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Warum Sie auch bei Krankheit unbedingt in Bewegung bleiben sollten

Früher war es normal, dass Sie bei Erkrankungen vom Arzt Bettruhe verordnet bekamen. Dieser Rat ist heute überholt: Wir wissen längst, dass längere Bettruhe mehr schadet als nützt. Ich erkläre Ihnen in diesem Beitrag, warum das so ist, und zeige Ihnen, wie Sie auch bei schwereren Erkrankungen in Bewegung bleiben können.

Teddies© drubig-photo - Fotolia

Es steckt in uns drin: Wenn wir uns nicht gut fühlen, und sei es auch nur aufgrund eines leichten Infekts, bevorzugen wir die Bettruhe. Ziel ist eigentlich, dass wir uns gesundschlafen wollen.Doch damit erreichen Sie in der Regel genau das Gegenteil. Schon nach einem bis zwei Tagen spüren Sie die negativen Auswirkungen auf Ihren Kreislauf, und auch Ihre Muskeln scheinen deutlich schlapper. Dabei handelt es sich nicht um Folgen der Erkrankung, wie viele Menschen meinen – sondern so wirkt sich der Bewegungsmangel durch die Bettruhe aus.Dies können die Folgen von zu langer Bettruhe sein

Eine längere Bettruhe bleibt nicht ohne negative Auswirkungen auf Ihren Körper. Die fehlende Bewegung kann unter anderem zu

  • steifen Gelenken,
  • Verdauungsproblemen,
  • Blähungen,
  • niedrigem Blutdruck,
  • erhöhtem Blutzuckerspiegel,
  • Lungenentzündung,
  • thrombose und
  • einer Verringerung der Muskelmasse

führen. Und das nicht erst nach tage- oder wochenlangem Liegen. Schon 48 Stunden Bettruhe reichen aus, damit es zu den ersten Anzeichen, häufig zu Kreislaufproblemen und Blähungen oder anderen Verdauungsproblemen, kommt. Auch die Lunge ist extrem bedroht. Grund dafür ist, dass Sie im Liegen deutlich flacher atmen. Es kommt zu mangelhafter Durchblutung Ihrer Lunge und damit zu einem gesteigerten Lungenentzündungs-Risiko.

Langes Liegen? Meist völlig überholt

Wir wissen heute zudem, dass lange und strenge Bettruhe bei vielen ­Erkrankungen gar nicht mehr angebracht ist. So konnten Wissenschaftler der Universität Melbourne/ Australien nachweisen, dass sich Schlaganfallpatienten so schnell wie möglich wieder bewegen sollten. Sie hatten über 70 Schlaganfallpatienten beobachtet und festgestellt, dass jeder dritte Betroffene, der sich einen Tag nach dem Schlaganfall wieder bewegte, nach Hause entlassen werden konnte, ohne dass großartige Reha-Maßnahmen nötig gewesen wären. Bei denen, die eine längere Bettruhe hielten, traf dies nur auf jeden vierten Patienten zu. Außerdem konnten die Forscher beobachten, dass Begleiterscheinungen wie Thrombosen, Lungenentzündungen und Kreislaufprobleme bei denen, die sich schnell wieder bewegten, um 50 Prozent seltener auftraten.

Ein weiterer klassischer Fall, bei dem früher fast immer Bettruhe verordnet wurde, sind Rückenschmerzen. Auch hierbei ist der Rat überholt – leider gibt es immer noch Ärzte, die Bettruhe verordnen. Die Folgen sind gravierend, denn durch diese ärztlich verordnete Schonung werden die Schmerzen immer noch mehr. Viel besser und heilsamer ist es, sich mäßig, aber doch regelmäßig zu bewegen. Sie stärken auf diese Weise Ihre Rückenmuskeln. So können Sie zum Beispiel – je nach Zustand – langsam spazieren gehen, aber auch Fahrrad fahren.

So bleiben Sie auch im Bett fit

Natürlich gibt es Krankheitszustände, bei denen gibt es kein Wenn und kein Aber – Sie gehören einfach ins Bett. Das ist nach einem Herzinfarkt genauso wie nach einer Lungenerkrankung, nach Stürzen oder anderen Verletzungen ebenso wie nach einer frisch aufgetretenen Thrombose. Und bei fiebrigen Erkrankungen wird Ihnen wahrscheinlich ebenfalls der Sinn eher nach Bettruhe als nach Bewegung stehen. Aber auch in diesen Fällen gilt: Sie sollten sich bewegen – so viel wie Ihr Gesundheitszustand eben zulässt. Dabei sollten Sie Folgendes beachten:

  • Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie sich bewegen dürfen. In der Regel ist es Ihnen auch in schweren Erkrankungsfällen möglich, ­einige Schritte am Tag zurückzulegen.
  • Verzichten Sie darauf, die Mahlzeiten im Bett zu sich zu nehmen. Stehen Sie auf, gehen Sie bis zum Tisch und essen Sie dort. So haben Sie sich wieder etwas Bewegung verschafft.
  • Auch im Liegen können Sie viel für Ihre Muskeln tun. Wie wäre es mit Gymnastik für die Beinmuskeln? Dazu ziehen Sie einfach, während Sie auf dem Rücken liegen, Ihre Zehenspitzen zum Körper. So bauen Sie eine Muskelspannung auf, die Sie zehn Sekunden lang halten. Dann lösen und die Übung insgesamt zehnmal wiederholen. Diese kleine Übung können Sie immer wieder durchführen, am besten mindestens morgens und abends. So verringern Sie übrigens auch Ihr Thromboserisiko effektiv.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie genügend Sauerstoff aufnehmen, um zum Beispiel eine Lungenentzündung zu vermeiden. Dazu stellen (oder, wenn das nicht geht, setzen) Sie sich vor ein geöffnetes Fenster und atmen mindestens zehnmal hintereinander so tief wie möglich durch.
  • Wenn es irgend möglich ist, verzichten Sie auf Bettflasche, Toilettenstuhl und andere Hilfsmittel, so praktisch sie auch sein mögen. Gehen Sie selbst ins Bad und auf die Toilette.
  • Müssen Sie wirklich länger liegen, könnte ein Beintrainer aus dem Sportfachhandel eine gute Anschaffung sein. Hierbei handelt es sich um zwei Pedalen, mit denen Sie Fahrrad fahren können. Das kleine Gerät können Sie auch im Bett verwenden – es kos­tet zwischen 30 und 50 Euro.

Wenn Sie wegen eines Infekts zu Hause bleiben müssen, können Sie sich übrigens durchaus tagsüber normal bewegen. Nur wenn Sie sich wirklich krank und schlapp fühlen, unter Kopfschmerzen und Schwindel leiden oder Fieber hinzukommt, sollten Sie einen bis zwei Tage im Bett bleiben.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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