MenüMenü

Jenseits von Viagra

Seit seiner Einführung im Oktober 1998 hat der Wirkstoff Sildenafil (Viagra®) die Behandlung der Erektilen Dysfunktion (ED) revolutioniert. Über 23 Millionen Männer weltweit haben die blaue, diamantförmige Pille ausprobiert – häufig mit positivem Ergebnis.

Obwohl Sildenafil wahrscheinlich als die bekannteste Behandlung der ED gilt, gibt es andere wirksame Alternativen.

Die Erektile Dysfunktion reicht von gelegentlicher bis zur vollständigen Unfähigkeit, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Zu einer Erektion kommt es, wenn das Nervensystem einen verstärkten Blutfluss in den Penis auslöst. Blutgefäße, die den Penis versorgen, weiten sich, sodass das einströmende Blut die Schwellkörper füllt und versteift. Nach dem Samenerguss oder wenn die sexuelle Erregung nachlässt, strömt das überschüssige Blut wieder aus dem Penis heraus und lässt ihn erschlaffen.

Die meisten Ursachen für ED sind körperlicher Natur. Dazu gehören zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rauchen und andere Störungen, die das Nervensystem oder die Blutzirkulation in Ihrer Beckenregion beeinflussen können. Andere Ursachen können Lustlosigkeit (fehlende Libido), Partner- oder Beziehungsprobleme sein. Operationen, die der Behandlung bestimmter Krebsformen dienen wie bei Prostatakrebs, und Verletzungen im Bereich des Beckens können ebenso zu ED führen wie eine Reihe verschiedener Medikamente.

3 konkurrierende Medikamente können für Abhilfe sorgen

Für die Behandlung der ED stehen 3 orale Medikamente zur Verfügung: Sildenafil (Viagra®), Vardenafil (Levitra®) oder Tadalafil (Cialis®). Diese Wirkstoffe, die auch als Phosphodiesterase-Hemmer vom Typ 5 (PDE5) bezeichnet werden, gelten als Mittel der Wahl bei der Therapie der ED, weil sie einfach anzuwenden sind, bei 7 von 10 Männern wirken und allgemein als sicher gelten. Alle Medikamente kosten etwa gleich viel: rund 10 Euro je Dosis. Diese Substanzen bewirken eine Entspannung der glatten Muskelfasern im Penis, sodass als Antwort auf sexuelle Erregung der Bluteinfluss verstärkt und eine Erektion möglich wird.

Verbesserte Erektionsfähigkeit für bis zu 48 Stunden

Vardenafil kam als zweites Mittel auf den Markt und hat den Vorteil, dass die Wirkung nicht durch die Einnahme auf vollen Magen verzögert wird. Dagegen kann es mit Sildenafil in diesem Fall zu einer Verzögerung von mehreren Stunden kommen. Dieses Dosierungsdetail war einer der Gründe, warum Männer über die fehlende Wirkung von Sildenafil berichtet haben. Alle 3 PDE5-Hemmer fördern die Erektionsfähigkeit über mehrere Stunden.

Tadalafil, das neueste Medikament aus dieser Gruppe, hat denselben Vorteil wie Vardenafil und ist zusätzlich noch länger im Körper effektiv. Einige Studien berichten über eine verbesserte Erektionsfähigkeit über eine Dauer von 36 bis 48 Stunden.

Plötzlicher Herztod nur bei Risikopatienten

Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil gelten bei den meisten Männern als sicher. Berichte über einen Zusammenhang zwischen plötzlichem Tod und Medikamenteneinnahme sind etwas überbewertet worden, da diese Fälle Patienten mit schweren Herzerkrankungen betrafen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie eine Herzerkrankung haben, vor Kurzem einen Schlaganfall erlitten haben, oder Alphablocker wie Alfuzosin (Urion®, Uroxatral®), Doxazosin (Diblocin® u. a.) oder Tamsulosin (Alna®, Omnic®) einnehmen, um Bluthochdruck oder Blasenentleerungsstörungen zu vermeiden.

PDE5-Hemmer sollten nicht mit Nitraten wie dem Herzmedikament Nitroglyzerin eingenommen werden, da diese Kombination zu einem fatalen Absinken Ihres Blutdrucks führen kann. Ganz allgemein sollte ein PDE5-Hemmer auf keinen Fall mit jedweder Form medizinischer Nitrate eingenommen werden. PDE5-Hemmer können auch zu einer seltenen Form der Erblindung führen. Falls Sie eine plötzliche Einschränkung oder den Verlust Ihres Augenlichtes bemerken, setzen Sie die PDE5-Hemmer ab und suchen Sie sofort ärztliche Hilfe auf.

Die 3 zugelassenen PDE5-Hemmer teilen sich dieselben Nebenwirkungen – Kopfschmerzen, verstopfte Nase, Gesichtsrötung und – obwohl seltener – Sehstörungen. Zusätzliche Nebenwirkungen bei Sildenafil sind Magenbeschwerden, Harnwegsinfektionen und Durchfall. Bei Vardenafil kann es zu Magenbeschwerden, Schwindel und Verdauungsstörungen kommen. Die Einnahme von Tadalafil kann zu Verdauungsstörungen, Rücken- und Muskelschmerzen führen.

Alternativen reichen von Injektionen bis Implantaten

Außer den Medikamenten gibt es viele alternative Behandlungsmöglichkeiten für die Erektile Dysfunktion. Alprostadil (Caverject®, MUSE®, u. a.) ist ein Wirkstoff, der in die Wurzel des Penis injiziert oder über das Einführen eines Zäpfchens in die Harnröhre verabreicht wird.

Vakuumgeräte verwenden einen Plastikschlauch und eine Handpumpe, mit der ein Unterdruck erzeugt wird. Damit wird Blut in den Penis gezogen, bevor ein Gummiring über die Penisbasis gestülpt wird, der die Erektion aufrechterhält. Obwohl diese Methoden sehr wirksam sind, ist ihre Anwendung gewöhnungsbedürftig. Penisimplantate sind die älteste und bislang auch wirkungsvollste Hilfe.

Alle Männer mit Libidoproblemen sollten ihren Testosteronspiegel überprüfen lassen. Falls der Wert zu niedrig sein sollte, kann eine Hormonersatztherapie helfen. Niedrige Testosteronspiegel stehen auch in Verbindung mit fehlenden Erektionen im Schlaf und am Morgen. Männer, die nicht auf die PDE5-Hemmer ansprechen, sollten ihre Hormonwerte überprüfen lassen. Wenn die ED mit psychologischen Problemen, Partnerschaftsproblemen oder negativen Gefühlen verbunden ist, sollten Sie eng mit Ihrem Arzt zusammenarbeiten und Nutzen und Risiken der Behandlungsoptionen mit ihm besprechen.

Es kann zwar einige Zeit in Anspruch nehmen, aber sehr wahrscheinlich finden Sie eine Möglichkeit, um die Erektile Dysfunktion in den Griff zu bekommen.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten