Stress macht Sie weniger zielgerichtet

in Täglich Gesund zum Thema Stress
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Stress verändert unser Verhalten - wie sehr, das haben deutsche Wissenschaftler nun gezeigt. Sie entdeckten, dass die Stresshormone dazu führen, dass Menschen nicht mehr so zielgerichtet handeln und schnell in alte Gewohnheiten zurückverfallen. Entdeckt hatten die Forscher dies, als sie bei fast 70 Freiwilligen Stresssituationen durch Medikamente erzeugten und bei ihnen anschließend im Kernspintomografen die Aktivität des Gehirns maßen. Hinzu kam ein experimenteller Versuch.


Die Forscher gaben den Teilnehmern Cortisol und Yohimibin. Letzteres sorgt dafür, dass Noradrenalin, ein Stresshormon wie Cortisol, länger aktiv bleibt. Eine Gruppe der Teilnehmer erhielt Cortisol, eine weitere Yohimibin und eine dritte beides. Eine vierte Gruppe bekam ein Placebo.

Die Aufnahmen, die vom Gehirn gemacht wurden, zeigten, dass die Kombination aus Cortisol und Yohimibin dafür sorgte, dass das Vorderhirn weniger aktiv war. Hier liegen die Hirnareale, die für zielgerichtetes Verhalten wichtig sind.

Im Experiment zeigten sich dann die Auswirkungen des Stresses deutlich. Die Teilnehmer erfuhren, bevor sie die Medikamente bekamen, dass sie für das Anklicken bestimmter Symbole am PC Orangensaft, für das Anklicken anderer Kakao erhielten. Nachdem sie dies gelernt hatten, durften sie sich an Orangen oder an Schokopudding satt essen. Hierdurch wurde der Effekt der Belohnung herabgesetzt. Menschen, die Schokopudding essen durften, sind normalerweise nicht mehr anfällig für Kakao. Der Verzehr vieler Orangen führt dazu, dass man nicht mehr unbedingt Orangensaft haben will. Dementsprechend folgt daraus, dass diejenigen, die Orangen wählten, anschließend am PC nur selten die Symbole anklicken, die mit Orangensaft belohnt werden. Die, die Schokopudding aßen, würden sich normalerweise seltener für die Kakao-Symbole entscheiden. Das stimmte auch für die Teilnehmer der Placebo-Gruppe.

Unter Stress aber zeigte sich ein ganz anderes Verhalten. Die Teilnehmer, die unter Yohimibin und Cortisol standen, fielen in alte Gewohnheiten zurück und klickten - wie früher - die Symbole an, deren Belohnung sie am liebsten hatten. Zielgerichtete Handlung war bei ihnen nicht zu erkennen.


von
Dr. Martina Hahn-Hübner

Erfahren Sie hier mehr über Dr. Martina Hahn-Hübner - Gesundheitswissen-Expertin und Chefredakteurin von Täglich Gesund und dem Mondkalender.

 
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