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Ob Ginseng, Ingwer oder Galgant: Jede Rezeptur muss auf Sie abgestimmt werden

Ob Ginseng, Ingwer oder Galgant: Jede Rezeptur muss auf Sie abgestimmt werden

Die fernöstliche Phytotherapie gehört deshalb immer in die Hand des TCM-Spezialisten

In China, besonders in den fruchtbaren südlichen Landesteilen, spielt die Kräuterheilkunde seit je her eine wesentlich größere Rolle als die Akupunktur, die vorwiegend im kargen, gebirgigen Norden praktiziert wurde. Seit einigen Jahren wächst auch bei uns das Interesse an diesem TCM-Verfahren. Doch genauso wenig, wie Sie sich selbst akupunktieren können, ist – mit Ausnahme von einfachen alltäglichen Beschwerden wie z. B. einer Erkältung – eine Selbstbehandlung mit chinesischen Heilkräuterrezepturen ratsam.

Die Mischung macht’s

Fast alle TCM-Rezepturen werden vom Therapeuten individuell zusammengestellt. Sie enthalten gewöhnlich sechs oder noch mehr Kräuter.

Blockaden, Fülle- und Leerezustände von Qi und Xue identfiziert der TCM-Therapeut u. a. mittels der Zungen- und Pulsdiagnostik. Erst danach entscheidet er, welche der fünf TCM-Verfahren er einsetzt. Dabei bildet die Phytotherapie in China mit einem Anteil von ca. 80 % die stärkste der fünf TCM-Säulen. Oft werden auch mehrere Verfahren miteinander kombiniert.

Die TCM kennt über 3.000 verschiedene Einzelmittel

Im Gegensatz zur europäischen Phytotherapie hat die chinesische Kräutermedizin eine mehr als 2000jährige ungebrochene Tradition. Während dieser Zeit wurden über 3.000 Arzneimittel, manche Berichte sprechen sogar von bis zu 7.000, beschrieben. Im praktischen Einsatz sind heute jedoch nur um die 500. Sie werden ähnlich den Nahrungsmitteln vier großen Charaktergruppen zugeordnet. Innerhalb dieser Gruppen gibt es eine schier unglaubliche Vielzahl von „Unter“-Eigenschaften.

Die 4 Unterscheidungskriterien für TCM-Arzneimittel sind:

  • Temperaturverhalten: kalt oder kühl (Yin), warm oder heiß (Yang)
  • Geschmacksrichtung: scharf, bitter, süß, sauer, salzig
  • Bezug zum Meridian und Funktionskreis: z. B. Dickdarm-Meridian oder LungenFunktionskreis
  • Wirkrichtung: emporhebend, an der Oberfläche oder im Inneren wirkend, absenkend

Die Wirkrichtung, die Sie bereits bei den Nahrungsmitteln kennen gelernt haben, ergibt sich aus den drei ersten Eigenschaftsgruppen. So gehört der auch bei uns als Stärkungsmittel verwendete Ginseng (chin.: Renshen) zu den emporhebenden Mitteln. Diese „heben das körpereigene Qi nach oben“, wie die TCM sagt, und unterstützen damit die Entfaltung der aktiven (Yang-)Energien. Emporhebende Mittel sind in der Regel scharf und warm.

Den Gegensatz dazu bilden absenkende Mittel, die eher kühl wirken und meist einen wenig ausgeprägten Geschmack haben. Sie ziehen die Energien nach unten und innen, stützen eine schwache Yin-Energie und beruhigen eine überschießende Yang-Energie. Zu ihnen gehören pflanzliche Beruhigungs- und Lebermittel wie die bei uns unbekannten Pflanzen Zizyphi spinosae (Suanzaoren) oder Haliotidis concha (Shijueming). Die Wirkung der Mittel, die in einer für unser Empfinden sehr blumigen Sprache beschrieben wird, bestimmt sich weitgehend aus der Wirkrichtung.

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