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Turbo-Kurzschlaf: Tanken Sie in der Mittagspause Kraft im Schlaf

Winston Churchill tat es, Konrad Adenauer auch, ebenso Napoleon, Albert Einstein und Salvador Dalí, um nur einige wenige zu nennen – sie alle legten sich gerne und aus Überzeugung über Mittag aufs Ohr. In den USA und langsam auch in Europa entdeckt man die alte Tradition des Mittagsschlafes neu.

In unserer hektischen und stressanfälligen Arbeitswelt kommen die Phasen der Erholung oft zu kurz. Für erholsame sieben bis acht Stunden Schlaf bleibt oftmals keine Zeit. Dabei kann ein Schlafdefizit verheerende Folgen haben. Eine einzige durchwachte Nacht verlangsamt die Reaktion wie 0,8 bis 1,0 Promille Alkohol im Blut, auch wenn Sie keinen Tropfen getrunken haben. Dabei würden nur 10 bis 20 Minuten Mittagsschlaf genügen, um Körper und Geist zu regenerieren.

Churchill verteidigte sein mittägliches Schlafritual einmal folgendermaßen: „Zwischen Mittagessen und Abendessen muss man schlafen ( …), denken Sie bloß nicht, dass Sie weniger Arbeit schaffen, wenn Sie am Tag schlafen. Das ist eine dumme Idee von Leuten ohne Vorstellungsvermögen. Sie werden sogar mehr bewerkstelligen. Sie bekommen zwei Tage in einem – nun, mindestens eineinhalb, da bin ich mir sicher.“

Die Ansicht, dass der Mensch nur eine Schlafphase habe, und zwar nachts, ist mittlerweile überholt. Neben dieser Hauptschlafphase lässt sich über Messungen der Gehirnströme eine zweite Schlafphase feststellen: Zwischen ein und zwei Uhr nachmittags hat der Mensch mit natürlichem Biorhythmus einen starken Hang zum Schlummern. Einbuchtungen im Wellenmuster dieser Ströme machen deutlich, dass die Testperson ein Mützchen Schlaf vertragen könnte. In dieser Phase arbeitet der Körper im Erholungs-Modus: Eine Verringerung der Leistungsfähigkeit, eine größere Fehlerrate, verstärkte Müdigkeit sowie eine Absenkung der Körpertemperatur – unabhängig von einer Mahlzeiteinnahme – sind deutliche Anzeichen, dass der Organismus einen ähnlichen Umstellungsprozess wie in der zweiten Nachthälfte erfährt. Dies spricht für eine Ruhephase.

Es bedeutet nicht, dass der Mensch hier schlafen muss: Je nach Motivation und Umgebungsbedingungen kann dieser Zeitpunkt auch ohne Schlaf überwunden werden. Sie tun sich und Ihrem Körper aber nichts Gutes, wenn Sie die Signale für eine Ruhephase nicht beachten.

Mittlerweile ist nachgewiesen, dass Churchill Recht hatte. Schlaf-Forschungen an der Cornell-Universität bestätigen die Wirksamkeit eines kurzen Nickerchens (neudeutsch: Power Nap). Ein 20-minütiger Kurzschlaf wirke erfrischend, steigere die Konzentration und Motivation und senke die Fehlerquote. Altes werde verarbeitet, dabei entstehen neue Denkmuster. Außerdem verbessere regelmäßiger Mittagsschlaf die Aussichten, Herzbeschwerden und einen Infarkt zu vermeiden. Zwar verträgt sich das Mittagsschläfchen mit dem modernen Arbeitstempo in unserer „beschleunigten Gesellschaft“ nicht ohne Weiteres. Fachleute erklären die zurzeit zu beobachtende Popularität des Mittagsschläfchens aber gerade mit der wachsenden Technologisierung der Arbeitswelt, mit dem gesteigerten Tempo und mit der Zunahme der Reizzufuhr, die der Mensch nur im wirklich wachen Zustand verarbeiten kann.

In Amerika setzt sich daher das Power Napping immer mehr durch. Vorreiter ist in dieser Hinsicht allerdings Asien. In China heißt der Mittagsschlaf Xiu-Xiu und ist gesetzlich in der Verfassung geregelt: Der arbeitende Chinese hat das Recht, sich mittags per Kurzschlaf zu regenerieren. In Deutschland leidet das Mittagsschläfchen aber noch unter einem Imageproblem. Das offizielle Nickerchen wird oft als Zeichen von Schwäche angesehen. Viele Unternehmen sind eher bereit, „Mittagsfehler“ ihrer Angestellten in Kauf zu nehmen, als ihnen ein Schläfchen offiziell zu erlauben oder gar mit entsprechender Infrastruktur zu ermöglichen. Dies heißt aber noch lange nicht, dass in vielen Betrieben nicht doch über Mittag geschlafen wird – die meisten tun es heimlich.

Wichtig für den Power Nap ist zunächst, dass Sie wirklich müde sind. Jeder kennt den Tiefpunkt im Biorhythmus am Nachmittag nach dem Essen – das ist die beste Zeit für eine kurze Schlafpause. Diese Pause sollte zwischen 10 und 30 Minuten dauern. Nach 30 Minuten können Sie schon in die Tiefschlafphase fallen, die den Kreislauf absinken lässt und den erhofften schnellen Erholungseffekt zunichte macht.

Neben der Möglichkeit, sich einen Wecker zu stellen, gibt es den alten Schlüsseltrick, um rechtzeitig vor der Tiefschlafphase wieder aufzuwachen: Sie setzen oder legen sich auf einen Stuhl oder ein Sofa und halten einen Schlüsselbund in der Hand. In dem Moment, wo Sie richtig einschlafen, lässt die Muskelanspannung in der Hand nach und der Schlüssel fällt zu Boden. Ein bisschen Training vorausgesetzt, wachen Sie in diesem Moment auf.

Vorreiter in Sachen Power Nap ist die Stadt Zürich. Dort können müde Arbeitnehmer, die nicht am Arbeitsplatz schlafen dürfen, in einem öffentlichen Ruheraum ihr Mittags-Nickerchen halten. Für acht Franken (ca. 5 €) gibt es dort ein Bett für ein 20-minütiges Mittagsschläfchen. An der Anmeldung erhalten Sie für das Kopfteil ein Frotteetuch. Die Wertsachen können Sie in ein Schließfach legen, die Schuhe ausziehen und dann können Sie sich für 20 Minuten auf eine bequeme, breite Liege legen und dort Kraft und Erholung für den Rest des Tages sammeln. Nach Ablauf der Zeit werden Sie dann von professionellen Betreuern wieder geweckt.

WICHTIG: Der kurze Schlaf tagsüber ist nur eine Ergänzung und keinesfalls ein Ersatz für den nächtlichen Schlaf. Sieben bis acht Stunden sind zu empfehlen, übernächtigte Geister vermag auch ein Power Nap nicht mehr zu wecken. Mehr zum Thema lesen Sie auch hier:

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Alte Kommentare
  • Bettina schrieb am 14.01.2016, 12:05 Uhr

    Toller Beitrag! Ein Powernapping empfinde ich ebenfalls als eine sehr sinnvolle Qualitätspause. Dabei kann ich bestens entspannen und meine Batterien wieder aufladen. Selbst ein festgefahrener Gedanke kann sich in momenten bewusster Ruhe lösen und macht Platz für neue kreative Ideen. Ich bin Mitarbeiterin des jungen Unternehmens SitEmotion, dass derzeit einen MANIOLA entwickelt, der sich ideal für ein Powernapping im Arbeitalltag eignet. Das Besondere dabei: der Nutzer kann sich über die integrierte Fußauflage in eine äußert entspannende Liegeposition begeben und ein erfrischendes Powernapping genießen.