TCM: Individuelle Rezepturen
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In China wird die überwiegende Zahl der Patienten auch mit chinesischen Arzneimitteln versorgt, die vor allem aus dem Pflanzenreich stammen. Die Therapie mit Heilkräutern hat in China eine jahrtausendealte Tradition. Sie wird vor allem eingesetzt, wenn die Erkrankungen stärker in die „Tiefe“ vorgedrungen sind, während bei „oberflächlichen“ Erkrankungen wie Beschwerden des Bewegungsapparates zunächst die Akupunktur angewendet wird.
Über 3.000 Arzneipflanzen werden eingesetzt
Auch in der chinesischen Medizin hat sich die Anzahl der verwendeten Arzneimittel ständig erweitert. Es gibt mehr als 3.000 Arzneimittelspezialitäten.
Die Arzneimittel sind nach folgenden Wirkmechanismen eingeteilt:
- kühl
- neutral
- warm
- heiß
- sehr heiß
Als zweite Eigenschaft wird jedem Medikament eine bestimmte Geschmacksrichtung zugeordnet, von denen jede einer Wandlungsphase entspricht (siehe auch Abbildung auf Seite 3 unten). Beispielsweise wird die scharfe Geschmacksrichtung dem Funktionsbereich „Lunge“ und der Wandlungsphase Metall zugeordnet. Die Aufnahme eines scharfen Arzneimittels bewirkt demnach eine Öffnung nach außen oder eine Entfaltung der aktiven Energie, was einer Wirkung im Funktionsbereich Lunge entspricht. Dies gilt z. B. für das Arzneiverhalten des frischen Ingwers: Sein Temperaturverhalten ist neutral bis leicht warm, die Geschmacksrichtung ist scharf, und Ingwer wirkt in erster Linie auf den Funktionsbereich Lunge, aber auch auf die Mitte. Entsprechend wird Ingwer bei Hustenreiz und Erkältungskrankheiten eingesetzt. In der chinesischen Arzneimittellehre wird jedes Arzneimittel nach diesem Verhalten klassifiziert.
In der Regel werden Arzneimittelkombinationen eingesetzt
Das Wirkspektrum, das im obigen Beispiel für Ingwer beschrieben wurde, ist für die Therapie eines schwierigen Krankheitsgeschehens mit vielen unterschiedlichen Symptomen unzureichend. Daher wird in der chinesischen Arzneimitteltherapie nur bei eng umschriebenen Krankheitsbildern ein einzelnes Arzneimittel eingesetzt. In der Regel verschreibt der chinesische Therapeut eine Arzneimittelrezeptur, die aus mehreren Heilpflanzen besteht.
Heute werden aus China Fertigarzneimittel mit bis zu 100 Komponenten exportiert. Bei so komplexen Mitteln mit einer Vielzahl von Inhaltsstoffen kann niemand mehr wissen, wie die Stoffe wirken sollen. Solche Mittel sind daher zur Therapie von Krankheiten ungeeignet.
In der chinesischen Medizin werden auch heute noch Arzneikräutermischungen verschrieben, aus denen der Patient dann zu Hause einen Tee herstellt. In der Regel werden die Rezepturen pro Tagesdosis angegeben.
Chinesische Kräuter gibt es nur in sehr wenigen deutschen Apotheken. Therapeuten, die nach der chinesischen Medizin arbeiten, haben aber ihre Bezugsquellen und können Rezepturen auch für Sie bestellen oder Ihnen Adressen vermitteln.