Erektionsstörungen: Ein Tabu
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Fünf bis sechs Millionen Männer in Deutschland haben Probleme beim Sex. Ihre Partnerinnen leiden darunter genauso. Dabei gibt es heute – neben Seitensprung und Selbstbefriedigung – wirksame medizinische Hilfen.
Wie reagieren Frauen, deren Mann nicht kann? Fast jede zweite legt ihre eigene Lust auf Eis, jede dritte reagiert depressiv oder psychosomatisch, genauso viele legen selbst Hand an ... jede vierte aber holt sich „außer Haus“, was sie braucht. Das ermittelten Wissenschaftler vom Institut für Sexologie in Warschau.
Wie sie beim Weltkongress für Impotenzforschung im australischen Perth berichteten, warten Männer einfach zu lange, bis sie Hilfe suchen. Im Schnitt verstreichen drei Jahre, bevor es zu einer Behandlung kommt. Das Motto „Das wird schon wieder“ hilft allenfalls über die ersten Male hinweg, wenn es nicht klappt. Dann geht die Angst vor Versagen bei beiden jedes mal mit ins Bett, das lähmt „Mann und Maus“ zusätzlich. Für Frauen offensichtlich eine genau so qualvolle Zeit, die ihnen auf Selbstwertgefühl und Stimmung schlägt und die Sexualität vermiest. Alles bessert sich, wenn die Männer beziehungsweise die Paare eine Therapie beginnen. Auch die Ehen sind dann meist gerettet, wissen die Forscher. Nachbars Kirschen wurden fast immer wieder uninteressant.
Für knapp jede Fünfte tauchte durch die Therapie dann allerdings schon wieder ein anderes Problem auf: Der gesteigerte sexuelle Appetit ihres Mannes. Manch eine forderte ihn gar auf, sich eine andere dafür zu suchen.
Ein hartnäckiges Tabu
Impotenz oder korrekter Erektionsstörungen – also eine für den Sex nicht ausreichende Gliedsteife – ist noch immer ein Tabu, etwas worüber auch Paare nicht gerne miteinander sprechen. Logischerweise ist es nicht leicht zu knacken, denn schließlich geht es ans Innerste eines Menschen und an das Intimste eines Paares. Viele Beteiligte finden das Thema nach wie vor peinlich und auch erniedrigend. So bleibt jeder für sich und glaubt, es sei seine ganz persönliche Schwierigkeit.
Oft reicht deshalb schon ein klärendes Gespräch aus, um das Problem relativieren und richtig einordnen zu können. Deswegen kann der Gang zum Arzt schon von der ersten Minute an eine Erlösung sein. Ärzte haben die Erfahrung gemacht, dass Männer selten aus eigenem Antrieb, sondern auf Betreiben ihrer Frauen in die Praxis kommen. „Wenn meine Frau nicht darauf drängen, ja darum kämpfen würde, dass wir sexuell in Kontakt bleiben, hätte ich mich längst komplett zurück gezogen“, bekennt ein Betroffener seiner Ärztin.
Mannigfaltige Störfaktoren
Die Gliedversteifung ist ein sensibler Prozess und deshalb auch störanfällig. Eine Reihe von Ursachen kann dazu führen, dass der nötige Druck in den Schwellkörpern nicht erreicht wird. Fließt das Blut zu schnell wieder ab, wird das Glied nicht steif genug oder bleibt es nicht lange genug.
Angst, Stress, schlechte Erfahrungen und negative Erinnerungen können dazu führen, dass ein Mann im Bett nicht seinen Mann stehen kann. Häufiger als früher angenommen spielen auch organische Ursachen eine Rolle, die aber wiederum seelische Auslöser haben können. Oft hat es mehrere Ursachen. Auch wenn organische Gründe vorliegen, ist die Seele immer mitbeteiligt. Versagensängste sind ein Stressfaktor, der eine Erektion natürlich auch wesentlich beeinträchtigen kann. Da – auch gefördert durch die Medien – in unseren Schlafzimmern ein enormer Leistungsdruck herrscht und wirklichkeitsfremde Normen aufgestellt werden („ein Mann kann immer“), erwarten manche Männer Unmögliches von sich selbst. Vertrautheit und Zärtlichkeit sind für viele Frauen jedoch wichtiger als das intime Zusammensein mit ihrem Partner.