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Erektionsstörungen: Therapie

Es gibt eine Reihe viel versprechender Behandlungsformen. Am meisten für Wirbel sorgte das anfänglich als Wundermittel gepriesene Viagra. Inzwischen gibt es verfeinerte Nachfolger. Wie alle Medikamente bedürfen Mittel gegen Erektionsstörungen wegen potentieller Nebenwirkungen Um- und Vorsicht bei ihrem Einsatz.

Die Wahl der Behandlung sollten beide Partner beeinflussen. Eine Therapie ergibt wenig Sinn, wenn die Partnerin sie nicht mitträgt. Zum einen kann weibliche Mithilfe erforderlich sein und zum anderen: Was nützt die schönste Erektion, wenn einem die Methode zuwider läuft?

Zentrale Initiatoren

Dabei handelt es sich um Substanzen, die Sie als Tablette einnehmen. Sie schubsen den natürlichen Erektionsablauf an. Diese Substanzen greifen bei erotischen Reizen im Gehirn an und setzen über das Rückenmark Impulse frei. Botenstoffe transportieren diese zum Penis. Dort führen die Substanzen zu einem Bluteinstrom und zur Versteifung des Penis.

Wie bei der natürlichen Erektion tritt die Wirkung rasch ein. In der Regel entfaltet die Substanz nach knapp zwanzig Minuten ihre volle Wirkung. Das ist wichtig, weil ein Paar situationsgebunden miteinander verkehren will und nicht stundenlang auf eine Versteifung des Glieds warten kann. Essen und Trinken stört die Wirkung nicht. So steht einem sinnlichen Menü nichts im Wege.

Periphere Konditionierer

Das bezeichnet Mittel, die der Patient ebenfalls schluckt. Sie setzen direkt an der Schwellkörpermuskulatur an. Die peripheren Konditionierer lassen diese Muskulatur erschlaffen und ermöglichen einen höheren Bluteinstrom in die Schwellkörper. Diese Substanzen nehmen Sie eine Stunde vor dem geplanten Geschlechtsverkehr ein. Essen und Trinken verzögern den Wirkungseintritt.

Achtung: Periphere Konditionierer wie Viagra® und zentrale Initiatoren wie Ixense® wirken nur dann, wenn die Hormone normal fließen. Sie benötigen darüber hinaus die Unterstützung durch erotische Reize. Das bedeutet, dass sie keine Aphrodisiaka sind und keine spontanen Erektionen hervorrufen. Sie unterstützen das natürliche Funktionieren des Mannes.

Alternative Möglichkeiten

  • hormonelle Behandlung – Bei Hormonstörungen, etwa der Schilddrüse, bei zu hohem Prolaktinspiegel oder einer zu geringen Testosteronausschüttung, greift man hormonell in das Geschehen ein.
  • Vakuumpumpe – Dabei handelt es sich um eine mechanische Erektionshilfe. Sie stülpen einen Plexiglaszylinder über den Penis. Mit einer Handpumpe erzeugen Sie einen Unterdruck im Glied, der das Blut mechanisch in den Penis saugt. Ein Gummiring verhindert den Abfluss des Blutes nach Entfernen des Zylinders. So erhalten Sie die Erektion so lange wie gewünscht aufrecht.
  • Einführen eines Medikaments in die Harnröhre – Sie führen das Medikament über ein kleines Röhrchen drei Zentimeter tief in die Harnröhre. Von hier aus bewirkt es eine Versteifung des Gliedes. Die Menge der Substanz ermittelt der Arzt für jeden Mann einzeln. Das Einführen des Röhrchens lernen Sie unter Aufsicht des Arztes.
  • SKAT – Bei der Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie spritzt man ein Medikament mit einer sehr feinen Nadel direkt in den Schwellkörper. Die Dosis legt der Arzt individuell fest. Das Spritzen üben Sie unter Aufsicht. Auch ohne sexuelle Lust kommt es häufig zu einer spontanen Erektion, die nach dem Samenerguss unter Umständen länger anhält.
  • Penisimplantate – Hier implantiert der Chirurg bei einem operativen Eingriff entweder biegsame oder hydraulische Prothesen in die Schwellkörper. Die hydraulischen Implantate lassen sich über eine Pumpe im Hodensack mit Flüssigkeit füllen. Biegsame Penisprothesen bringen Sie per Hand in die richtige Stellung.

Vorsicht bei Viagra®!

Selten entstand um ein neues Medikament so viel Wirbel wie um die Potenzpille Sildenafil (Viagra®). Vor einiger Zeit gab die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) zusammen mit dem Hersteller von Viagra® (Firma Pfizer) eine Warnung für den vorsichtigeren Umgang mit diesem Medikament an Ärzte und Patienten heraus.

Laut Berichten der FDA verstarben in den USA seit der Einführung von Viagra® im April 1998 einige Männer kurz nach Einnahme des Medikaments. Die meisten Todesfälle in den USA führte man auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück. Diese Todesfälle brachte man nicht sicher mit der Einnahme des Medikaments in Zusammenhang. Auf Empfehlung der FDA erweiterte Pfizer die Beipackzettel um neue Warnhinweise. Der Beipackzettel von Viagra® warnte immer vor der gleichzeitigen Einnahme mit Nitraten, zum Beispiel dem Herzmedikament Nitroglyzerin. Jetzt warnt er auch die Personen vor der Einnahme, bei denen sexuelle Aktivität einen Herzanfall auslösen könnte.

Die Erweiterung des Beipackzettels

Zusätzlich warnt der neue Beipackzettel Ärzte, vorsichtig bei der Empfehlung des Medikaments an Patienten einer Hochrisikogruppe zu sein, an der man das Medikament noch nicht testete. Zu diesen Gruppen gehören Personen, die einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung in den letzten sechs Monaten erlitten. Auch eine instabile Angina pectoris, zu niedriger oder zu hoher Blutdruck sowie eine Augenkrankheit namens Retinitis pigmentosa ist gefährdet.

„Im Allgemeinen empfiehlt es sich für einen Mann, vorsichtig zu sein!” Dies empfiehlt Dr. Ajay Nehra, ein Urologe der Mayo Clinic. „Wenn er an einem Herzproblem leidet, sollte er seinen Arzt vor der Einnahme von Viagra® konsultieren.” Nach Auskunft des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte in Berlin registrierte man auch in Deutschland Todesfälle, bei denen ein Zusammenhang mit der Einnahme von Viagra bestehen könnte. Bei einigen dieser Fällen deuten erste Hinweise auf eine falsche Anwendung der Potenzpille hin. Bei der europäischen Zulassung von Viagra® im September 1998 berücksichtigte man die oben beschriebenen Erfahrungen aus den USA im Beipackzettel.

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