TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) blickt auf eine mehr als dreitausendjährige Geschichte zurück. Dass da im Riesenraum China verschiedenste Strömungen und Traditionen im Laufe der Zeit zu einem System verschmolzen sind, ist daher nicht weiter erstaunlich. Die TCM beruht auf den Lehren des legendären Philosophen Laotse, der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebte.
Laotse begründete den so genannten Taoismus. Im Mittelpunkt dieser Weltanschauung steht das Natur Prinzip Tao (gesprochen Dao). Es besagt, dass nichts still steht, sondern sich alles in der Natur im ständigen Wandel befindet.
So sahen es übrigens auch die griechischen Philosophen der Antike: Heraklit (4. Jahrhundert v. Chr.) sagte: „Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss.“ Und Platon (427 – 347 v. Chr.) brachte das auf die berühmte Formel „panta rhei“ = alles fließt.
Nach der chinesischen Philosophie erzeugt das Tao die gegensätzlichen Naturkräfte bzw. Qualitäten Yin und Yang, die eine Spannung erzeugen. Man kann dies mit dem Plus- und Minuspol einer Stromquelle vergleichen. Die Spannung zwischen Yin und Yang bringt die Lebensenergie Qi hervor, die alle Lebensvorgänge bewirkt. Das entspräche dem Strom, der zwischen den beiden Polen fließt.
Die TCM ist also ein Teil der philosophischen Richtungen Taoismus und Konfuzianismus. Beide Philosophen definieren den Zustand „Glück“ als absolute Harmonie zwischen Mensch und Natur, erreichbar durch eine entsprechende Lebensweise. Die TCM versteht nun den Körper als ein zusammenhängendes System, in dem alle Körperteile, Organe und Organsysteme und auch der Geist durch Energiebahnen miteinander verbunden sind. Gesund ist ein Mensch dann, wenn sich alle seine Energien in Harmonie und im Gleichgewicht befinden.
Die wichtigsten Grundlagen der Chinesischen Medizin sind die Lehre von Yin und Yang und den fünf Wandlungsphasen, die Lehre vom Qi , was man etwa mit „Energie“ oder „Lebenskraft“ übersetzen könnte.
Das Qi
Das Qi (sprich: Tschi) gilt als die universelle Lebensenergie, die unseren Körper in Leitbahnen, den Meridianen, durchströmt. Seinen geregelten Fluß verspüren wir nicht, aber wenn er ins Stocken gerät, gilt das als Ursache von Krankheiten.
Der Fluß des Qi kann von außen beeinflußt werden. So können durch den Stich mit einer Akupunkturnadel in die Meridiane eventuelle Blockaden gelöst werden. Ähnlich wirkt die traditionelle chinesische Tuina-Massage, bei der aber zusätzlich das Qi vom Behandler auf den Patienten übergehen soll.
Eine weitere Möglichkeit, das Qi im Körper zu lenken und zu beeinflussen, bieten die Körper- und Atemübungen des Qigong, die ein fester Bestandteil im Gesundheitskonzept der TCM sind.
Im Körper gibt es drei verschiedene Formen von Qi:
- In der Lunge wird das Atem-Qi aus der Luft aufgenommen.
- Das Nähr-Qi entsteht durch die Verdauung der Speisen
- Das Erb-Qi bekommt jeder Mensch von seinen Eltern mitgegeben.
Das ererbte oder sogenannte pränatale Qi läßt sich nicht vermehren. Es entspricht in der westlichen Vorstellung in etwa der körperlichen Konstitution, die beispielsweise darüber entscheidet, ob Sie anfällig für bestimmte Krankheiten sind oder nicht.
Aber auch wenn Sie über ein nicht so starkes ererbtes Qi verfügen, können Sie ihre gesamte Lebensenergie durch die beiden anderen Qi-Formen bis ins hohe Alter aufrechterhalten.
Das Nahrungs-Qi sichern Sie sich durch die richtige Ernährung. Hierbei kommt es vor allem auf eine ausgewogene, nicht zu Extremen neigende Ernährungsweise an. Aber auch durch spezielle chinesische Kräuterzubereitungen läßt sich diese Qi-Form unterstützen.
Das Atem-Qi können Sie durch die speziellen Bewegungs- und Atemübungen des Qigong verbessern.
Yin und Yang
Ursprünglich bezeichnet der Begriff Yin (sprich: in) die Schattenseite eines Hügels und der Begriff Yang (sprich: jang) seine Sonnenseite.
In der chinesischen Weltanschauung werden alle natürlichen Prozesse als ein Wechselspiel dieser beiden gegensätzlichen Kräfte verstanden. Yin und Yang müssen im Körper ausgeglichen sein, damit die Lebensenergie Qi ungehindert fließen kann.
Das alte daoistische Symbol für dieses Kräftepaar (siehe Abbildung oben) veranschaulicht das Verhältnis von Yin und Yang: Ihre Kennzeichen sind ein fließender Übergang (geschwungene Linie), und die jeweils kontrastierenden Punkte zeigen, daß in Yin immer auch ein Anteil Yang enthalten ist (und umgekehrt).
Folgende Yin-Yang-Paare sind von besonderer Bedeutung:
Yin | Yang |
Erde | Himmel |
Winter | Sommer |
weiblich | männlich |
kalt | heiß |
Ruhe | Bewegung |
Speicherorgane | Hohlorgane |
Blut, Körpersäfte | Energie, Geist |
Die Fünf Wandlungsphasen
Die chinesische Philosophie ordnet alle natürlichen Prozesse in fünf Kategorien – sogenannte Wandlungsphasen – ein, die jeweils einem bestimmten natürlichen „Element“ zugeordnet sind (siehe Tabelle unten).
Die Einordnung der Organe und unterschiedlicher Emotionen in eine der Kategorien ist für viele TCM-Ärzte ein wichtiges Hilfsmittel. Dazu ein Beispiel: Die Emotion „Wut“ oder der Geschmack „sauer“ gehört wie die Leber und Galle zur gleichen Kategorie („Holz“). Dieser Zusammenhang wird auch deutlich in bei uns üblichen Redewendungen wie: „Mir läuft vor Wut die Galle über“ oder „auf etwas sauer sein“. Wut kann daher die Aktivität der Leber übermäßig steigern.
In der Natur nährt Holz das Feuer. Übertragen auf die menschlichen Organe bedeutet das, daß die Leber (Wandlungsphase Holz) das Herz (Wandlungsphase Feuer) nährt. So kann indirekt durch langanhaltende Wut ein Herzleiden entstehen. Der TCM-Arzt wird aber nicht direkt das Herz behandeln, sondern versuchen, die Energie der Leber, also die eigentliche Ursache, auszugleichen. Dazu kann er sich zum Beispiel der Akupunktur am Leber-Meridian bedienen oder individuelle Kräuterzubereitungen verschreiben. Von Bedeutung sind die Wandlungsphasen auch für die Nahrungsmittelauswahl. Jede der fünf Geschmacksrichtungen ist einer der Fünf Wandlungsphasen zugeordnet.
| Die Fünf Wandlungsphasen | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Jeder Stoff, jeder natürliche Vorgang, jedes Organ oder jeder Sinneseindruck wird in der chinesischen Lebensanschauung einer der Fünf Wandlungsphasen zugeordnet. | |||||
| Fünf Wandlungsphasen | |||||
| Holz | Feuer | Erde | Metall | Wasser | |
| Yin-Organ | Leber | Herz | Milz | Lunge | Nieren |
| Yang-Organ | Gallenblase | Dünndarm | Magen | Dickdarm | Blase |
| Geschmack | sauer | bitter | süß | scharf | salzig |
| Emotion | Wut | Freude | Denken | Trauer | Angst |
| Geruch | ranzig | verbrannt | süßlich | verrottend | faulig |
| Jahreszeit | Frühling | Sommer | Spätsom. | Herbst | Winter |
+ + + News zu "TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)" + + +
GNL5223
© Fotolia | Monika Wisniewska
© Fotolia | Gulien Diavel
© Fotolia | sculpies