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Bergwandern: Achtung Höhenkrankheit!

Zu vielen touristischen Zielen (Skifahren, Trekking) gelangen Urlauber heute bequem mit Fahrzeugen, Liften oder über hoch gelegene Zielflughäfen. Immer mehr Menschen, auch chronisch Kranke, kommen so in große Höhen. Die Gefahr: Im Gegensatz zu einem langsamen Aufstieg (Bergwandern), fehlt dem Körper Zeit für die Anpassung an die dünne „Bergluft“.

Älteres Paar rastet bei Herbstwanderung© Patrizia Tilly - Fotolia

Die Gefahr lauert in der Höhe!

Wenn Sie einen Dschungel-Trip in den ecuadorianischen Regelwald planen, landen Sie zunächst in der Hauptstadt Quito auf knapp 3.000 Metern Höhe. Die Eisenbahn zwischen den Städten Lima und La Oroya steigt in den Anden auf fast 4.500 Meter. Die meisten Reisenden benötigen während der Reise Sauerstoff vom Personal. Auf dem Weg von China nach Lhasa in Tibet – eine Strecke, die mittlerweile viele Touristen benutzen – überquert man den Tangula-Pass in einer Höhe von etwa 5.300 Metern. Diesen Pass befahren unter anderem regelmäßig verkehrende Linienbusse.

Dies waren drei Beispiele, wie Sie als europäischer Tourist Ihren Urlaub verbringen können. 2.500 Meter gelten als Schwellenhöhe für das Auftreten der akuten Höhenkrankheit, warnen Freiburger Lungenärzte. Ab dieser Höhe besteht die Möglichkeit, dass Bergwanderer einelebensgefährliche Höhenkrankheit entwickeln. Mit zunehmender Höhe sinken der Luftdruck und der Sauerstoffgehalt der Luft. Dadurch nimmt die Lunge weniger Sauerstoff auf. Die Folge: Sauerstoffmangel im Blut. Bei einer unzureichenden Sauerstoffversorgung der Organe kommt es zur Höhenkrankheit. Die „Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin“ (DGIM) rät daher dringend, sich vor einer Tour ins Gebirge vom Arzt beraten zu lassen. Medikamente beugen einer Höhenkrankheit vor.

Die Symptome

Da mit zunehmender Höhe der Luftdruck sinkt, nimmt der Körper über die Atmung am Berg weniger Sauerstoff auf. Dies führt zu Kopfschmerzen, Atemnot bei leichter Anstrengung, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit oder Schlafstörungen. Die Symptome stellen sich in den in der Regel frühestensvier bis sechs Tage nach dem Aufstieg ein. „Viele Wanderer verwechseln sie mit den Folgen der körperlichen Anstrengung.“ Dies erläutert Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. „Sie sind jedoch klassische Anzeichen einer Höhenkrankheit.“

Zu diesen allgemeinen Symptomen kommen bei vielen Menschen psychische Störungen wie Kritiklosigkeit, Überaktivität und vernunftwidriges Verhalten. So hört man zum Beispiel immer wieder, dass Bergwanderer trotz zunehmender Beschwerden am weiteren Aufstieg festhalten. Leichte Beschwerden bilden sich meist innerhalb von ein bis zwei Tagen zurück, wenn Sie nicht wieder oder gar weiter aufsteigen. In seltenen Fällen entwickelt sich eine schwere Form der Höhenkrankheit, die unter Umständen tödlich endet. Zu den Symptomen gehören starke Mattigkeit, Bewusstseinsstörungen, Atemnot in Ruhe, rasselnde Atmung, trockener Husten und Gleichgewichtsstörungen. Die Freiburger Wissenschaftler warnen: Die wichtigste Maßnahme in diesem Fall ist der sofortige Abstieg um mindestens 1.000 Höhenmeter sowie eventuell auch mit Sauerstoffbeatmung durch die Bergrettung.

Was passiert im Körper?

Überwinden Bergsteiger weniger als 500 Höhenmeter pro Tag, gehen sie kein Risiko ein. Bei diesem leichten Anstieg stellt sich der Körper auf die verminderte Sauerstoffzufuhr ein. Je rascher der Anstieg, desto eher erkranken Wanderer. Mit zunehmender Höhe steigt das Risiko. „Bei Aufenthalten über 4.000 Metern erkranken zwei Drittel aller Bergwanderer“, sagt Fölsch.

Bei einer akuten Höhenkrankheit sammelt sich Wasser im Gewebe, sodass sich unter Umständen Ödeme in Gehirn und Lunge bilden. Unbehandelt führt dies innerhalb weniger Tage zum Tod. „Todesfälle durch Höhenkrankheit sind nicht selten die Folge einer Fehleinschätzung der Symptome“, warnt der Internist. Einige Deutsche Botschaften richteten nach Auskunft des Auswärtigen Amtes für derartige Fälle bereits Kühlräume ein. 30 Prozent der Bergwanderer über 3.000 Meter erleiden eine milde Form der Höhenkrankheit. 3 Prozent der Expeditionsteilnehmer kehren nicht lebend von ihrer Reise zurück.

Möglichkeiten der Vorbeugung

Vorbeugen lassen sich die Symptome durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Medikamente wie Dexamethason, ein Kortikosteroid. Es schützt bei raschen Aufstiegen vor einer Höhenkrankheit. Es sind hohe Dosierungen erforderlich. „Dies führt vor allem nach dem Ende der Therapie zu Problemen“, erläutert Fölsch. Einige Patienten entwickeln Symptome einer Depression.

Eine wirksame Alternative ist Acetazolamid. Dieser Wirkstoff steigert in der Niere die Harnbildung und wirkt so der Wassereinlagerung in Lunge und Gehirn entgegen. Es ist bei kurzfristiger Einnahme gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen in klinischen Studien mit Bergwanderern waren Harndrang und ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen. Grundsätzlich sollten diese Medikamente nur nach ärztlicher Konsultation eingenommen werden.

So bereiten Sie sich auf die Höhe vor

Zur Vorbereitung auf den Aufenthalt oder gar sportliche Aktivitäten in großer Höhe ist es hilfreich, wenn Sie vorher ein regelmäßiges Ausdauertraining absolvieren. Wenn Sie Skifahren wollen, brauchen Sie eine Basis: Mit Walking, Jogging, Radfahren und Schwimmen bauen Sie die für lange Skitage notwendige Ausdauer auf. Selbst durch einen (möglichst täglichen, mindestens aber dreimal wöchentlich durchgeführten) längeren Spaziergang können Sie sich konditionell auf den Winterurlaub vorbereiten. Gehen und/oder laufen Sie mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten.

Bei der Skigymnastik kräftigen Sie zusätzlich Ihre Muskeln, verbessern deren Flexibilität und Ihr Gleichgewichtsempfinden (Koordination). Das ist der beste Unfallschutz. Nicht nur für den Wintersport, auch im Alltag schützt Sie ein solches ganzheitliches Training vor Stürzen. Am besten führen Sie ein solches Programm ganzjährig durch. Dann sind Sie immer fit, unabhängig von der Jahreszeit. Für Faule: Spätestens drei Monate vor dem Winterurlaub sollten Sie beginnen, sonst reicht die Zeit zum Fitwerden nicht mehr. Ideal: Nehmen Sie sich dreimal pro Woche Zeit für die Übungen.

Verbringen Sie darüber hinaus mindestens eine Nacht in einer Höhe von 2.000 bis 3.000 Metern, ehe Sie dort oben sportlich aktiv werden. Die beste Vorbeugung aber ist ein langsamer Höhengewinn, der Ihrem Organismus Zeit zum Anpassen lässt.

Gehen Sie kein Risiko ein!

Bergsteiger sind dazu angehalten, sich ungeachtet der Medikamente vorzubereiten und zu schützen und vor allem ausreichend zu trinken (keinen Alkohol). Ebenso sollten sie auf Medikamente wie das Hustenmittel Codein verzichten, das die Atmung verlangsamt. „Wenn die Beschwerden sich unter Rast oder Ruhelage nicht bessern, ist in jedem Fall ein Abstieg auf unter 2.500 Meter erforderlich“, sagt Fölsch.

Die DGIM rät alpinen Touristen, sich vor Reisen ins Hochgebirge ärztlich untersuchen zu lassen. Menschen mit Herzkreislauf- oder Lungenkrankheiten meiden am besten Aufenthalte in mehr als 2.000 Metern Höhe.

Kurz und knapp: So vermeiden Sie die Höhenkrankheit

  • Beginnen Sie mit dem Anstieg langsam – Wenn möglich, beginnen Sie unterhalb einer Höhe von 1.800 Metern.
  • Passen Sie sich langsam an die Höhe an – Legen Sie nach Ihrer Ankunft mindestens einen Ruhetag ein. Reduzieren Sie das Tempo, wenn Sie außer Atem oder müde sind. Setzen Sie den Anstieg bei Kopfschmerzen nicht fort.
  • Begrenzen Sie den Aufstieg – Steigen Sie nicht mehr als 900 Meter pro Tag. Steigen Sie nicht schneller als 300 Meter pro Tag, wenn Sie sich auf einer Höhe von über 3.500 Metern befinden.
  • Schlafen Sie tiefer gelegen – Wenn Sie sich tagsüber auf einer Höhe von über 3.000 Metern befinden, schlafen Sie nachts auf 2.700 Metern oder tiefer.
  • Verhalten Sie sich gesund – Vermeiden Sie Zigaretten und Alkohol. Trinken Sie stattdessen ausreichend Flüssigkeit.
  • Ziehen Sie Medikamente in Erwägung – Fragen Sie Ihren Arzt, ob Acetazolamid (Diamox®) oder ein anderes verschreibungsplichtiges Medikament infrage kommt, um die Symptome der Höhenkrankheit zu vermeiden oder zu lindern.
  • Wenn Sie eine Hochgebirgstour planen, informieren Sie sich vorher über den Namen und die Lage der Polizei- oder Militärstationen in der Region. Erkundigen Sie sich nach Rettungsmöglichkeiten wie einen Abtransport durch Träger. Die Adressen für die medizinische Versorgung im Ausland (z. B. einen deutschsprachigen Vertrauensarzt) erhalten Sie über das Auswärtige Amt (Tel. 030 – 5000 0).
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