MenüMenü

Meditation: Lassen Sie Ihren Geist ins Unendliche schweben

von Sylvia Schneider, Chefredakteurin von „Gesundheit für Frauen“, dem Dienst, der Ihnen praktische Informationen für ein aktives Leben gibt

Meditation ist eine Form der tiefen Entspannung, in der sich der Geist auf einer feineren Bewusstseinsebene gewissermaßen vom Körper trennen soll. Das Gefühl, aus dem Körper „herauszutreten“, scheint real empfunden zu werden. Die Wissenschaft konnte nachweisen, was im Gehirn passiert, wenn Geist und Körper gemeinsam innehalten, Raum und Zeit in den Hintergrund treten – also der Zustand eintritt, den Meditationsexperten Bewusstseinserweiterung oder Erleuchtung nennen. Jede Kultur hat eigene Methoden entwickelt, außer Schlafen, Wachen und Träumen in andere Bewusstseinszustände zu gelangen. In den asiatischen Kulturen gehört Meditation zum Alltag. Sie ist eine wesentliche Säule der buddhistischen Glaubens- und Heilslehren. Ihr verwandt sind Trance und Hypnose, wie sie beispielsweise die indianischen Schamanen betreiben.

Die meisten Menschen bei uns lernen Meditation heute in Zusammenhang mit dem so genannten Hatha-Yoga kennen, das allerorten angeboten wird und sich großer Beliebtheit erfreut. Yoga im eigentlichen Sinne ist ein Selbsterfahrungsprogramm, das auf dem buddhistischen Pfad zur „erlösenden Erleuchtung“ führen soll. Atem- und Körperübungen sind dabei eine Art Vorbereitung, die helfen sollen, schneller zur Ruhe zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In den USA ist Meditation inzwischen fast schon zum Kult geworden, dem sich immer mehr Prominente anschließen. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Richard Gere und Madonna. Sie bekennen sich ebenfalls zum Buddhismus. Doch auch bei uns boomt die Nachfrage nach Einkehr in der Stille. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche verzeichnen eine steigende Nachfrage nach Einkehrtagen, Aufenthalten in „Häusern der Stille“ und Übungen der Stille.

Ruhetage im Kloster werden ebenfalls immer häufiger mit großem Erfolg angeboten. Meditationskurse für Manager sind keine Seltenheit mehr. Allein das Wort „spirituell“ zieht heute viele gehetzte Menschen in der Hoffnung auf geistige Orientierung an. Das gilt auch für diejenigen, die sich der Kirche nicht unbedingt nahe fühlen. Immer mehr Menschen picken sich aus den verschiedenen Religionen die Elemente heraus, die ihnen gefallen, und verweben sie zu einer Art eigener Religion. Die häufigsten Anleihen stammen dabei heute aus dem Zen-Buddhismus, in dessen Zentrum die oft stundenlange spirituelle Meditation (Zazen) steht. Das zu unseren Religionen gehörige intensive Beten – wie es beispielsweise Mönche und Nonnen praktizieren – ist ebenfalls eine solche Art der geistigen Versenkung. Es werden dabei im Gehirn die gleichen biochemischen Prozesse ausgelöst.

Wie Sie von der Meditation profitieren

Nicht jede Frau kann gleich gut abschalten. Manche sind einfach zu „zappelig“, weil sie zu viel auf dem „Zettel haben“. Gerade Frauen mit Doppelt- und Dreifachbelastung fällt das Abschalten oft besonders schwer. Für sie sind bewegungsorientierte Entspannungsübungen als Einstieg zunächst sinnvoller als eine tiefe spirituelle Versenkung. Doch häufig baut das eine auf dem anderen auf. Wer meditieren möchte, muss dies allmählich lernen, um sich vor allem regelmäßig kleine Auszeiten zu gönnen und innere Ruhe zu suchen. Am Anfang geht das am besten unter Anleitung. Denn zum einen fällt Ihnen dann das Abschalten und Loslassen leichter, zum anderem kann der Weg nach innen unter Umständen beschwerlich und beängstigend sein, je tiefer Sie einsteigen. Möglicherweise stoßen Sie auf Dinge, die Sie lange Zeit erfolgreich verdrängt haben und die für Sie in irgendeiner Form noch zur Lösung anstehen. Die innere Sammlung und Versenkung der Meditation wird eingeleitet, in dem Sie sich auf eine Sinnesempfindung konzentrieren:

  • Das kann ein Bild oder Merksatz (Mantra) sein, das Hören monotoner Geräusche oder das Empfinden der Wärme aus der Mitte des eigenen Bauches heraus.
  • Bewusstes Atmen und konzentriertes Entspannen verändern die Blutversorgung im Gehirn und führen zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit. Die Ausschüttung von Stresshormonen wird allein dadurch schon gedrosselt.
  • Das konzentrierte Wiederholen eines Gebets oder Mantras bewirkt eine Tiefenentspannung, eine Loslösung vom Alltag und kann dazu führen, sich mit einer höheren Macht oder Energie verbunden zu fühlen.
  • Meditation reinigt nicht nur die Seele, sie ist auch gut für das körperliche Wohlbefinden. Die Andacht sorgt beispielsweise dafür, dass die Atmung ruhiger und gleichmäßiger wird. Der Sauerstoffbedarf verringert sich um bis zu einem Drittel. Der Hautwiderstand nimmt zu, das ist ein deutliches Zeichen für Entspannung. Das wirkt sich positiv auf das Herz- und Kreislaufsystem aus.
  • Das gilt im übrigen auch für das christliche Beten: Das Aufsagen eines Rosenkranzes verringert die Atemfrequenz auf sechs Atemzüge pro Minute und bringt so den ganzen Organismus zur Ruhe – fanden Forscher heraus.

Ihr Gehirn reagiert sofort

Die Veränderungen im Gehirn beim Meditieren oder Beten sind rasch nachweisbar: Schon kurz nach Beginn der Versenkung erscheinen so genannte Alphawellen im Elektroenzephalogramm, was im Wachzustand ungewöhnlich ist. Betawellen – Aktivisten im Wachzustand – verringern sich dagegen. In einigen Fällen konnten amerikanische Forscher der Harvard Medical School sogar so genannte Theta- und Deltawellen feststellen, die normalerweise nur auftreten, wenn jemand schläft. Sie gelten als Zeichen tiefer Entspannung. Das Zwiegespräch mit Gott oder die Meditation wirkt sich also direkt auf das Nervensystem aus. Es drosselt die Aktivität des so genannten Scheitellappens im Gehirn, wo alle Informationen über den Körper zusammenlaufen und „verwaltet“ werden. Muskeln, Gelenke, Augen, Gleichgewichtsorgan und motorische Steuerzentren schicken ihre Informationen zum Scheitellappen, der sich daraus ein Körpergefühl entwickelt. Fährt der Körper die Aktivität des Scheitellappens herunter, könnte es sein – so spekulieren die Wissenschaftler –, dass der Mensch das Gefühl bekommt, sein Geist trete aus dem Körper heraus, er empfinde seinen Geist als losgelöst vom irdischen Körper. Ein Gefühl der Grenzenlosigkeit stellt sich ein.

Andere Dinge scheinen sich in einer anderen Region des Gehirns, dem Schläfenlappen, abzuspielen: Aufgrund von Beobachtungen an Epileptikern, in deren Gehirnen sich ähnliche Abläufe vollziehen, glauben manche Forscher, dass bei sehr religiösen Menschen dieses Hirnareal sinnbildlich in Flammen steht, wenn sie beten oder meditieren. Diese Annahme ist allerdings noch umstritten. Der Schläfenlappen ist die Hirnregion, in der die Sprache verarbeitet wird, in der Gegenstände, Gesichter und Begriffe erkannt und bewertet werden.

Meditation beeinflusst den Informationsfluss im Gehirn

Darüber hinaus bestehen untrennbare Beziehungen des Schläfenlappens zu unserer Gefühlswelt, die vom limbischen System gesteuert wird. Hier laufen alle Sinneseindrücke zusammen und werden mit Gefühlen verwoben. Im limbischen System entstehen Wut, Ekel, Glück, Angst und Übermut. Alle Informationen werden von hier aus zum Hippokampus weitergereicht, der darüber entscheidet, was wir in Erinnerung behalten wollen und was dem ewigen Vergessen anheim fällt.

Grenzen in Ihrem Gehirn werden übersprungen

Der Hippokampus ist so etwas wie die berühmte Schere im Kopf, denn er teilt die Informationen ja gewissermaßen in „falsch“ und „richtig“ ein. Ohne diese Bewertung wären wir im eigenen Datenbrei verloren. Meditation scheint den Fluss eingehender Informationen auf ein Minimum zu reduzieren. Gleichzeitig kann der Hippokampus uns auch Scheuklappen verpassen, wenn er zu pingelig aussortiert. Dann bleibt nur hängen, was wir ohnehin schon wissen. Der Psychiater Hinderk Emrich von der Medizinischen Hochschule in Hannover glaubt, dass wir unseren Hippokampus gelegentlich übertölpeln müssen, um unsere Kreativität zu fördern. Daraus ergäben sich neue Bedeutungszusammenhänge. Und so erklärten sich möglicherweise dann auch religiöse Erleuchtungen: Die Pforte des Hippokampus werde einfach übersprungen. Ähnliches könnte sich – spekuliert der Professor – auch bei rituellen Tänzen, Meditation, Fasten und Schlafentzug abspielen, mit denen in allen Religionen andere Bewusstseinszustände erreicht werden sollen.

Der Botenstoff Serotonin soll ebenfalls eine wichtige Rolle spielen: Er führt im Gehirn zu bestimmten Reaktionen, die denen der Wirkung von Rauschgift am so genannten Belohnungszentrum im Gehirn entsprechen. Die Folge: Körper, Geist und Seele setzen zum Höhenflug an. Allerdings folgt beim Drogenkonsum darauf der „Turkey“ – also Entzugserscheinungen, wenn der nächste „Kick“ ausbleibt. Streng Meditierende berichten von ähnlichen Erfahrungen: Nach besonders intensiver Versenkung fallen sie manchmal in ein tiefes seelisches Loch.

Meditation fördert die Heilung

Dass Meditation den Heilungsprozess beschleunigen kann, hat der anerkannte amerikanische Herzspezialist Dean Ornish bereits vor zehn Jahren nachgewiesen. Meditation, Yoga und maßvolle Ernährung halfen seinen Herzpatienten wieder auf die Beine und verringerten die schädliche Plaque-Bildung in den Adern. Nach seinen jüngsten Erkenntnissen kann Meditation sich ebenfalls günstig auf Prostata-Krebs auswirken. Eindrucksvolle Nachweise erzielte auch Jon Kabat-Zinn: Durch die von ihm entwickelte Meditationsmethode (Mindfulness Meditation) konnte beispielsweise bei Psoriasiskranken die Heilungszeit verkürzt werden. Kabat-Zinn, der eine Anti-Stress-Klinik an der Medizinischen Fakultät der Universität von Massachusetts gegründet hat, hat auf der Basis buddhistischer Achtsamkeitmeditation für seine Patienten ein 8-Wochen-Programm entwickelt, bei dem Atem-, Entspannungs- und Yogaübungen mit Sitzmeditation kombiniert werden. Es soll dabei eine innere Haltung erreicht werden, die der uns geläufigen entgegengesetzt ist: die Konzentration auf das höhere Selbst mit all seinen Einschränkungen und Schmerzen. Menschen mit den unterschiedlichsten Erkrankungen profitieren davon. Die Symptome werden abgemildert und das Wohlbefinden gesteigert, das konnte nachgewiesen werden. An mehr als 200 US-Kliniken wird das Programm inzwischen eingesetzt. Forscher der Ruhr-Unversität in Essen konnten Kabat-Zinns Ergebnisse an mehr als 3.000 Patienten bestätigen. Sie fühlen sich glücklicher, ruhiger und aufmerksamer als vorher. Am Ende steht oft eine größere Ehrfurcht vor dem Geschenk des Lebens.

Möchten Sie genauer erfahren, wie Sie – gerade als Frau – mehr Zeit für sich gewinnen? Dann ist das hier wahrscheinlich sehr interessant für Sie:

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten