Tinnitus – bei den ersten Anzeichen sollten Sie zum Arzt gehen

in Täglich Gesund zum Thema Tinnitus
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von Dietmar Kowertz, Chefredakteur von "Benefit", dem exklusiven Ratgeber für Ihr Geld, Ihre Gesundheit und Ihren Erfolg

Da ist ein verhaltenes, aber andauerndes Rauschen, Pfeifen, Summen oder Zischen – doch niemand außer Ihnen hört es! Wenn Sie das öfter erleben, sollten Sie schnell zum Arzt, denn das können die ersten Anzeichen einer Tinnitus-Erkrankung sein. Unter Tinnitus (Lateinisch tinnere = klingeln) leiden in Deutschland etwa drei Millionen Menschen. Die Geräusche nehmen keine Rücksicht auf die Tageszeit, treten mal lauter, mal leiser, mal in einem Ohr, mal in beiden auf. Die Folgen: Der Erkrankte fühlt sich dem Leiden hilflos ausgeliefert, oft kommen Angst, Depressionen, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwäche hinzu.


Wodurch entsteht Tinnitus?

Die Ursachen des Leidens sind noch weitgehend ungeklärt. Im Vorfeld einer Tinnitus-Erkrankung sind oft Hörstürze, Dauerlärm, Zahnschmerzen, langwierige Zahnbehandlungen, Entzündungen der Hörorgane, Durchblutungsstörungen, Halswirbelsäulenprobleme und Stress zu beobachten. Letzterer kann in Zusammenhang mit einer vermehrten Ausschüttung von Kortisol die Blutgefäße verengen. Speziell im Innenohr führt das dazu, dass die Kapillargefäße, die die Sinneszellen versorgen, nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Neben verminderter Hörfähigkeit kann so auch Tinnitus entstehen. Tinnitus entwickelt sich aber unabhängig davon in vielen Fällen auch schleichend und beginnt z.B. mit einer Verminderung des Hörvermögens. Wird dies nicht erkannt und behandelt, treten später die typischen Ohrgeräusche auf.

Wer ist betroffen?

Tinnitus kann jeden treffen. Einen direkten Zusammenhang zwischen Lebensalter und Tinnitus gibt es nicht. Das Durchschnittsalter der Patienten der Tinnitus-Klinik im hessischen Bad Arolsen liegt bei 54 Jahren. Der Leidensdruck ist oft erheblich, sodass bei nicht rechtzeitiger und nicht zielgerichteter Behandlung auch Folgeerscheinungen im psychischen Bereich (Depressionen, sozialer Rückzug) auftreten können. Seit einigen Jahren sind auch immer mehr junge Menschen betroffen, Stress und laute Musik in der Disco oder aus dem Walkman führen bei dieser Patientengruppe zu einer Vorschädigung der Ohren.

Welche Behandlungsmethoden versprechen Erfolg?

Tinnitus kann chronisch werden. Deshalb ist eine frühzeitige Diagnose und rasche Therapie notwendig. Nicht immer wird das Leiden gleich erkannt. Oder der Betroffene versucht zunächst, die Erscheinungen mit irgendwelchen "Hausmitteln" selbst zu kurieren. Manche Patienten werden leider auch heute noch sich selbst überlassen mit der Bemerkung, damit müssten sie jetzt leben. Geben Sie sich nicht mit solchen Aussagen zufrieden. Es gibt sehr wohl gute Aussichten auf Heilung, sofern der Tinnitus noch nicht chronisch geworden ist.

Jeder vierte ist behandlungsbedürftig

Die Behandlung sollten Sie auf jeden Fall in die Hände eines erfahrenen Hals-Nasen-Ohrenarztes legen. Er wird Sie auch fachgerecht über die körperlich-seelischen Zusammenhänge der Erkrankung aufklären. Manche Patienten gewöhnen sich auch nach kurzer Zeit an die Geräusche und empfinden sie nicht mehr als störend. Dann ist in der Regel keine weitere Behandlung erforderlich. Etwa 20 bis 25 Prozent der Patienten leiden unter der behandlungsbedürftigen Form, dem so genannten dekompensatorischen Tinnitus: Bei einer akuten Erkrankung stehen durchblutungsfördernde Maßnahmen im Vordergrund (durchblutungsfördernde Medikamente, Infusionen, Blutverdünnungsmittel, Sauerstofftherapie). Ist die Erkrankung bereits im chronischen Stadium, wird die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) angewandt. Dabei versucht man, die Aufmerksamkeit vom Ohrgeräusch abzulenken bzw. es gar nicht in die bewusste Wahrnehmung treten zu lassen.

Heilungsquote 80 Prozent!

Ähnlich wie jemand, der an einer viel befahrenen Bahnlinie wohnt und den Lärm der vorbeifahrenden Züge irgendwann nicht mehr wahrnimmt, wird dem Tinnitus-Patienten beigebracht, das Ohrgeräusch aus seiner Wahrnehmung auszuklammern. Das ist ein langwieriger Übungsprozess, der auch nur dann funktioniert, wenn der Patient aktiv mitmacht und sich nicht etwa in sein Leiden fügt. Zur Ablenkung der Aufmerksamkeit werden auch so genannte Noiser eingesetzt. Das sind kleine Tongeneratoren, die vom Patienten hinter dem Ohr getragen werden und seine Aufmerksamkeit vom Innenohrgeräusch ablenken. Die Behandlung mit der TRT-Methode dauert ein bis anderthalb Jahre. Die Erfolgsquote liegt bei beachtlichen 80 Prozent!

Fazit: Wenn Sie feststellen, dass Sie nicht mehr alles verstehen, was um Sie herum gesprochen wird, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Auch, wenn Sie plötzlich Geräusche hören, die von anderen nicht gehört werden. Ein guter Hals-Nasen-Ohren-Arzt wird Sie zuverlässig auf dem Weg zur Heilung begleiten. Ganz wichtig: Sie müssen Ihr Leiden positiv angehen und die Therapie aktiv unterstützen. Helfen kann Ihnen dabei auch die Deutsche Tinnitus-Liga, die größte Selbsthilfe-Organisation der deutschen Tinnitus-Patienten.

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