MenüMenü

Andropause: Warum das Thema Wechseljahre auch für Männer wichtig ist

Was hat „Mann“ mit den Wechseljahren zu tun? Sehr viel, denn auch beim Mann verändert sich der Körper zwischen 40 und 90. In diesem Zeitraum durchlebt er etwas, was den weiblichen Wechseljahren gleicht – und leider von Ärzten immer noch nicht ernst genommen wird. Ich zeige Ihnen natürliche Methoden, mit denen Sie gut durch diese sogenannte

Andropause© Lisa F. Young - Fotolia
Andropause kommen. So werden Sie die männlichen Wechseljahre nicht als Belastung wahrnehmen.

Lustlosigkeit, Müdigkeit und Hitzewallungen, das sind Symptome, die auch Männer über 40 immer wieder verspüren. Hinzu gesellen sich Kopfschmerzen oder Nervosität, Haarausfall oder Konzentrationsstörungen. Als Alltagsbeschwerden werden diese Erscheinungen oft abgetan – nicht nur von den betroffenen Männern selbst, sondern leider auch von vielen Ärzten. Erst langsam setzt sich in Fachkreisen die Erkenntnis durch, dass das, was da passiert, einen Namen hat: „Mann“ kommt in die Wechseljahre, in die so genannte Andropause.

Diese Hormone lassen Sie die Wechseljahre erleben

Mittlerweile ist wissenschaftlich bewiesen, dass auch bei Männern die Hormone schuld an diesen Beschwerden sind. Schon ab 40 Jahren lässt die Hormonproduktion des Mannes langsam nach. Hormone sind aber wichtig: Sie brauchen Sie für:

  • Körper- und Knochenbau,
  • sexuelle Lust,
  • Potenz und
  • Lebensfreude.

Es sind viele Hormone, die in Ihrem Körper miteinander arbeiten. Aber die folgenden sind am wichtigsten und verursachen die Beschwerden in der Andropause:

  1. Testosteron. Es spielt in Ihrem Körper eine sehr große Rolle und ist das wichtigste Sexualhormon. Gebildet wird es im Hoden, zu 5 % zusätzlich in der Nebenniere. Die Testosteronkonzentration im Blut sinkt mit dem Alter immer weiter ab. Bei jungen Männern ist ein Testosteronspiegel zwischen 20 und 40 µg pro Liter Blut normal, im Laufe der Andropause sinkt er auf einen Bruchteil. Diese Abnahme führt zu einer verminderten Körperkraft, einer geringeren Knochenmasse und einem Anstieg des Körperfetts. Daher werden auch Männer, die immer einen Waschbrettbauch hatten, mit dem Alter gerne etwas rundlicher.
  2. Das so genannte Wachstumshormon STH. Das ist das Hormon, das während der Wechseljahre ebenfalls absinkt. Wir wissen heute, dass ein Absinken dieses Hormons im Körper einen schlechten Nachtschlaf bedingt.
  3. Melatonin. Es wird in der Zirbeldrüse hergestellt und altersbedingt immer weniger. Da es dafür verantwortlich ist, dass Sie müde werden, wissen Sie jetzt auch, warum so viele ältere Menschen immer weniger Schlaf brauchen: wenig Melatonin, keine Müdigkeit.
  4. DHEA (Dehydroepiandrosteron). Dieses Sexualhormon ist wichtig für die Stressabwehr. Es bildet aber auch eine Vorstufe zum Testosteron und für die Östrogene. Fehlen diese Hormone ist Ihr Fettstoffwechsel gestört.
  5. Östrogene. Sie fördern die Durchblutung und das Wachstum, beeinflussen aber auch den Fettstoffwechsel. Ein Absinken scheint, so glauben Wissenschaftler heute, die Andropause stark zu beeinflussen. Irrtümlich sind viele Männer der Meinung, dass dies typisch weibliche Hormone sind. Aber auch beim Mann spielen sie eine wichtige Rolle.

Der Hormonmangel bleibt nicht ohne Folgen

Es kommt zu

  • Müdigkeit,
  • Nervosität,
  • Rückenschmerzen,
  • nachlassender Libido,
  • geringerer Muskelkraft,
  • Osteoporose oder
  • Depressionen.

Sie als Mann haben einen Vorteil gegenüber den Frauen: Sie können sich langsam auf das Nachlassen Ihrer Hormonproduktion einstellen. Denn im Gegensatz zur Frau bricht die Produktion Ihrer Hormone nicht von jetzt auf gleich ab. Sie geht langsam zurück. Dementsprechend ist es auch unterschiedlich, wie stark Sie von der Andropause betroffen sind.

Hormonersatztherapie? Besser nicht!

Aus Amerika kommt der Trend zu uns, die mangelnden Hormone mit einer Hormonersatztherapie auszugleichen. So kann man Testosteron zum Beispiel als Pflaster, Spritze oder zum Einnehmen anwenden. Zunächst scheint dies eine sehr gute Lösung zu sein, mit der die Männerprobleme in den Wechseljahren zwar nicht schlagartig verschwinden, aber doch gemildert werden können. Aber wir haben gesehen, was die Hormonersatztherapie bei Frauen für schreckliche Nebenwirkungen hat. Sie erhöht die Brustkrebs- Rate deutlich. Und wir kennen die langfristigen Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie beim Mann noch nicht. Ich empfehle sie Ihnen daher nicht.

So kommen Sie als Mann gut durch die Andropause

Es gibt natürliche Methoden, mit denen Sie Ihren Hormonspiegel hoch halten können. Ich möchte Ihnen einige Tipps an die Hand geben, mit denen Sie Ihre Andropause auch ohne Hormonersatztherapie meistern können.

  • Halten Sie Ihren Hormonspiegel durch die richtige Ernährung hoch.
  • Eine fett- und alkoholarme Ernährungsweise verhindert, dass der Testosteronspiegel sinkt.
  • Bohnen und Linsen, aber auch Getreideprodukte erhöhen die Produktion des Wachstumshormons.
  • Östrogene erhalten Sie durch Sojaprodukte, aber auch durch Rotklee, der im Salat sehr gut schmeckt.
  • Leinöl und Mönchspfeffer lassen den Progesteronspiegel steigen.
  • Melatonin wird gebildet, wenn Sie Möhren und Tomaten zu sich nehmen.
  • Seefisch und Jodsalz sollten Ihre erste Wahl sein, wenn Sie mehr Energie brauchen. Damit steigern Sie die Produktion von Thyroxin.
  • Sie brauchen das Chefhormon Serotonin nicht nur wenn Sie unter Stress stehen. Es lässt Sie auch kreativ denken. Essen Sie dazu pro Tag einfach drei Bananen, dann nehmen Sie genug der Aminosäure Tryptophan auf. Diese lässt die Serotoninproduktion sprudeln. Cholecystokinin ist für Sie als Mann wichtig, wenn sich die ersten Rettungsringe um den Bauch abzeichnen: Dieses Hormon bremst den Appetit. Es ist ganz einfach anzuregen: Sie müssen vor den Mahlzeiten nur ein Glas Wasser trinken.
  • Erkennen Sie hormonbedingte Schwächen früh. Es ist leider immer noch so, dass Gesundheit überwiegend Frauensache ist und Männer ungern zum Arzt gehen. Sie sollten aber nicht alle Beschwerden auf die leichte Schulter nehmen. Hormonmangel kann schwere Krankheiten verursachen, deren Beginn Sie sonst übersehen (wie zum Beispiel Osteoporose). Auch Herz- Kreislauf-Erkrankungen können aus einem zu niedrigen Hormonspiegel resultieren. Gehen Sie daher regelmäßig zum ärztlichen Check-up, um frühzeitig handeln zu können.
  • Sport kann Ihre Hormonproduktion aufrechterhalten. Gerade ein Ausdauertraining regt die Hormonproduktion an – ganz ohne Pillen oder Spritzen. Ich empfehle Ihnen dreimal pro Woche 30 Minuten Sport, egal ob Schwimmen oder Walken. Das erhöht nicht nur Ihren Testosteronspiegel, sondern auch die Produktion der übrigen Hormone – und diese Hormone wirken dann übrigens bei Ihnen besser als bei unsportlichen Männern. Kleiner Nebeneffekt: Die Rettungsringe um die Hüften, die sich bei vielen Männern mit Beginn der Andropause zeigen, gehören durch Sport ebenfalls der Vergangenheit an.
  • Schlafprobleme oder fehlende Müdigkeit sind eine starke Begleiterscheinung der Andropause. Sie sind durch den Abbau der Melatoninproduktion bedingt. Sie können mit Johanniskraut dagegen vorgehen. Dieses Kraut hat mehrere Wirkungen. Es hilft gegen Winterdepressionen, aber beruhigt auch und macht müde. Johanniskraut erhalten Sie als Tee oder Kapseln in der Apotheke – es kann Ihren Schlaf anregen. Seien Sie aber vorsichtig, wenn Sie zusätzlich Medikamente nehmen. Dann sollten Sie erst Ihren Arzt fragen, ob es in Verbindung mit Johanniskraut zu Wechselwirkungen kommen kann.
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

Regelmäßig Informationen über Urologie erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Dr. med. Michael Spitzbart. Über 344.000 Leser können nicht irren.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!