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Bei Prellungen nach Sturz: Salben, Kräuter & Co.

Zu Prellungen oder Zerrungen kann es schnell kommen: Ein falscher Schritt beim Joggen, Wandern oder bei der Gartenarbeit und man ist umgeknickt und gestürzt. Dann sind sofortige Erste-Hilfe-Maßnahmen gefragt.

Mann mit schmerzendem Knie© Irena Misevic – Fotolia

Wichtig: Schnelle und anhaltende Kühlung

Prellungen werden durch stumpfe Gewalteinwirkungen verursacht. Durch Schläge, Tritte oder durch Stürze werden Gefäße verletzt und im benachbarten Gewebe sammelt sich Blut. Als Folge entstehen ein blauer Fleck und eine Schwellung, ein Bluterguss. Kühlen Sie Verletzungen an Knie oder Knöchel sofort mindestens 30 Minuten, am Oberschenkel mindestens 45 Minuten. Kühlen Sie nicht länger als zehn Minuten am Stück, denn sonst tritt ein gegenteiliger Effekt ein, weil der Körper versucht, die Kälte auszugleichen, indem mehr Blut an die gekühlte Stelle fließt.

Wiederholen Sie diese Kühlung in den nächsten Stunden noch mehrmals. Geeignet sind Kältepacks, von denen Sie immer eines im Kühlschrank bereithalten sollten. Um Erfrierungen zu vermeiden, sollte sich immer ein dünner Stoff zwischen Haut und Kühlpack befinden. Für unterwegs empfiehlt Ihnen Dr. Jean-Jacques Glaesener vom Berufsverband der Reha-Fachärzte Kältesprays und Kühlgels aus der Apotheke.

Die PECH-Regel

Fast jede akute (geschlossene) Verletzung des Bewegungsapparats wird begleitet von Blutungen und Austritt von Lymphflüssigkeit in das betroffene Gewebe hinein. Dadurch entstehen Blutergüsse (Hämatome) und Schwellungen. Schon vor dem Gang zum Arzt können Sie jedoch den Heilungsverlauf mit den richtigen Sofortmaßnahmen günstig beeinflussen und weitere Schäden verhindern. Prägen Sie sich dafür die PECH-Regel ein:

P wie Pause einlegen

Unterbrechen Sie sofort die sportliche Aktivität und legen Sie eine Pause ein. „Zähne zusammenbeißen“ und „Härte zeigen“: Solche Tipps können die Verletzung deutlich verschlimmern. Stellen Sie den betroffenen Körperteil sofort ruhig.

E wie Eis auflegen

Schnelles Kühlen ist bei Sportverletzungen essentiell. Durch Kälte verengen sich die Blutgefäße. So können Blutungen und Schwellungen gestoppt sowie Schmerzen gelindert werden. Zudem wird die Entzündungsreaktion gehemmt. Das können Sie mit einer Eispackung mit viskösem Gel (Cold-Pack), einem Eisbeutel oder auch einem Beutel tiefgefrorener Erbsen etc. machen. Durch die Kälte verengen sich die Blutgefäße, was die Entstehung von Blutergüssen und Schwellungen mindert. Die Kälte verhindert zudem die Ausdehnung des Gewebeschadens und lindert den Schmerz.

Legen Sie das Eis niemals direkt auf Ihre Haut, sonst drohen Erfrierungen. Auch auf offenen Wunden hat Kälte nichts zu suchen. Decken Sie immer zuerst die verletzte Stelle mit einem dünnen Tuch ab oder umwickeln Sie sie locker mit wenigen Lagen einer Kompressionsbinde. Dann legen Sie die Kühlpackung auf und fixieren sie am besten noch mit einer Kompressions- oder Elastikbinde. Empfehlenswert ist eine „Kühlzeit“ von etwa 20 bis 30 Minuten, immer wieder über den Tag und auch je nach Beschwerden über die nachfolgenden Tage verteilt. Die kältefreien Phasen sind wichtig für den Wundheilungsprozess.

C wie Compression

Im nächsten Schritt legen Sie einen Druckverband (Kompressionsverband) mit mäßiger Spannung an. Er verhindert ebenfalls das rasche Anschwellen und die Ausbreitung der Blutung. Das Auftragen einer schmerzstillenden Creme, einer Salbe oder eines Gels auf die verletzte Region spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.

H wie Hochlagern

Lagern Sie vor allem in der akuten, schmerzhaften Phase den verletzten Körperteil hoch (über Herzhöhe). Das verringert die Blutzufuhr, fördert den Abtransport der Wundflüssigkeit und reduziert neben Schwellungen auch die Schmerzen.

Mit Bewegung sollten Sie erst langsam und vorsichtig wieder anfangen, sobald die Beschwerden abklingen.

Prellung vs. Zerrung vs. Verstauchung

Bei Verstauchungen und Zerrungen, etwa beim Umknicken auf unebenen Gehwegen oder Fehltritten auf der Treppe, kommt es zu einer Stauchung bzw. Überdehnung der Bänder, die die Knochen zusammenhalten. Oft geraten sogar die Sehnen, welche die Muskeln mit den Knochen verbinden, in Mitleidenschaft. Nicht selten entsteht gleichzeitig auch noch eine Prellung.

Prellung (Kontusion)

Ursachen:

  • direkte, stumpfe Gewalteinwirkung, z. B. nach einem Sturz, Schlag oder Aufprall

Folge:

  • Quetschungen des Unterhautfettgewebes und der Muskulatur

Typische Symptome:

  • Bluterguss / Hämatom
  • Schwellung
  • stark ausgeprägter Druck- und Belastungsschmerz
  • Einschränkung der Beweglichkeit

Betroffene Körperteile:

  • Muskelprellungen (z. B. am Oberschenkel)
  • Gelenkprellungen (z. B. Knie, Schulter- und Sprunggelenke)
  • Knochenprellungen (z. B. am Schienbein)

Zerrung (Distension)

Ursachen:

  • unzureichendes Aufwärmprogramm (z. B. Stretching)
  • bei abrupten Bewegungen bzw. durch ungewöhnlich heftige Belastung

Folge:

  • schmerzhafte Überdehnung des Muskels bzw. von Muskelfasern

Typische Symptome:

  • Bluterguss / Hämatom
  • Schwellung
  • Schmerzen bei Muskelanspannung
  • zunehmender Schmerz bei Belastung oder Bewegung
  • eher abnehmende Schmerzen bei Dehnung
  • Einschränkung der Beweglichkeit

Betroffene Körperteile:

  • häufig Zerrungen der Waden- und der Oberschenkelmuskulatur

Verstauchung (Distorsion)

Ursachen:

  • eine der häufigsten Verletzungen überhaupt, z. B. durch Umknicken

Folge:

  • Überdehnung bzw. kleine Fasereinrisse am Kapsel-Band-Apparat eines Gelenks

Typische Symptome:

  • leichter Bluterguss / Hämatom
  • schwache Schwellung
  • (Druck-)Schmerzen
  • sofortige Bewegungseinschränkung
  • Besserung der Beschwerden bei körperlicher Schonung

Betroffene Körperteile:

  • oft oberes Sprunggelenk („Knöchel verstaucht“)
  • Handgelenk
  • Knie
  • Schulter

Hilfe aus der Naturmedizin

Bei starken Schmerzen, raschen, starken Schwellungen und Fehlstellungen von Gelenken oder Gliedmaßen lassen Sie sich bitte sofort zum Arzt bringen. Schnelles Handeln verhindert schmerzhafte Schwellungen. Bei einer leichten Prellung bzw. Quetschung reicht es, wenn Sie sofort Arnika-Salbe (50 g ca. 5 €) aus der Drogerie oder die Bachblüten-Notfallsalbe (30 g ca. 10 €) aus der Apotheke dünn auftragen. Diese Salben stoppen den Bluterguss und verhindern Schwellungen. Zugleich sorgen sie dafür, dass der Bluterguss schnell wieder abgebaut wird.

Noch ein Geheimtipp: Pferdesalbe

Manche alte Menschen schwören bei Prellungen noch auf sie, den meisten jungen ist sie als Heilmittel für den Menschen unbekannt: Pferdesalbe, im Volksmund auch Gaulssalbe genannt. Jetzt bricht Dr. Dietmar Krause, Leiter des Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz in Marburg, eine Lanze für das althergebrachte Pflanzengemisch als Mittel gegen menschliche Bewegungsbeschwerden. Die Salbe enthält eine Mixtur aus Arnika, Rosmarin, Kampfer und Menthol: Alles Substanzen, die in der Volksmedizin mit Erfolg bei Prellungen, Schwellungen und Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt werden.

Das in der Salbe enthaltene Menthol sorgt zunächst für Kühlung. Aufgrund der durchblutungsfördernden Wirkung von Rosmarin und Kampfer durchzieht danach eine wohltuende Wärme das schmerzende Gewebe. Arnika wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend. Außerdem ist die Pferdesalbe gut bei Rückenbeschwerden, Muskelverspannungen und für strapazierte Gelenke. In Anbetracht der Tatsache, dass immer mehr 30- bis 50-Jährige wegen Bewegungsmangel über Schmerzen des Bewegungsapparates klagen, prophezeit Dr. Krause der Gaulssalbe als mildes Mittel eine große Zukunft. Die Salbe wurde entwickelt um, die strapazierten Fesseln und Sehnen von Pferden zu pflegen. Die original Pferdesalbe erhalten Sie rezeptfrei in der Apotheke oder in Läden für Reiterbedarf.