inkontinenz (Stress-Inkontinenz)

Ihre Harnröhre muss dem Druck der vollen Blase mit Gegendruck standhalten. Allerlei Faktoren können die Verschluss-Muskulatur rund um die Blase schwächen.

Hält der Blasen-Schließmuskel nicht mehr dicht, können unkontrolliert kleine bis größere Mengen Urin abgehen. Bei körperlicher Belastung (Heben von Lasten, Husten und Niesen) geht also  unwillkürlich Urin ab.

Häufig liegt zusätzlich eine Schwäche der Beckenboden-Muskulatur vor.

Diese Form wird Belastungs-Inkontinenz genannt. Früher wurde sie auch „Stress-Inkontinenz“ genannt (s. Überschrift). Diese Bezeichnung ist jedoch etwas missverständlich, da „Stress“ eher als ein psychisches Problem verstanden wird. Psychischer Stress gehört aber nicht zu den Ursachen einer solchen Form von Inkontinenz.

Auslöser können sein:

  • banale, alltägliche Vorgänge (z. B. Husten, Niesen, Lachen)
  • körperliche Anstrengungen (z. B. Heben eines Getränkekastens, Tragen, Springen auf dem Trampolin)
  • im fortgeschrittenen Stadium z. B. das Aufstehen, Hinsetzen und sogar Liegen (Lagewechsel)
  • Schwangerschaften und (schwere) Geburten,
  • Übergewicht
  • chronischer Husten
  • schwaches Bindegewebe / Gewebs-Schwäche im Alter
  • eine niedrige Östrogen-Ausschüttung
  • Prostata-Operationen

Symptome: ungewollter Urinverlust beim Lachen, Niesen oder bei körperlicher Anstrengung.

Frauen bis zum Alter von etwa 50 Jahren leiden häufiger unter einer Belastungs-Inkontinenz. Ältere Frauen sind dagegen eher von einer hyperaktiven Blase bzw. einer Mischung aus beiden Inkontinenz-Formen betroffen.

3. Überlauf-Inkontinenz

Es gibt noch eine 3. Form: die Überlauf-Inkontinenz. Sie wird durch ein Hindernis im Bereich des Blasen-Ausgangs verursacht.

Da es sich hierbei meistens um eine vergrößerte Prostata handelt, sind von dieser Form fast immer Männer betroffen.

Bei allen Inkontinenz-Formen sollten Sie immer zuerst einen Arzt konsultieren (Gynäkologe oder Urologe), um Infektionen, Blasensteine oder Tumore auszuschließen.

Diese Faktoren erhöhen das Risiko für eine Harn-Inkontinenz

Frauen:

  • anlagebedingte Bindegewebs-Schwäche
  • Schädigung, Überdehnung oder Schwächung der Beckenboden-Muskulatur durch Schwangerschaften, Entbindungen oder Operationen am Unterleib
  • Östrogen-Mangel während/nach der Menopause  – die Harnröhren-Schleimhaut erschlafft

Männer:

  • gutartige Vergrößerung der Prostata (Abfluss-Hindernis am Blasen-Ausgang)
  • die dafür notwendige Medikation (z. B. Alpha-Rezeptoren-Blocker)
  • Operationen (z. B. Teilentfernung der Prostata; insbesondere des Teils der Drüse, der die Harnröhre einengt)
  • übermäßiger Genuss von Kaffee

Beide Geschlechter:

  • Übergewicht (erhöht den Druck im Bauchraum)
  • Medikamente wie blutdrucksenkende ACE-Hemmer oder Antidepressiva können eine schon bestehende Blasenschwäche verstärken.
  • psychosomatische Ursachen: Stress und Aufregung können zu einer Reizblase führen.
  • ständige Reizungen durch Harnwegs-Infekte, Harnröhren-Verengung oder Blasensteine
  • Nervenschäden oder Reizungen (z. B. durch Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder aufgrund eines schlecht behandelten Diabetes mellitus)
  • übermäßiger Genuss von Alkohol und/oder Nikotin

Kaffee erhöht Inkontinenz-Risiko bei Männern

Kaffee hat bei vielen Menschen den Effekt, dass er die Urin-Produktion steigern kann. Bei Männern kann sich das enthaltene Koffein allerdings noch anders auf die Blase auswirken – das zeigt eine Untersuchung der University of Alabama at Birmingham:

Die Wissenschaftler hatten Daten von fast 4.000 Männern ausgewertet, die von 2005 – 2008 an 2 großen Ernährungs-Studien in den USA teilgenommen hatten. Im Rahmen dieser Studien gaben sie auch Auskunft über ihren Koffein-Genuss. Außerdem äußerten sie sich zu ihren gesundheitlichen Problemen und Gewohnheiten.

Die Forscher entdeckten, dass fast 13% der Teilnehmer unter Harn-Inkontinenz litten:

  • Männer, die pro Tag mind. 2 Tassen Filterkaffee tranken, hatten ein um 72% erhöhtes Risiko für Inkontinenz – unabhängig davon, ob sie unter anderen gesundheitlichen Problemen litten.
  • Bei Männern, die 3 Tassen und mehr tranken, verdoppelte sich das Risiko für eine mittelschwere bis schwere Inkontinenz – so bezeichnet man den unkontrollierten Verlust von mehr als einigen Tropfen Urin öfter als 1x pro Woche.

Auf Frauen hat Kaffee-Konsum nicht solche Auswirkungen. Bei einer Auswertung von medizinischen Daten von 21.000 Frauen hat sich gezeigt, dass Koffein sich nicht negativ auf die Inkontinenz auswirkt.

Wie eine Reizblase entsteht

Ähnliche Symptome wie bei einer Blasen-Entzündung können von einer Reizung herrühren, bei der keine krankhaften Veränderungen oder ein Bakterien-Befall zu beobachten sind. Die genauen Ursachen konnten bisher nicht ausreichend geklärt werden.

Aber nach vorangegangenen Blasen-Entzündungen oder nach einer Operation an den Harn-Organen kann es zur Reizblase kommen. Auch hormonelle Einflüsse und seelisch-nervöse Faktoren wie Stress spielen eine Rolle.

Hier können pflanzliche Präparate (keine Antibiotika) helfen – fragen Sie Ihren Arzt danach!

Frauen, die häufig an einer Reizblase leiden, sollten auf reizende Lebensmittel verzichten:

  • kohlensäurehaltige Getränke,
  • unverdünnte Fruchtsäfte,
  • Wein,
  • stark geröstete Kaffee-Sorten
  • oder scharf gewürzte Speisen.

Wird zu wenig getrunken, kann die höhere Urin-Konzentration die Blasenwände reizen. Deshalb sollten Sie stets viel neutrale Flüssigkeit trinken; am besten Wasser und „unschuldigen“ Kräutertee. Tee aus Heilpflanzen kommt noch hinzu.

Johanniskraut beruhigt die Reizblase

Das Johanniskraut hat nicht nur einen Einfluss auf Ihr Gemüt oder ihr allgemeines Wohlbefinden, sondern kann auch bei einer Reizblase seine positive Wirkung entfalten; Johanniskraut vermag eine Reizblase zu beruhigen.

Es enthält aber auch antibiotisch wirksame Substanzen, welche die Heilpflanze bei einer bakteriellen Blasen-Entzündung empfehlen.

Zubereitung: Aufguss aus 1 – 2 TL Johanniskraut mit 1/4 l kochendem Wasser. 10 Min. ziehen lassen und dann 2- bis 3x täglich 1 Tasse trinken.

Inkontinenz: Neues Medikament gegen Reizblase auf dem Markt

Alle bisherigen Medikamente haben so viele Nebenwirkungen, dass bis zu 90% der Inkontinenz-Patienten die Therapie entnervt abbrechen.

Typische Behandlung der überaktiven Blase

Eine überaktive Blase wird heute v. a. mit Medikamenten aus der Klasse der Anticholinergika behandelt.

Um deren Wirkung zu verstehen, ist ein Blick auf die Kontrolle der Blasene-Etleerung nötig. Diese wird durch das autonome (vegetative) Nervensystem gesteuert.

Das verfügt über einen anregenden Teil (Parasympathikus). Diese Nerven schütten v. a. Acetylcholin aus. Der Botenstoff bewirkt, dass sich die Muskeln der Blasenwand zusammenziehen und dass die Blase entleert wird.

Anticholinergika blockieren die Wirkung des Acetylcholins und vermindern so die unwillkürliche Blasen-Entleerung.

Häufige Nebenwirkungen der bisherigen Medikamente

Aufgrund dieser Nebenwirkungen setzen 70 – 90% der Patienten die Anticholinergika innerhalb eines Jahres wieder ab und nehmen stattdessen lieber die Unannehmlichkeiten der Inkontinenz auf sich.

Mirabegron: Das neue und verträglichere Mittel

Falls auch Sie bisher mit diesen Medikamenten schlechte Erfahrungen oder keinen Erfolg hatten, sollten Sie Ihren Arzt auf den neuen Wirkstoff Mirabegron ansprechen.

Es ist kein Anticholinergikum, sondern ein Beta-3-Adrenozeptor-Antagonist. Er wirkt auf den 2. Teil des vegetativen Nervensystems (Sympathikus). Diese Nerven schütten Adrenalin aus und das hat auf die Blasen-Muskulatur eher eine entspannende Wirkung. Mirabegron unterstützt diese Wirkung und reduziert so den Harndrang.

Das sollten Sie beim Einsatz von Mirabegron beachten

  • Die Wirkung stellt sich oft erst nach 2 – 4 Wochen ein. Gehen Sie also nicht davon aus, dass Ihnen bereits die ersten Tabletten helfen!
  • Das Medikament ist v. a. dann geeignet, wenn Sie bereits mehrere andere Medikamente einnehmen, da es weniger Wechselwirkungen als die bisher üblichen Anticholinergika hat. Mirabegron kann auch bei Grünem Star (Glaukom) verordnet werden. (Hier dürfen die herkömmlichen Reizblasen-Medikamente nicht eingenommen werden.)
  • Ihr Arzt sollte die Pulsrate und den Blutdruck regelmäßig kontrollieren, da Mirabegron diese Werte leicht erhöhen kann.

Die Wirksamkeit von Mirabegron wurde z. B. im Jahr 2014 an der Universität von Alberta in Edmonton (Kanada) an über 8.400 Patienten untersucht.

Nach 12 Wochen verringerte sich die Zahl der Inkontinenz-Episoden etwa um die Hälfte. Im Vergleich zu den herkömmlichen Anticholinergika war auch die Verträglichkeit besser. Beispielsweise trat Mundtrockenheit unter Mirabegron 6x seltener auf.

Inkontinenz: Neuartiges Vibrations-Training und Gel-Injektionen stoppen Blasenschwäche

Inzwischen sind 2 neuere Verfahren verfügbar, die eine Behandlung – v. a. im Bereich der Stress-Inkontinenz – noch erfolgreicher machen:

  1. ein Vibrations-Training, das speziell als Ergänzung zur Beckenboden-Gymnastik gedacht ist
  2. und eine Schlüsselloch-Operationsmethode, bei der die Harnröhre durch kleine Gelpolster verengt wird.

Vibrations-Training stärkt den Beckenboden

Eine Harn-Inkontinenz kann z. B. generell durch eine Schwäche des Schließmuskels – und bei Frauen durch eine Gebärmutter-Senkung – bedingt sein. Mediziner sprechen dann von einer „Stress- oder Belastungs-Inkontinenz“ (s. o.).

Dagegen liegt einer „Drang-Inkontinenz“, wie bereits erwähnt, eine überaktive Blasen-Muskulatur zugrunde (Reizblase).

Eine sehr erfolgreiche Methode gegen Stress-Inkontinenz ist das Beckenboden-Training (s. auch weiter unten).

An der Universität Göttingen haben Mediziner diese gymnastischen Übungen durch ein sogenanntes Vibrations-Training ergänzt. Dabei stehen die Patienten auf einer Art Wippe, die von einem Motor angetrieben wird. Sie hebt und senkt sich sehr schnell, aber lediglich um einige Millimeter. Die Patienten spüren das als eine leichte Vibration.

Die Muskulatur reagiert dabei unwillkürlich und versucht, diese Bewegung auszugleichen. Pro Minute kommt es dabei im Bereich des Beckenbodens zu fast 1.800  Muskel-Kontraktionen – regelmäßig angewandt, ist das ein perfektes Training für Ihre Beckenboden-Muskeln.

In Göttingen wurden im Jahr 2003 im Rahmen einer Studie 90 Frauen, die an Stress-Inkontinenz litten, mit der Kombination aus Vibrations- und Beckenboden-Training behandelt (12 Wochen lang, jeweils 2x wöchentlich).

Zuerst standen sie 8 Min. auf der Vibrations-Platte, dann wurde 30 Min. lang ein herkömmliches Beckenboden-Training durchgeführt. 4 von 5 Patientinnen konnten so vollkommen geheilt werden. Beim herkömmlichen Training liegt diese Rate lediglich bei 2 von 5.

In diesen Fällen dürfen Sie das Vibrations-Training nicht anwenden:

  • Schwangerschaft
  • frische Thrombosen
  • SehnenErkrankungen
  • Herzschwäche,
  • koronare Herzkrankheit,
  • Angina pectoris

Mittlerweile verfügen viele Krankengymnasten oder Ärzte über die entsprechenden Geräte (z. B. Galileo 2000).

Die Behandlung wird nicht von den Krankenkassen übernommen und kostet pro Trainings-Einheit zwischen 10 und 20 €. Alternativ können Sie auch ein Gerät für die Anwendung zu Hause kaufen (Kosten ab 2.000 € – preisgünstiger sind gebrauchte Geräte).

Gel-Injektionen: Ein ambulanter Eingriff verengt die Harnröhre

Einen ganz anderen Ansatz zur Heilung der Harn-Inkontinenz bietet das sogenannte Zuidex®-System.

Dabei werden in einer ambulanten Operation feine Injektions-Nadeln durch den Harnleiter vorgeschoben. Dann wird an 4 ringförmig angeordneten Punkten ein Gel in die Wand der Harnröhre injiziert.

So wird die Harnröhre von einer kleinen ringförmigen Wulst verengt und der Harn kann – z. B. beim Niesen oder beim Sport – besser zurückgehalten werden.

Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung vorgenommen und dauert lediglich 15 Min. Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten zu tragen. Daher müssen Sie diese Frage vorher mit Ihrem Kassen-Sachbearbeiter klären.

Die Erfolgsrate liegt mit dieser Methode bei 70 – 80%.

Nachteil der Methode: Das Implantat muss nach etwa 4 Jahren erneuert werden.

Seltene Nebenwirkungen sind kurzfristige Schmerzen beim Wasserlassen und Schwellungen im Genital-Bereich.

Daher sollten sie gut abwägen, für welche Methode Sie sich entscheiden:

  • In eher leichteren Fällen ist das Vibrations-Training auf jeden Fall die bessere Wahl.
  • Wenn Sie dagegen an sehr starken Beschwerden leiden, wäre die kleine OP erwägenswert. Allerdings sollten Sie es auch wegen der guten Erfolge des Vibrations-Trainings zuerst mit diesem nebenwirkungsfreien Verfahren versuchen.

Probleme beim Wasserlassen: Neue Kombi-Therapie kann OP vermeiden

Wenn Sie älter als 50 Jahre sind, müssen Sie möglicherweise öfter zum Wasserlassen auf die Toilette als früher.

Bis vor Kurzem waren die Ärzte schnell bei der Hand, diese Symptome allein einer gutartig vergrößerten Prostata zuzuschreiben.

Sie verschrieben Medikamente, die die Prostata schrumpfen und entspannen bzw. empfahlen einen entsprechenden operativen Eingriff.

Neue medizinische Erkenntnisse weisen immer häufiger darauf hin, dass eine vergrößerte Prostata oft nur eine Neben- bzw. manchmal sogar überhaupt keine Rolle bei der Entstehung dieses Symptoms spielt.

Das bedeutet, dass viele Männer einen Eingriff ganz vermeiden können – eine entsprechende Diagnose durch einen erfahrenen Arzt vorausgesetzt.

Die versteckte Übeltäterin

Da die Prostata die Harnröhre umschließt, wird diese oft zusammengedrückt, wenn sich die Prostata vergrößert.

Die Folge: Der Harnstrom wird schwächer. In diesem Fall ist die Ursache tatsächlich das Wachstum der Prostata.

Doch es gibt in diesem Zusammenhang auch andere Probleme, die sich etwa durch plötzlichen, heftigen Harndrang und durch wiederholtes Wasserlassen tagsüber sowie auch nachts bemerkbar machen; Ärzte sprechen dann von der sogenannten Reizblase.

Diese Symptome haben aber nach neuesten Erkenntnissen weniger mit der Prostata als vielmehr mit der Blase zu tun.

Denn bei einer Querschnitts-Verengung der Harnröhre muss die Blase einen höheren Druck aufbauen. Dadurch verstärkt sich die Blasen-Muskulatur – und es wird schwieriger, sie unter Kontrolle zu halten.

Diagnose und konventionelle medikamentöse Behandlung

Eine Prostata-Vergrößerung stellt der Arzt durch Abtasten der Prostata via Darm-Ausgang und/oder durch die Bestimmung eines Enzyms (freie PSA) im Blut fest

Meist verschreibt Ihnen der Arzt ein Medikament. Lassen die Beschwerden nach, lagen die Probleme beim Wasserlassen tatsächlich an einer gutartig vergrößerten Prostata.

Alpha-Blocker

Mittel der Wahl sind zum einen die Alpha-Blocker, z. B. Terazosin (Handelsname z. B. Flotrin) oder Doxazosin (Doxacor). Sie entspannen die Muskulatur im Bereich der Prostata und im Blasen-Eingang. Die Symptome verschwinden oft bereits nach 1 Woche.

Nebenwirkungen: niedriger Blutdruck und Schwindel beim Aufstehen – beides verschwindet meist innerhalb von 3 Tagen.

Hinweis: Alpha-Blocker sollten Sie nicht einnehmen, wenn gleichzeitig eine Operation des Grauen Stars ansteht!

5-alpha-Reduktase-Inhibitoren

Zum anderen kommen die 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren in Betracht, z. B. Finasterid (Proscar) oder Dutasterid (Avodart). Diese Wirkstoffe lassen die vergrößerte Prostata schrumpfen, wodurch der Druck auf die Harnröhre nachlässt.

Die Wirkung kann allerdings bis zu mehreren Monaten auf sich warten lassen und ist nicht so effizient wie die der Alpha-Blocker.

Nebenwirkungen: verminderte Libido und Impotenz in 3 – 10% der Fälle.

Der neue Weg der Problembehandlung

In einer im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Studie wurden 879 Prostata-Patienten in 4 Gruppen aufgeteilt:

  • 1 Gruppe erhielt das Prostata-Medikament Tamsulosin (Alna Ocas),
  • die 2. Gruppe ein Medikament gegen Reizblasen-Symptome,
  • die 3. bekam beide Medikamente
  • und die 4. ein Placebo.

Die Mittel gegen Prostata-Vergrößerung, gegen überaktive Blase und das Placebo zeigten eine vergleichbare Wirkung, indem sie die Symptome etwas verringerten.

Anders die Gruppe 3, die beide Medikamente erhielt: Diese Wirkstoff-Kombination hatte bei Weitem den besten Effekt. Bei 80% der Männer in dieser Gruppe ließen die Symptome deutlich nach!

Fazit

Wenn Sie von Ihrem Arzt prostatawirksame Medikamente verschrieben bekommen haben, aber keine Besserung verspüren, fragen Sie ihn nach einer entsprechenden Kombination aus Prostata-und Blasen-Medikamenten!

Wann welche OP erforderlich ist

Wenn sich die Beschwerden bei Einnahme des Kombinations-Präparats innerhalb von 2 – 4 Monaten nicht legen, kann ein Eingriff erforderlich werden. Hierzu stehen diese 3 Methoden zur Verfügung:

  • Bei der sogenannten TURP (Transurethrale Resektion der Prostata) werden via Harnröhre die einengenden Gewebeschichten der Prostata abgetragen und somit der Harnweg wieder freigemacht. Dabei ist es meist mit einem einmaligen Eingriff getan. Voll- oder Teilnarkose und Krankenhaus-Aufenthalt sind hierbei erforderlich. Als Komplikationen treten in seltenen Fällen Inkontinenz und Impotenz auf.
  • Bei der sogenannten TUMT (Transurethrale Mikrowellen-Thermotherapie) wird eine Sonde in die Harnröhre eingeführt, an deren Spitze Mikrowellen austreten, die das Gewebe der Prostata erhitzen und schrumpfen lassen. Dieser Eingriff geschieht ambulant und ohne Narkose. Häufig sind jedoch wiederholte Behandlungen erforderlich (Nebenwirkungen wie bei der TURP, jedoch seltener). Bei gutartiger Prostata-Vergrößerung bzw. bei Patienten, die nicht narkosefähig sind, ist die TURP die Therapie der Wahl.
  • Grünlicht-Laser- oder Holmium-Laser-Therapie – Hierbei wird das störende Gewebe entweder verdampft (Grünlicht-Laser) oder scheibchenweise abgetragen (Holmium-Laser). Auch hier können mehrere Behandlungen erforderlich werden. Der Eingriff erfolgt sowohl ambulant als auch stationär. Vorteil des Holmium-Lasers: Die Gewebeteile können gleich auf das Vorhandensein bösartiger Zellen untersucht werden (Nebenwirkungen wie bei der TUMT).

Sagen Sie der Inkontinenz den Kampf an

Am Anfang dieses Beitrags konnten Sie es bereits lesen: Geschätzte 8 Mio. Menschen in Deutschland leiden unter einer (meist situativen) Harn-Inkontinenz.

Dabei können Sie mit einfachen, aber regelmäßigen Maßnahmen die Beschwerden spürbar lindern und Ihre Lebensqualität deutlich steigern. Hier finden Sie einige unterschiedliche Ansätze, um die lästige Harn-Inkontinenz erfolgreich in den Griff zu bekommen:

Bei den Behandlungs-Maßnahmen steht eine Veränderung des Lebensstils an 1. Stelle:

So ändern Sie Ihren Lebensstil

  • Wenn Sie übergewichtig sind, sollten Sie Ihr Gewicht und damit den Druck im Bauchraum reduzieren.
  • Hören Sie auf zu rauchen.
  • Stellen Sie Ihre Ernährung auf eine ausgewogene Frischkost um.
  • Schränken Sie einen zu starken Kaffee-Konsum ein.
  • Sollten Sie zu viel trinken, reduzieren Sie Ihre Trinkmenge.
  • Regulieren Sie Ihren Stuhlgang.
  • Kreuzen Sie beim Husten oder Niesen ihre Beine, um den Harn-Abgang zu verringern.
  • Lassen Sie sich Beckenboden- und Blasen-Training zunächst von einem Profi zeigen.

Das Trink-Urin-Tagebuch – Erziehen Sie Ihre Blase mit Kontinenz-Training

Eine Reizblase ist nicht nur ein lästiges Übel, sie kann auch die Lebensqualität drastisch einschränken. Das Gefühl, ständig eine Toilette aufsuchen zu müssen, kann einen Kinobesuch oder Einkaufsbummel zur echten Qual werden lassen.

Nicht wenige Betroffene ziehen sich daher immer mehr in die eigenen 4 Wände zurück. Eine Reizblase ist dabei kein Frauenproblem, denn auch viele Männer leiden unter häufigem Harndrang – immerhin sind 4 Mio. Deutsche von diesem Problem betroffen, wie Sie zu Beginn bereits lesen konnten.

Sollten auch Sie unter häufigem Harndrang leiden, der nach dem Wasserlassen kaum nachlässt, kann Ihnen ein sogenanntes Kontinenz-Training wirkungsvoll helfen.

Wenn Sie das Problem in den Griff bekommen möchten, sollten Sie zunächst ein Trink-Urin-Tagebuch führen. Hierin notieren Sie:

  • wann Sie wie viel getrunken haben,
  • wie oft Sie zur Toilette mussten,
  • wie stark der Drang vorher war
  • und bei welchen Gelegenheiten es zu unfreiwilligem Harn-Abgang kam.

Dieses Tagebuch ist die Grundlage für ein gezieltes Toiletten-Training. Dabei trainieren Sie Ihre Blase, sich wieder an einen normalen Füllungs-Zustand zu gewöhnen.

Die Basis für Ihr Training bildet dabei Ihr Trink-Urin-Tagebuch. Anhand der hier ermittelten Abstände zwischen den Toilettengängen können Sie nun Ihre „Toilettenzeiten“ festlegen.

Kontinenz-Training: So funktioniert’s

Das könnte beispielsweise so aussehen, dass Sie zunächst exakt alle 2 Std. zur Toilette gehen und urinieren – egal ob Sie Harndrang haben oder nicht. Verlängern Sie dann allmählich die Zeitabstände jeweils um 5 Min.

Beginnen Sie Ihr Training damit, dass Sie beim nächsten Harndrang den Gang zur Toilette etwas hinauszögern:

  • Warten Sie zunächst 5 Min., bis Sie dem Drang nachgeben.
  • Steigern Sie die Wartezeit nach einigen Tagen um weitere 5 Min.
  • Fahren Sie in den nächsten Wochen so fort, und zögern Sie auf diese Weise die Blasen-Entleerung immer weiter hinaus.

Protokollieren Sie die Trinkmengen, den Harndrang und die Toilettengänge wieder in einem kleinen Tagebuch – so stellt sich nach einigen Wochen Ihr individueller Rhythmus ein.

Das Fassungsvermögen der Blase steigt und Sie erhalten Schritt für Schritt wieder die Kontrolle über Ihre Blase.

Den Erfolg können Sie schwarz auf weiß sehen, wenn Sie Ihre aktuellen Einträge mit dem ursprünglichen Trink-Urin-Tagebuch vergleichen.

Keine Sorge: Dieses Training kann Ihrer Blase nicht schaden – im Gegenteil: Sie lernt schrittweise, sich wieder an einen normalen Füllungs-Zustand zu gewöhnen!

Sollte der Drang einmal zu stark werden, können Sie sich mit einem einfachen Trick helfen: Beugen Sie Ihren Oberkörper nach vorne und unten. Dadurch verändern Sie die Druckverhältnisse in Bauch und Becken, wodurch der Harndrang nachlässt.

Harndrang: Sportliche Männer müssen nachts seltener raus

Nächtliches Wasserlassen gehört zu den häufigsten und besonders lästigten Beschwerden des unteren Harntrakts. Auslöser sind beispielsweise:

  • eine gutartige Prostata-Vergrößerung,
  • vermehrte (nächtliche) Urin-Produktion,
  • Blasenspeicher-Probleme
  • oder einfach nur Schlafstörungen.

Möglicherweise hilft körperliche Aktivität, die Beschwerden einzudämmen. Darauf weisen Ärzte der Universität von Maywood (Illinois/ USA) hin. Sie haben in einer Studie den Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und nächtlichem Harndrang untersucht (Medicine & Science in Sports & Exercise 2014).

Einbezogen waren 28.404 Männer mit einer gutartigen Prostata-Vergrößerung im Durchschnitts-Alter von rund 63 Jahren: Jeder 3. (8.967) berichtete über nächtliches Wasserlassen.

Männer, die sich wöchentlich mindestens 1 Std. bewegten (Schwimmen, strammes Gehen), waren zu 35% weniger von schwerem Harndrang mit mindestens 3-maligem „Rausmüssen“ betroffen als solche, die keinen Sport betrieben.

Die Studie zeigt aber auch, dass die schützende Wirkung nur erhalten bleibt, wenn die Männer nicht nur in jungen Jahren sportlich waren, sondern auch im Alter aktiv blieben.

Fazit:

Körperliche Aktivität könnte demnach  vor der Entwicklung von nächtlichem Harndrang schützen.

Am Schutzeffekt gegen Harndrang könnten verschiedene Mechanismen beteiligt sein:

  • Gewichtsabnahme,
  • verminderte Nerven-Aktivität (Sympathikus)
  • und Verringerung von Entzündungs-Prozessen.
  • Nicht zu vergessen: die simple Tatsache, dass Bewegung müde macht – wer tiefer schläft, geht nachts vermutlich auch seltener zur Toilette.

Diese Maßnahmen unterstützen Frauen bei einer Harn-Inkontinenz

Bei Frauen mit einer Belastungs-Inkontinenz ist ein Beckenboden- und Blasenverschluss-Training am aussichtsreichsten.

Beckenboden-Training hilft Ihnen dabei am meisten – Falsches Training verstärkt hingegen Ihr Harntröpfeln.  Daher sollten Sie dies unter professioneller Anleitung erlernen. Denn falsch ausgeführte Übungen können Ihre Inkontinenz verstärken, da sie den Druck im Bauchraum erhöhen.

Hilfreich können ebenfalls sein:

  • das Beckenboden-Training mit Vaginal-Konen (kleine Gewichte, die in der Scheide getragen werden)
  • bzw. mit einer Vaginal-Sonde mit Elektro-Stimulation
  • sowie Biofeedback (s. u.).

Frauen, die nur bei bestimmten Anlässen – beispielsweise beim Sport – Urin verlieren, profitieren von der Einlage von Vaginal-Tampons oder Urethral-Pessaren.

Erst wenn all diese Maßnahmen nicht zur Besserung führen, sollten Medikamente oder Operationen in Betracht gezogen werden.

Kräftigen Sie gezielt Ihre Beckenboden-Muskulatur

Ihr Beckenboden übernimmt wichtige Stützfunktionen, denn er hält Ihre Bauch- und Becken-Organe in der korrekten Position. Mit Beckenboden-Training stärken Sie den Schließmechanismus der Harnröhre. Bei bis zu 70% aller Frauen verringert ein konsequentes Beckenboden-Training die Beschwerden deutlich.

Männer leiden wegen ihrer anderen Anatomie wesentlich seltener unter den Folgen eines schwachen Beckenbodens. Allerdings gehört ein Beckenboden-Training zur Rehabilitation nach einer Prostatakrebs-Operation, da viele Männer danach zunächst harninkontinent sind. Durch gezielte Übungen werden etwa 90% der Operierten jedoch wieder (annähernd) kontinent.

Übrigens: Oft reagieren auch chronische Rückenleiden positiv auf eine kräftigere Beckenboden-Muskulatur.

Positive Nebenwirkung: Mehr Potenz!

Frauen und Männer berichten, dass sie mit einem starken Beckenboden mehr Spaß an ihrer Sexualität haben.

Studien urologischer Kliniken zeigen zudem, dass die meisten impotenten Männer durch die Kräftigung der Beckenboden-Muskeln ihre Erektionsfähigkeit zurückerhalten.

Auch zur Behandlung eines vorzeitigen Samenergusses (Ejaculatio praecox) wird das Training mit Erfolg eingesetzt.

Übung – So „finden“ Sie Ihren Beckenboden

Stellen Sie sich vor, Sie würden den Urinstrahl beim Harnlassen anhalten.

  • Dabei ziehen Sie automatisch den Schließmuskel für die Harnröhre zusammen.
  • Haben Sie richtig angespannt, ziehen Sie Ihren Bauchnabel automatisch nach innen und spüren eine leichte Hebung der Beckenboden-Muskeln.
  • Halten Sie die Spannung 10 Sek., während Sie tief und ruhig weiteratmen.

Führen Sie diese unauffällige Übung mehrmals täglich jeweils 5x durch.

Bei Reizblase: Kräftigende Übungen plus Entspannung

Bei einer hyperaktiven Reizblase kombinieren Sie am besten kräftigende und entlastende Maßnahmen miteinander:

  • Beim Entspannen nach den Beckenboden-Übungen hilft beispielsweise ein Wärmekissen (z. B. ein erwärmtes Kirschkern-Kissen) auf dem Unterbauch. Das beruhigt Ihre gereizte Blase und entkrampft sie.
  • Mit weiteren Übungen zur Entspannung packen Sie die Ursache eventuell sogar an der Wurzel; Progressive Muskel-Entspannung entspannt nicht nur, sondern schärft Ihre Körper-Wahrnehmung insgesamt.
  • Aber auch Pilates-Training hat neben dem seelischen Effekt den Beckenboden immer im Fokus.

Steigen Sie in den Sattel

Sattel-Sportarten wie Fahrradfahren oder Reiten trainieren Ihren Beckenboden ebenfalls effektiv. Im Trab oder Galopp wird der Beckenboden besonders gefordert und auf dem Fahrrad ist die Wirkung umso besser, je stärker Sie in die Pedale treten.

Das kontinuierliche Anspannen und Halten des Beckenboden-Muskels trainiert v. a. den Blasen-Schließmuskel. Achten Sie jedoch auf einen Fahrradsattel in für Sie optimaler Form und richtiger Sattelstellung!

Weniger geeignet sind bei Harn-Inkontinenz allerdings Sportarten wie Tennis und Squash; bei ihnen wird durch die ruckartigen Bewegungen der Beckenboden stärker belastet. – Prüfen Sie in Ihrem Fall, wie sich die Aktivitäten auswirken.

Walken und/oder sanftes Joggen beeinträchtigen die Blasenfunktion hingegen nicht zusätzlich und sind als Ausdauer-Sportarten gut geeignet.

3 Schnupper-Übungen für Ihren Beckenboden zum Kennenlernen

Üben Sie täglich, dann zeigen sich erste Erfolge schon nach 4 – 6 Wochen:

1. Bauchlage:

  • Legen Sie sich auf den Bauch und winkeln Sie das rechte Bein an, so dass Sie in einer bequemen Position liegen. Ihre Stirn liegt auf den Händen.
  • Spannen Sie ihre Beckenboden-Muskulatur an – und zwar so stark wie es geht.
  • Halten Sie diese Position für 10 Sek. und lassen Sie dann locker.
  • Wiederholen Sie diese Übung insgesamt 8x und wechseln Sie dann die Beine, indem Sie das linke Bein anwinkeln und das rechte strecken.

2. Frosch-Position:

  • Gehen Sie auf Ihre Knie.
  • Legen Sie die Füße zusammen, die Knie sind etwas geöffnet.
  • Senken Sie den Oberkörper nach vorne und legen Sie die Stirn auf Ihre Hände.
  • Spannen Sie die Beckenboden-Muskulatur an.
  • Halten Sie diese Spannung für einige Sek. und lassen Sie dann locker.
  • Wiederholen Sie diese Übung etwa 10 – 12x.

3. Seitlift:

  • Legen Sie sich ausgestreckt auf die linke Seite.
  • Stützen Sie den linken Unterarm am Boden ab, so dass sich der Ellenbogen unter Ihrer Schulter befindet.
  • Schieben Sie jetzt zunächst Schulter und Ohr „auseinander“, so dass Sie Ihren Hals strecken.
  • Ziehen Sie nun den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ein.
  • Heben Sie langsam die Hüfte vom Boden ab. Einige Sek. oben halten und langsam wieder absenken und kurz locker lassen.
  • Wiederholen Sie die Übung 6x und wechseln Sie dann die Seite.

Biofeedback

Ein Beckenboden-Training, bei dem Sie die Muskeln Ihres Beckenbodens anspannen und wieder entspannen ist sehr wirkungsvoll zur Vorbeugung und Behandlung einer Harn-Inkontinenz.

Manche Menschen haben allerdings Probleme, die Muskulatur ihres Beckenbodens zu spüren. Hierbei kann Ihnen das Biofeedback helfen. Dazu erhalten Sie über Ihren Arzt ein kleines Gerät, mit dem Sie das Training zu Hause durchführen können.

Sie führen eine Sonde, die mit dem Messgerät verbunden ist, als Frau in die Scheide und als Mann in den After ein. Nun beginnen Sie mit dem Beckenboden-Training.

Wenn Sie die gewünschte Muskulatur fest genug angespannt haben, erhalten Sie entweder ein optisches oder ein  akustisches Signal. Auf diese Weise gelingt es Ihnen leichter, den Beckenboden zu kontrollieren.

Homöopathie

Gute Erfolge in der Behandlung der Harn-Inkontinenz haben auch homöopathische Einzelmittel:

  • Wenn der Urin v. a. beim Lachen, Husten oder Niesen abgeht, lohnt sich ein Versuch mit Causticum.
  • Bei häufigem Harndrang, der sich beim Hinlegen verschlimmert und zu Urinabgang in der Nacht führt, kann in vielen Fällen Pulsatilla  helfen. Allerdings handelt es sich hierbei eher um ein „Frauenmittel“.
  • Gegen ein ständiges Harntröpfeln aufgrund einer vergrößerten Prostata hat sich Pareira bewährt.

Am besten nehmen Sie von dem jeweils passenden Mittel einmal täglich 2 Tablettchen in der Potenz D4 ein.

Inkontinenz nach Prostata-Behandlung

Inkontinenz ist nach Impotenz die gefürchtetste Folge einer Prostata-Operation. Durch gezieltes Training lässt sich dies weitgehend verhindern. Insbesondere wird durch sportliche Aktivität auch das Wohlbefinden gefördert.

Das belegt eine Studie von Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule in Köln, wie die medizinische Zeitschrift „Medical Tribune“ berichtet.

Beckenboden-Training nach Prostata-OP

Durch eine auf den Prostata-Tumor abgestimmte Bewegungs-Therapie werden danach gravierende Nebenwirkungen gemindert. Das fanden die Wissenschaftler heraus, als sie Rad- und Wander-Projekte für Prostatakrebs-Patienten anboten.

Die Nachfrage stieg und stieg. Deswegen wurde 2011 der Verein „Über den Berg e. V.“ gegründet. Für die Zukunft hat sich der Verein das Ziel gesetzt, die Zahl der professionell betreuten Weit- und Kurzwanderungen zu erhöhen, ebenso wie regelmäßige Sportangebote – v. a. im Raum Köln – anzubieten.

Die Kölner Sportwissenschaftler geben noch folgende Ratschläge:

  • Am besten beginnen Sie Ihre Bewegungs-Therapie schon, bevor Sie operiert werden.
  • Ihre Trainingsdauer sollte mind. 3 Monate andauern; besser noch länger.
  • Trainieren sollten Sie 3 – 4x pro Woche.
  • Dabei sollte der Beckenboden 10 – 15x für 5 – 10 Sek. zusammengezogen werden.

Entdecken Sie Ihren Körper!

Mit einem gezielten – und v. a. regelmäßigen – Training des Beckenbodens können Sie Problemen wirkungsvoll entgegenwirken. Ehe Sie mit diesem Training beginnen, sollten Sie zuerst ein Gespür für die Muskelplatte im Beckenboden und ihre Funktion bekommen.

Am besten fühlen Sie diese Muskulatur, wenn Sie während des Wasserlassens den Harnstrahl für 1/2 Min. anhalten und anschließend weiterlaufen lassen.

Übungen für den Beckenboden

Wenn Sie auf diese Weise erfahren haben, wie die abdichtenden Muskeln funktionieren, können Sie mit Ihrem täglichen Training beginnen:

Aftermuskeln anspannen

  1. Setzen Sie sich mit rundem Rücken auf einen Stuhl.
  2. Spannen Sie nun die Muskeln rund um den After an, so als ob Sie Stuhlgang zurückhalten wollten. Ziehen Sie dabei den After nach oben.
  3. Atmen Sie ein, halten Sie die Spannung und zählen Sie beim Ausatmen bis 10.
  4. Lassen Sie nun wieder locker.

Harnröhren-Muskeln anspannen

  1. Bleiben Sie auf dem Stuhl sitzen, kippen Sie aber jetzt Ihr Becken vor, sodass ein Hohlkreuz entsteht.
  2. Spannen Sie beim Einatmen die Muskeln rund um die Harnröhre kräftig an.
  3. Zählen Sie beim Ausatmen wieder bis 10.
  4. Entspannen Sie danach die Harnröhren-Muskeln.

Dieses Training sollten Sie jeden Tag durchführen. Wiederholen Sie dabei jede Übung 10x.

Da niemand etwas von Ihren Übungen bemerken wird, können Sie durchaus auch unterwegs (z. B. im Bus oder im Auto) trainieren. Beide Übungen sind sowohl für Frauen als auch für Männer geeignet.

Unterbauchlift

  1. Legen Sie sich entspannt auf den Rücken und atmen Sie ruhig.
  2. Klemmen Sie sich ein zusammengerolltes Handtuch, eine Decke oder ein kleines Kissen zwischen Ihre Knie. Ihre Arme legen Sie locker neben Ihrem Körper ab.
  3. Nun spannen Sie Ihren Bauch und Ihren Beckenboden leicht an, als würden Sie ihn nach innen „saugen“. Ihr Becken hebt sich dabei leicht vom Boden ab.
  4. Drehen Sie das Becken nun langsam nach rechts und anschließend nach links, 20x im Wechsel.
  5. Dann ablegen und eine kurze Pause machen.

Diese Übung sollten Sie 1 – 2x wiederholen.

Intensivere Variante: Alternativ zu der Seitdrehung können Sie nach dem Abheben Ihres Beckens in dieser Haltung mit Ihrem Beckenboden pulsieren: an- und entspannen im Sekundentakt für etwa 5 – 10 Atemzüge, pausieren und wiederholen.

Frosch-Position

  1. Gehen Sie auf die Knie und legen Sie Ihre Füße zusammen, sodass sich die Fußinnenkanten berühren. Die Kniegelenke zeigen leicht nach außen.
  2. Senken Sie Ihren Oberkörper nach vorn und legen Sie Ihre Stirn auf Ihre Hände.
  3. Ziehen Sie jetzt, wie gewohnt, Ihren Bauch ein, sodass sich Ihr Beckenboden anspannt. Halten Sie die Spannung für einige Sekunden und lassen Sie dann locker.

10 – 12 Wiederholungen sind hierbei zu empfehlen.

Intensivere Variante: Spannen Sie Ihren Beckenboden an, halten Sie die Spannung und spannen Sie dann zusätzlich in kleinen Kontraktionen den Beckenboden noch 5 – 10x schnell an.

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