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Die Kräutertherapie ist in China weiter verbreitet als Akupunktur

Ein TCM-Therapeut stellt Ihnen ein individuelles Rezept für eine Abkochung aus Kräutern zusammen

Die Kräutertherapie ist in China äußerst beliebt: Etwa 80 Prozent der Patienten werden damit behandelt. Akupunktur, Tuina-Massage oder Qigong spielen in der Therapie dagegen eine eher untergeordnete Rolle.

Im Grunde ist die Bezeichnung „Kräutertherapie“ etwas irreführend. Denn die TCM-Ärzte verordnen ihren Patienten nicht nur pflanzliche Wirkstoffe, sondern ihre Rezepte enthalten auch tierische Produkte (z. B. Teile getrockneter Insekten oder Gürteltierschuppen). Da jedoch Kräuter die hauptsächlichen Inhaltsstoffe sind, hat sich dieser Begriff eingebürgert.

In der TCM gibt es keine Standardpräparate

Zubereitungen von einzelnen Kräutern und Heilpflanzen, wie sie in der westlichen Medizin oft eingesetzt werden (z. B. Kürbissamen gegen Prostatabeschwerden, Artischocke gegen hohen Cholesterinspiegel), sind in der chinesischen Kräutermedizin nicht üblich. Hier kommt es vor allem darauf an, daß der Praktiker eine Kombination von Heilpflanzen findet, die für seinen Patienten ideal ist.

So gibt es zum Beispiel nicht einfach ein Standardkraut gegen Husten. Der Arzt wird sich den Patienten genau anschauen und zum Beispiel bei großen Mengen an weißem Schleim eher trocknende, wärmende Kräuter einsetzen. Wird der Husten dagegen von gelbem Schleim begleitet, kommen besonders kühlende Zubereitungen zum Einsatz.

Die Fülle der eingesetzten Stoffe ist für den Laien so gut wie nicht überschaubar. Ein Nachschlagewerk der chinesischen Kräuterheilkunde listet allein fast 5.800 verschiedene Arzneimittel auf. Allerdings werden nur einige Hundert auch regelmäßig verschrieben.

Die wöchentliche Ration an Kräutersud müssen Sie selbst zubereiten

Als Patient bekommen Sie die Kräuter, die Ihnen Ihr Therapeut verordnet hat, in der Apotheke. Zu Hause kochen Sie die Kräuter dann für etwa 45 bis 60 Minuten aus und sieben die festen Bestandteile ab.

Normalerweise ergibt die Prozedur zwischen einem und eineinhalb Liter Flüssigkeit. Diese Menge ist dann Ihre Wochenration, die Sie nach den Angaben Ihres Therapeuten aufteilen (z. B. einmal täglich, zweimal täglich).

Im Gegensatz zur Akupunktur übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für eine solche Kräutertherapie nur sehr selten. Je nach Art der Kräuter können zum Beispiel bei einer Behandlung einer Allergie, die sich über mehrere Monate erstreckt, pro Woche Kosten von etwa 25 EUR anfallen.

So erkennen Sie die Qualität der Kräuter

In Deutschland gibt es noch nicht viele Apotheken, über die Sie die chinesischen Kräuter beziehen können. Ihr Therapeut wird Ihnen aber in den meisten Fällen eine Adresse nennen können. Er kann das Rezept auch für Sie dort bestellen, und die Apotheke liefert Ihnen die Kräuter per Post ins Haus.

Wichtig für die Heilwirkung ist, daß die Kräuter frisch sind. Das erkennen Sie problemlos am kräftigen Geruch. Waren die Kräuter dagegen zu lange gelagert, z. B. weil die Apotheke nur wenig davon verkauft, ist der frische Geruch verflogen.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Beschaffenheit der Kräuter. Sie sollten nicht feinpulverig sein, sondern die einzelnen Bestandteile wie Blüten, Wurzeln, Blätter oder Rinde sollten Sie noch gut erkennen können.

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