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Divergentes Denken: Nutzen Sie den anderen Weg zur Kreativität

von Dr. Michael Spitzbart

Kreativität hat nichts mit Intelligenz zu tun. Zwar versteht man unter Kreativität die Fähigkeit, neue Ideen zu entdecken, Neues zu produzieren, neue Gedanken zu denken. Aber dennoch hat Ihr IQ keinen Einfluss darauf, wie gut und schnell Ihnen etwas Neues einfällt. Stattdessen geht es bei Kreativität um die Fähigkeit, um die Ecke denken zu können. Wenn Sie kreativ sind, können Sie ausgetretene Denkbahnen verlassen und finden so neue Lösungen für Ihre Herausforderungen.

Können Sie überraschend neu und anders denken, verlassen Sie die ausgetretenen Wege, die Ihr Leben eintönig und langweilig machen. Ein völlig neues, positives Lebensgefühl macht sich breit – die schöne Folge: Sie sind wieder zufrieden mit Ihrem Leben. Und innere Zufriedenheit und Glück wirken sich bekanntlich auch positiv auf Ihre Gesundheit aus.

Verlassen Sie Ihre ausgetretenen Denkpfade

Um kreativ zu sein, sollten Sie sich mit einer völlig anderen Art des Denkens befassen – dem divergenten Denken, dem Gegenteil des konvergenten Denkens. Gerade Menschen mit einem hohen IQ verfügen oft nur über die Fähigkeit, konvergent zu denken. Konvergentes Denken geht davon aus, dass ein Problem eine wahrscheinliche Ursache hat. Wenn diese Ursache nicht in Betracht kommt, dann muss es die nächstwahrscheinliche Ursache sein usw. Daraus ergeben sich klare Lösungen und logische Abläufe. Natürlich ist ohne diese Art zu denken ein großer Teil unserer Gesellschaft nicht möglich. Stellen Sie sich nur einmal vor, ein Fluglotse würde sich nicht an seine klaren Abläufe halten, sondern neue, innovative Regeln erfinden. Dieses Vorgehen würde höchstwahrscheinlich Menschenleben kosten. Auf der anderen Seite bremst diese Denkweise natürliche jede Form von Kreativität aus.

Was macht wahre Kreativität aus?

Um wirklich kreativ zu sein, müssen Sie assoziativ denken. Sie müssen Ideen entwickeln, die spontan sind, aber auch völlig ungewöhnlich. Das ist das so genannte divergente Denken. Divergentes Denken bedeutet nicht, dass Sie lauter wirre Einfälle haben – das wäre Phantasie. Beim divergenten Denken sollen Sie stattdessen auch einmal um die Ecke denken, ohne Anwendung von althergebrachten Mustern eine neue Lösung für ein neues Problem konstruieren. Die größten Erfinder waren alle Genies auf dem Gebiet des divergenten Denkens. Schon um sich etwas so simples wie Streichhölzer oder einen Klebefilm-Abroller auszudenken, musste man die ausgetretenen Bahnen des logischen Denkens verlassen. Auch Kinder können sehr gut divergent denken. Sie probieren alles aus – denken Sie nur an den Pappkarton, der heute ein Haus, morgen ein Auto und nächste Woche eine Mondrakete ist.

So trainieren Sie Ihr divergentes Denken

Es gibt mehrere Methoden, wie Sie divergent denken und so Ihre Kreativität schulen können. Sie können ausprobieren, was Ihnen am meisten liegt – wichtig ist nur, dass es den Satz „Das ist eh völliger Unsinn“ bei dieser Methode nicht geben darf. Sie sollen ja schließlich einen Weg finden, scheinbar nicht vernünftige Lösungen zu erdenken.

Lernen Sie von den Briten. Diese haben die Tradition der Debattierclubs. Hier treffen sie sich, um ein gängiges, manchmal auch abstruses Thema aufzugreifen – und das mit allen möglichen (und unmöglichen) Gegenargumenten zu beleuchten. Vielleicht haben auch Sie Spaß daran, mit Ihren Freunden zu diskutieren. Kein Thema darf zu unmöglich sein. Wie wäre es mit der Frage, _was dagegen spricht, dass Kühe wählen dürfen oder wieso die These stimmt, dass das Wetter tatsächlich in einer Wetterküche von mehreren Köchen zusammengebraut wird?

Spielen Sie Anwalt. Gerade Jura gilt als eine der ältesten Denkschulen – also können Sie sich auch hier austoben. Überlegen Sie sich eine These, die Sie interessant finden. Sind Sie ein Tierfreund? Dann legen Sie zu Grunde, dass auch Tiere Lebewesen sind, die nicht gegessen werden dürfen und auch nicht für Versuche missbraucht werden dürfen.

Stellen Sie sich vor, die Tiere wollten diese These einklagen. Stellen Sie die verschiedenen Anwälte dar. Den der Tiere, die auf Ihr Recht pochen. Den der Fleischerinnung, die um ihr Geschäft fürchtet. Und natürlich den der Pharma- oder Kosmetikindustrie, der auf der Notwendigkeit dieser Versuche besteht. Vielleicht lassen Sie auch einen Vegetarier reden. Er kann als Zeuge auftreten, um zu belegen, dass es nicht nötig ist, unbedingt Fleisch zu essen. Zuletzt können Sie als Richter auch noch alle Argumente gegeneinander abwägen.

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