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TCM: Akupunktur

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Sylvia Schneider
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Wenn hierzulande von Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) die Rede ist, dann denken die meisten zuerst an die Akupunktur. Doch in China ist das Nadelstichverfahren nur eine unter vielen traditionellen Heilmethoden, die außerdem selten allein angewandt wird.


Und vielleicht stammt die Akupunktur gar nicht aus dem Reich der Mitte: Bei der Mumie des Mannes vom Tilsenjoch („Ötzi“) wurden punkt- und strichförmige Tätowierungen gefunden, die exakt an wichtigen Akupunkturpunkten der TCM liegen. Vielleicht hatten die Medizinmänner vor etwa 5.000 Jahren die Stellen markiert, damit sich „Ötzi“, der vermutlich an einer schmerzhaften Arthrose im Kniegelenk litt, selbst an ihnen behandeln konnte.

Der Begriff „Akupunktur“ stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus den Worten acus (Nadel) und pungere (stechen).

An Akupunkturpunkten läßt sich die Lebensenergie Qi beeinflussen

Qi fließt in Leitbahnen, den Meridianen. Insgesamt gibt es zwölf Hauptmeridiane, die in den Finger- oder Zehenspitzen entspringen und von dort zum Zentrum des Schädeldachs ziehen.

Jeder Meridian ist einer Organfunktion (z. B. Milz, Leber, Dünndarm) zugeordnet. An bestimmten Stellen der Meridiane ändert sich die Fließgeschwindigkeit des Qi (vergleichbar mit einer Stromschnelle oder einem Wehr im Flußlauf). Hier läßt sich besonders leicht Einfluß auf das Qi nehmen – und genau dort liegen die Akupunkturpunkte.

Insgesamt gibt es 361 sogenannte klassische Akupunkturpunkte. Allerdings kennen verschiedene Schulen der Akupunktur noch eine Vielzahl weiterer Punkte.

Je nach Stichtechnik erreicht der Akupunkteur eine beruhigende oder aktivierende Wirkung

Die Akupunkturpunkte unterscheiden sich in ihrer Wirkung. So gibt es den Fünf Wandlungsphasen entsprechend (siehe Seite 3) beispielsweise Feuerpunkte, Erdpunkte, Wasserpunkte usw. Will der Akupunkteur beispielsweise das Yang der Milz erhöhen, um Verdauungsprobleme zu lindern, so sticht er in einen Feuerpunkt im Milz-Meridian. Da Feuer eine Nähe zum Yang aufweist, läßt sich dadurch das Yang der Milz stärken.

Die Akupunkturnadeln sind nur Bruchteile eines Millimeters dick, also wesentlich dünner als Injektionsnadeln. Besonders feine Nadeln werden bei Kindern eingesetzt, etwas dickere, wenn ein stärkerer Reiz erzielt werden soll oder ein Patient sehr festes Gewebe hat.

Die meisten Patienten spüren beim Einstich ein leichtes Kribbeln – das sogenannte De Qi, zu deutsch: „Das Qi kommt an“.

Ein schnelles Einstechen und fortgesetztes Bewegen der Nadel wirkt eher betäubend und schmerzlindernd. Die Nadel verbleibt dann bis zu 20 Minuten an Ort und Stelle.

Eine Aktivierung des Zielorgans erreicht der Therapeut dagegen durch ein langsames Einstechen und rascheres Entfernen der Nadel.

Die moderne Forschung fand mögliche Erklärungen für die Wirkung der Akupunktur

Selbst skeptische Mediziner können die Heilerfolge, die die Akupunkteure nach diesem System erreichen, nicht leugnen. Viele Wissenschaftler sind daher mit modernen Methoden auf der Suche nach dem, was durch die Nadelstiche im Körper tatsächlich ausgelöst wird.

Eine Theorie besagt, daß durch die Akupunktur ein körpereigenes System zur Schmerzkontrolle aktiviert wird. Dabei werden sogenannte Endorphine (endogene Morphine) ausgeschüttet, die die Schmerzempfindung im Gehirn dämpfen.

Auffällig ist auch, daß viele Akupunkturpunkte dort lokalisiert sind, wo Bündel von Blutgefäßen und Nervenfasern die straffen Bindegewebshäute (Fascien) durchbrechen, die die Körpergewebe umhüllen. Daher könnten durch das Stechen in diese Punkte Nervensignale ins Körperinnere weitergeleitet werden.

Die Wirksamkeit der Akupunktur ist in vielen Studien belegt

Die Nationalen Gesundheitsbehörden der USA haben im Jahr 1997 im Rahmen einer Expertenanhörung zur Akupunktur mehrere hundert wissenschaftliche Untersuchungen aus allen Ländern der Welt zusammengetragen und ihre Ergebnisse zusammenfassend bewertet. Danach liegen klare wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit von Akupunktur bei Übelkeit und Brechreiz, beispielsweise nach einer Operation sowie im Verlauf einer Schwangerschaft oder einer Chemotherapie, vor. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ebenfalls eine Liste von Krankheiten aufgestellt, bei denen ihrer Meinung nach der Versuch einer Akupunktur-Behandlung lohnt.

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