Stents: Moderne Alternativen zum Bypass aber welche sind die besten?
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund zum Thema Bypass-Operation
vom 6. Januar 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Die Herzkranzgefäße (Koronararterien) versorgen das Herz mit Blut und Nährstoffen. Wenn sich die Gefäße durch Kalk und andere Ablagerungen verengen, droht ein Herzinfarkt. Bis vor 15 Jahren waren aufwändige Bypass-Operationen die einzige Möglichkeit, die betroffenen Patienten vor dem Herztod zu bewahren. Dabei werden die Engstellen mit Abschnitten gesunder Gefäße umgangen.
Mit den in den 1990er Jahren aufkommenden so genannten Stents gab es eine viel einfachere Möglichkeit, die Gefäße wieder zu erweitern: Die Drahtgeflechte werden einfach per Katheter durch einen Schnitt in der Leiste bis in die Herzkranzgefäße vorgeschoben, um das Gefäß zu stabilisieren.
Jedes Jahr erhalten in Deutschland etwa 240.000 Patienten eine solche Gefäßstütze. nur noch etwa 65.000 Patienten wird ein Bypass eingesetzt.
Moderne Stents erhöhen das Herzinfarktrisiko um das Dreifache
Doch die althergebrachte Bypass-Methode hat durchaus ihre Vorteile. Das Problem der ersten Stent-Generation: Der Fremdkörper aus Metall regt das umgebende Gewebe zum Wuchern an. In jedem dritten Fall setzt sich das Drahtgeflecht daher langsam wieder zu und muss in einem weiteren Katheter-Eingriff erneuert werden.
Seit etwa fünf Jahren gibt es eine neue Stent-Generation, deren Edelstahlfäden mit Medikamenten beschichtet sind (u. a. mit den Zellgiften Sirolimus oder Paclitaxel), die die Einwucherungen unterdrücken. Die Rate an Stentverschlüssen sinkt mit ihnen auf etwa 10 %.
Doch nun sind auch diese neuen Stents in Verruf geraten. So erbrachte eine Vergleichsstudie der Universität Basel an 746 Patienten im Jahr 2006 ein erschreckendes Ergebnis: Innerhalb von 18 Monaten kam es mit ihnen deutlich öfter zu Herzinfarkten oder Herztod (4,9 %) als mit den unbeschichteten Modellen (1,3 %). Der Grund: Offensichtlich bleiben die neuen Stents durch die Beschichtung länger als ,,nackte" Drahtgerüste in den Gefäßen erhalten, ohne dass sie wie die unbeschichteten Modelle rasch von Blutgefäßzellen ausgekleidet werden. Hier bilden sich dann leicht Blutgerinnsel, die zu einem plötzlichen Gefäßverschluss führen. Als Konsequenz daraus müssen Patienten mit einem beschichteten Stent bis zu zwei Jahre lang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.
In diesen Fällen sollten Sie auf beschichtete Stents verzichten:
- wenn Operationen absehbar sind (dann müssten Gerinnungshemmer abgesetzt werden)
- bei erhöhtem Thromboserisiko
- wenn mehrere Koronargefäße verstopft sind oder die Engstelle kompliziert liegt
- wenn Sie bereits mehrere Medikamente einnehmen müssen
Die Geschichte der beschichteten Stents ist ein weiteres Beispiel dafür, wie in der Medizin oft vorschnell neue Therapien eingesetzt werden. Es drängt sich der Verdacht auf, dass auch hier die wirtschaftlichen Interessen (ein althergebrachter Stent kostet ca. 200 Euro, ein ,,innovativer" beschichteter dagegen bis zu zehnmal mehr) schwerer wiegen als Ihre Gesundheit.
Ganz generell hat die ,,gute alte Bypass-Operation" noch lange nicht ausgedient. Im September 2008 stellten Forscher aus 62 europäischen und 23 amerikanischen Herzzentren eine Studie mit über 3.000 Patienten vor. Jeweils die Hälfte hatte einen Bypass oder einen (beschichteten) Stent erhalten. nach einem Jahr kam es bei 18 % der Stent-Patienten zu Komplikationen (u. a. Herzinfarkte, Schlaganfälle, erneute Operationen), aber nur bei 12 % der Bypass-Patienten.
ähnliche Beiträge
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bärbel Meinhardt (07.01. 2010 10:45 Uhr):
Hallo, ich habe bis jetzt ca. 6 Stents in 4 Jahren erhalten mit 9 Kathedersetzung. Wie soll das wohl weitergehen? Fühle mich aber, bis auf Luftprobleme ganz wohl.
Antworten- Antwort von Meinhardt (28.12. 2011 16:57 Uhr):
Habe leider noch keine Antwort, aber jetzt schon 8 Stents. Was soll ich tun???
- Antwort von Meinhardt (28.12. 2011 16:57 Uhr):