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TCM: Zungendiagnostik

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite TCM: Behandlungsverfahren

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Sylvia Schneider
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GNL5356


Innerhalb der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt die Zungendiagnostik als eine wichtige und zuverlässige Untersuchungsmethode zur Beurteilung einer Erkrankung. Die Untersuchung der Zunge ermöglicht es, die Verfassung der inneren Organe und etwaige krankhafte Veränderungen der Körperfunktionen zu erkennen.



Über die allgemeine Betrachtung des Zungenkörpers und seines Belages hinaus hat jeder Teil der Zunge einen speziellen Bezug zu einzelnen Organen und Körperbereichen. Energetisch ist die Zunge dem Herzen zugeordnet, und jegliche Veränderung des Zungenkörpers ist somit Ausdruck einer energetischen Veränderung des Herzens. Die Zunge steht über das Meridiansystem in direkter und indirekter Beziehung zu allen Organen: Die Zungenspitze entspricht den Organen Herz und Lunge. Die Zungenmitte entspricht den Organen Milz und Magen. Der Zungengrund entspricht vor allem der Niere. Die seitlichen Zungenränder entsprechen der Leber und der Gallenblase. Um eine genaue Diagnose zu erhalten, ist es in der TCM wichtig, auch andere umfassende Untersuchungen mit den Ergebnissen der Zungendiagnostik zu kombinieren, um sich ein genaues Gesamtbild machen zu können. In der Durchführung bezieht sich die Zungendiagnostik grundsätzlich auf zwei Bereiche: auf den Zungenkörper und auf den Zungenbelag. Der Zungenkörper (Vitalität, Form, Farbe und Beweglichkeit der Zunge) gibt Aufschluss über die Grundkonstitution, über die Verfassung der Organe, während der Zungenbelag (Farbe, Dicke und Beschaffenheit des Belags) vor allem Aufschluss gibt über eingedrungene krankhafte Einflüsse.

Die Vitalität der Zunge

Eine gesunde Zunge hat eine angepasste Form, ist hellrot, beweglich und hat einen dünnen, weißlichen Belag. Sie ist feucht und glänzend.
Eine junge Zunge hat noch viel Qi, Vitalität, Kraft. Sie ist lebhaft und fein strukturiert. Im Krankheitsfalle weist sie auf ein Leere- oder Kälte-Syndrom hin.
Eine alte Zunge ist hart und matt, das Zungengewebe ist rauh. Sie zeigt einen chronischen Zustand an. Die Reserven sind schon in Anspruch genommen.

Die Form der Zunge

Es gibt eine geschwollene, schmale oder rissige Zunge. Eine geschwollene Zunge, häufig mit Zahnabdrücken am seitlichen Rand, deutet immer auf eine Feuchtigkeitsproblematik hin. Eine schmale und kleine Zunge ist dagegen Folge von Trockenheit im Körper. Die rissige Zunge zeigt ein fortgeschrittenes Stadium einer Schwäche im Yin-Bereich an.

Die Farbe der Zunge

Die Zungenfarbe zeigt an, ob Hitze oder Kälte vorliegt und – je nach Farbveränderung – wie tief die Krankheit eingedrungen ist. Die Farben des Zungenkörpers reichen von hellrot über dunkelrot, bordeaux, purpur bis schwarz bzw. von hellrot über blass, bläulich und lila bis hin zu blau und schließlich schwarz. Die Helligkeit oder Dunkelheit der Farbe deutet darauf hin, ob die Krankheit oberflächlich oder in die Tiefe eingedrungen ist. Allgemein gilt: je blasser der Zungenkörper, desto deutlicher der Hinweis auf eine Schwäche von Qi und Blut, aber auch auf eine Verlangsamung der dynamischen Prozesse, auf Kälte ist. Nimmt die Rötung zu, ist dies ein Hinweis auf eine gesteigerte Dynamik der energetischen Prozesse, auf Hitze.

 

Die Beweglichkeit der Zunge

Die eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge zeigt schwerwiegende Blockaden der Meridiane an. So ist zum Beispiel eine einseitig hängende oder schiefe Zunge Hinweis auf einen (vorausgegangenen oder bevorstehenden) Hirnschlag oder auf eine neuralgische Störung. Auch eine Erkrankung im Bereich der Gesichtsnerven kann dies verursachen.

Der Zungenbelag

Der Zungenbelag ist grundsätzlich Ausdruck der Verdauungsfunktion des Magens und zeigt die Qualität des Magen-Qi an. Betrachtet werden beim Zungenbelag seine Dicke, seine Beschaffenheit und seine Farbe. Beim gesunden Menschen ist der Zungenbelag weißlich und dünn, weder zu trocken noch zu feucht, weder zu glatt noch zu rau. Der Zungenbelag zeigt das Ausmaß der Fülle an, die Folge eines eingedrungenen krankhaften Einflusses oder aber falscher Ernährungsgewohnheiten ist. Ein dünner Belag weist im allgemeinen auf eine oberflächliche und nicht schwerwiegende Erkrankung hin. Ein dicker Belag zeigt an, dass ein krankhafter Einfluss ins Innere des Organismus eingedrungen ist oder ist Hinweis auf eine Funktionsstörung im Verdauungstrakt.

Die Durchführung der Zungendiagnostik

Damit farbliche Veränderungen gut festgestellt werden können, ist Tageslicht am besten. Wird die Untersuchung am Abend durchgeführt, sollte Neonlicht verwendet werden.
Sie müssen Ihre Zunge locker herausstrecken, denn ein zu kräftiges Herausstrecken der Zunge kann die Zungenfarbe verändern. Die Beobachtungszeit sollte deshalb auch kurz sein. Besser ist es, die Zunge mehrmals mit kurzen Pausen zu beobachten. Außerdem ist es notwendig, sich zu vergewissern, ob die Farbe des Belags nicht durch die Einwirkung von Speisen, Getränken oder Arzneien verändert ist. Häufig wird auch die Oberfläche des Belags durch die Einwirkung von Speisen und Getränken abgeschabt bzw. weggespült.
Empfohlene Reihenfolge bei der Betrachtung der Zunge
Ist Belag vorhanden? Wenn ja, in welchem Bereich der Zunge? Ist der Belag, falls vorhanden, dick oder dünn? Ist der Belag, falls vorhanden, fett? Welche Farbe hat der Belag? Hat der Belag Flecken oder Punkte? Ist der Zungenkörper normal, dick (geschwollen) oder dünn (schmal)? Gibt es Risse? Welche Farbe hat der Zungenkörper? Zur Beantwortung dieser Fragen wird die Zunge im gesamten, dann in einzelnen Bereichen betrachtet, wobei der Therapeut bei der Spitze beginnt und bei der Zungenwurzel endet. Daran anschließend wird er seine Diagnose stellen.

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