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Schleudertrauma: Ihre Psyche bestimmt den Heilungsverlauf mit

Ausgelöst werden die Symptome eines sogenannten Schleudertraumas durch eine Halswirbelsäulen-Distorsion (lat.: Verdrehung). Typisch ist, dass die Schmerzen erst später, manchmal sogar erst nach Tagen einsetzen. Das hat nicht – wie oft vermutet – mit dem anfänglichen Schockzustand zu tun, sondern beruht auf Entzündungsreaktionen. Durch das Schleudern des relativ schweren Kopfes kommt es zu kleinsten Rissen in Muskeln, Sehnen und Bändern, woraufhin der Körper mit Entzündungen reagiert. Entzündung gleich Heilung, beide Prozesse gleichen sich inhaltlich sehr stark. Sie können dies mit einer Art Muskelkater vergleichen.

Diese minimalen Verletzungen klingen meist schnell ab. 80 bis 90 Prozent der aller Betroffenen sind nach ein bis zwei Wochen wieder beschwerdefrei, wenn sie möglichst unmittelbar nach dem Unfallereignis mit schmerzlindernden Medikamenten eingestellt wurden und dann einfach abwarten und Ruhe bewahren. Die übrigen 10 bis 20 Prozent klagen jedoch dauerhaft über Nackensteifigkeit und oft hartnäckige Schmerzen. Dafür scheint offenbar weniger die Schwere des Traumas verantwortlich zu sein als vielmehr eine gestörte Schmerzverarbeitung.

Folgende Fragen sind für Patienten mit ihren chronischen Beschwerden wichtig:

  • Denken Sie eher pessimistisch über die Prognose Ihrer Schmerzen?
  • Beschäftigen Sie sich ständig mit Ihren Schmerzen oder dem Unfall?
  • Bestanden schon vor dem Unfall Ängste oder andere psychische Probleme?

Übertriebene Angst und das permanente Sich-Beschäftigen mit den Schmerzen können die Genesung massiv beeinträchtigen, wie dänische Forscher in einer Studie (Danish Medical Journal) veröffentlichten.

Lassen Sie sich nach einem solchen Schleudertrauma vom Arzt ausführlich darüber aufklären, was passiert ist, welche Beschwerden danach normal sind und in welchem Zeitraum die Schmerzen üblicherweise wieder verschwinden. Nehmen Sie die von Ihrem Arzt verordneten Medikamente zur Schmerzlinderung ein. Die früher häufig verordnete Halskrause (Schanz’sche Halskrawatte) und eine lange Krankschreibung durch den Arzt haben meist keinen positiven Effekt auf die Genesung. Unmittelbar nach dem Unfall für wenige Tage verwendet schadet sie nicht, aber sie sollte auch baldmöglichst wieder abtrainiert werden.

 

 

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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Alte Kommentare
  • MargitSchütte schrieb am 23.02.2015, 14:49 Uhr

    Sehr geehrter Herr Dr.Wessinhage, ich habeseit 1977 die Folgen eines angeblichen"HWS-Schleudertrauma" , das eigentlich gar keines war. in jeder Hinsciht auskosten müssen, Die Diagnosen nach Unfällen sind mangelhaft in der Regel, man warteterst einmal ab. Nach drei und 8 Wochen anhaltenden oder sich verschlimernden Beschwerden, die sich auch oft noch auszuweiten pflegen ,ist es leider Glückssache, wenn man noch einmal untersucht wird.Meist kommendann schon die versicherungsgünstigen Vermutungen, die Psyche sei schuld,bzw. es wird auf radiologische erkennbare Degeneration ( eigentlich Selbsthei lung des Körpers durch Umbauten nach H.D. Wolff) hingewiesen, um Entschädigungen zu verhindern, vor allem wenn man einen schuldlosen Unfall erlitten hat. Es wäre von Vorteil, mitzuteilen, man glaubt, schuld gewesen zu sein....... Bei Rotationstraumne ist oft die gesamte WS beteiligt und Verletzunge werden übersehen, die eigentlich nur am offenen MRT und durch einen versierten Arzt für Manualmedizin offenbar werden. Wie sehr sich ein solches Rotattionstrauma auf Sehen, Hören und Kausystem auswirken kann, wenn es nicht erkannt oder falsch behandelt wird, erfahren sie bei Prof. Dr.Hülse unter " Nonresponder" und in dem Buch " HWS- Schleuder trauma "neuster Stand" . Bei einigen Verunfallten entwickelt sich dann eine "CMD"(= Craniomandibuläre Dysfunktion) wegen funktioneller Instabilitäten. Es handelt sich nämlich keines falls nur umeine Art Muskelkater, wie Sie es darzustellen versuchen, sondern um Verletzungen, welche die meisten Ärzte und ZÄ gar nicht gelernt haben. Dazu empfehle ich die Fachbücher von Dr.H.D. Wolff und zusammen mit Hülse/ Neuhuber. Dies ewaren Grundlage für die internationalen Schmerzkonferenzen in Ffm zu " Kopf-Hals-Traumen" 1990 udn 1998, die ich erleben durfte. Die Verdächtigung, es handle sich bei längerem Fortbestehen der Unfallfolgen evtl.auch um Simulation, ist beleidigend.Ich habe seit 1977 noch keinen solchen Simulanten erlebt und mit etwas Erfahrung kann man eigentlcih auf Anhieb erfahren, wer tatsächlich leidet. Ich habe in Selbsthilfegruppen mitgewirkt und habe diese Menschen gesehen, die leiden, die nicht mehr arbeiten können und auch keine Entschädigung bekommen,Nicht zuletzt geht dieses gravierende Unrecht auf das Konto ärztlcihen und zahnärztlichen Versagens. Nein, so wie Sie das "HWS-Schleudertrauma" darstellen, so hätte man es gerne. Auch der Patient. Die Mehrzahl der Fälle heilt aus,früher oder später. Aber noch 30 Jahre später werden oft Folgen des Traumas diagnostiziert, weil es viel komplizierter ist als man denkt. "HWS-Schleudertrauma" ist keine Diagnose, sondern ein Verletzungshergang, der jeweils zeitnah zum Unfall, individuell bezogen und sorgfältig abgeklärt werden muss.Dann lassen sich Leid und unnötige Kosten sparen. Bitte korrigieren oder ergänzen Sie Ihre Mitteilung, da diese in der vorgelegten Form irreführend ist. Mit freundlichen Grüssen M.Schütte

  • Bernd Zielinski schrieb am 23.02.2015, 21:08 Uhr

    Sehr geehrter Herr Professor Dr.Wessinhage, auf diesen Artikel gebe ich Ihnen gerne mal meine Erfahrungen wieder. Ich ging zu den Vorsorgeuntersuchungen und war vorher, beruflich bedingt, beim Arbeitsmedizinsichen Dienst (AMD) und alles ohne jegliche gesundheitliche Probleme. Ausgehend von einem Arbeitsunfall im Kraftwerk, aufschlagen des Gesichts auf die Bretter mit Schutzhelm, konnte ich meinen Kopf nicht mehr richtig drehen. Habe seit dem einen Tinnitus, Kiefergelenkprobleme, Mißempfinden in den Fingern und Probleme um das rechte Fußgelenk. Eine MRT-Untersuchung brachte keine erkennbaren Erkenntnisse zu Tage, sprich minimale Einrisse, Blutungen etc. Gleichfalls wurde vom behandelnden Arzt schriftlich festgehalten, daß die Aufnahme durch Schmerzen des Patienten (ich) sehr verschwommen ist. Eine gleichzeitig neue MRT wurde aber nicht durchgeführt. Ich war bei mehreren Begutachtern und Reha, was durch die BG veranlaßt wurde. Die Gutachter (Orthopäden, Sportmediziner) stellten eine Blockierung der Drehbewegung der HWS von 20 bis später 45 Grad fest. Das Kiefergelenk „renkte“ dann später ein Sportmediziner ein. Auf Grund der Aufforderung u.a. der Begutachter (Psychologen) gab ich denen, ohne mir was dabei zu denken, meinen Lebenslauf. Das hätte ich lieber sein lassen sollen. Auf einmal hing die Blockierung mit 16 Monate Krankschreibung, über dutzende von Physiotherapien mit meiner Lebensentwicklung, den degenerativen Wirbelkörpern, ich war damals 56,etc. zusammen . Das wichtigste für mich war die Erkenntnis der Psychologen, daß ich nicht simuliere, keine Angstzustände etc. habe. Da mir das aber alles nicht wirklich weiterbrachte, ging ich zu einem Osteopathen mit fundierter Ausbildung. Dieser erkannte bei genauer Untersuchung, so gründlich hatte mich vorher noch keiner untersucht, daß ich meinen Kopf objektiv nicht richtig drehen kann, da der Kopfdreher blockiert ist. Ohne irgendwelche ruckartigen Drehbewegungen meines Kopfes, was andere Ärzte machten, „schob“ er den Kopfdreher richtig. Zwar kann ich meinen Kopf jetzt wieder zu 90 Grad nach links und rechts drehen aber nicht schmerzfrei. Eine mögliche Ursache der jetzt noch Schmerzen (Faszien)beim drehen wurde hier mal in der Fernsehsendung „VISITE“ gezeigt. Was möchte ich hier eigentlich sagen. Ohne einen objektiven Befund hat man als Patient schlechte, sehr schlechte, Karten. Die BG hat zwar den Arbeitsunfall anerkannt, will aber weiterhin nicht seinen Verpflichtungen der gesundheitlichen Betreuung nachkommen. Mit freundlichen Grüßen Bernd Zielinski P.S. Ich bin jetzt in der 2. gerichtlichen Instanz. Ausgang ungewiß.

  • Gerda Schmid schrieb am 23.02.2015, 21:42 Uhr

    Sehr geehrter Herr Dr. Wessinghage, bitte informieren Sie sich über die Arbeit des Doktor Kucklinski bezüglich Halswirbelsäule und nitrosativem Stress. Ihr Text über das Schleudertrauma ist unvollständig, solange nicht ein Hinweis auf diesen Formenkreis enthalten ist. Mit freundlichen Grüßen, Gerda Schmid