Sonnenbank erhöht Ihr Hautkrebsrisiko und macht Sie süchtig
Warum der regelmäßige Besuch der Sonnenbank so gefährlich ist und welche 5 Tipps Sie beherzigen sollten wenn Sie auf den Solariumsbesuch trotzdem nicht verzichten möchten.
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten zum Thema Krebsrisiko
vom 13. Dezember 2011, 05:00 Uhr
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Die Deutschen sind Europameister im Sonnenbankbaden. Nirgendwo sonst ist die Lust auf die künstliche Sonne aus der Röhre so groß wie unter uns. Doch neue Studiendaten lassen keinen Zweifel: Sonnenbaden im Solarium fördert bösartige Melanome. Die UVA-Strahlung fügt den Hautzellen gefährliche Schäden zu. Zudem macht der Besuch im Solarium süchtig. Strengere Regeln sollen Sie jetzt besser schützen.
Hand aufs Herz: Sind Sie süchtig nach Sonnenbank? Der Gang auf die Bank im Solarium kann süchtig machen, haben amerikanische Forscher erkannt. Die Diagnose heißt Tanorexie und ist als Suchtleiden in der Medizin anerkannt. Die Betroffenen leiden unter einem krankhaft übertriebenen Streben nach ständiger Hautbräune. „Braune Haut" gilt als falsch verstandenes und längst überholtes Merkmal für Attraktivität. Die medizinische Fachzeitschrift „Medical Tribune" rechnete unlängst vor, dass 16 Millionen Deutsche regelmäßig ins Solarium gehen. Eine vorzeitige Hautalterung und ein gesteigertes Krebsrisiko sind die Folge. Jeder vierte bis fünfte Solariumsbesucher leidet unter einer psychosomatischen Störung, diese Ansicht vertrat Prof. Wolfgang Harth vom Vivantes-Klinikum in Berlin-Spandau auf einer Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.
Viele legen sich allzu sorglos unter die Kunstsonne. Die Folgen sind ein unnatürliches viel zu „braunes" Braun, trockene Haut und tief eingegrabene Falten. Ein gesteigertes Risiko für Hautkre,bs gibt es gratis dazu. Obwohl ihre Haut schon sichtbar gelitten hat, legen sich viele Bräunungsfans weiterhin unter die künstliche Sonne. Dieses Verhalten erinnerte die Wissenschaftler von der Universität von Washington an das von Süchtigen. Sie arbeiteten einen standardisierten Fragebogen für Suchtkranke auf Sonnenbaden im Solarium um und gaben ihn an Solariumsanhänger weiter. Das Ergebnis ihrer Umfrage: Die Zahl der vermutlich Bräunungsabhängigen liegt ähnlich hoch wie die der Alkohol- und Zigarettensüchtigen.
Die Strahlung löst besonders bösartigen Hautkrebs aus
Der grassierende Bräunungswahn steht im direkten Zusammenhang mit dem immens vermehrten Auftreten von Hautkrebs, wie Forscher des Londoner King‘s College herausfanden. Schon oberflächliche Rötungen können zu Zellveränderungen führen. Wird eine leicht geschädigte Zelle immer wieder mit UV-Licht konfrontiert, kann sie sich irgendwann nicht mehr selbst reparieren. Die mögliche Folge: Hautkrebs. Dabei bildet sich nicht nur das schwarze Malignom aus, sondern immer häufiger kommt es auch zu Oberhauttumoren wie dem Spinaliom oder dem Basaliom. Dieser weiße Hautkrebs verläuft zwar im Gegensatz zum schwarzen selten tödlich, doch die notwendigen Operationen führen sehr häufig zu schweren Entstellungen - vor allem im Gesichtsbereich.
Zudem wiesen Forscher aus den USA aktuell nach, dass sich die Melanozyten, die Hautzellen, in denen der braune Farbstoff gebildet wird, sich von dem Besonnungsstress der UVA-Strahlen nur sehr schlecht erholen. Bislang wurde das Risiko von den Sonnenbank-Herstellern und Solariumsbetreibern immer mit dem Argument heruntergespielt, dass die Solarien mit UVA-Strahlen arbeiten, für die Haut aber die UVB-Strahlen gefährlich seien. Ein australisches Wissenschaftler-Team fand heraus, dass sich das Hautkrebs-Risiko durch UVA-Strahlung bereits nach 10 Solariumsbesuchen verdoppelt. Ein noch höheres Risiko besteht für diejenigen, die sich in jungen Jahren erstmals auf die Sonnenbank gelegt haben. Eine große Studienauswertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung, einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO, ergab: Diejenigen, die schon vor dem 35. Lebensjahr regelmäßig ins Sonnenstudio gehen, haben ein um 70 Prozent höheres Hautkrebsrisiko als Nichtnutzer.
Dermatologen, das Bundesamt für Strahlenschutz und die WHO schlagen Alarm
Seit einiger Zeit dürfen deshalb aufgrund einer gesetzlichen Neuregelung nur noch Volljährige in einem Solarium sonnenbaden. Eine ergänzende Verordnung tritt im nächsten Jahr in Kraft: Münzautomaten werden danach verboten, weil es hier keine Beratung und keine Ansprechpartner für den Notfall gibt, und die fachliche Qualifikation des Personals in den Sonnenstudios wird verbindlich festgelegt. Denn weitere Untersuchungen zeigten, dass in den Einrichtungen auch schlampig gearbeitet wird: Beispielsweise werden Röhren einfach gegen stärker strahlende ausgetauscht, Mindestabstände werden nicht eingehalten, mit der Hygiene wird es nicht so genau genommen oder es liegen nicht genügend Schutzbrillen aus.
Meine 5 Tipps für alle, die auf die Kunstsonne nicht verzichten wollen:
Gehen Sie nur in zertifizierte Studios: Das Bundesamt für Strahlenschutz vergibt dieses Zertifikat an Studios, die nachgewiesen haben, dass sie geschultes Personal beschäftigen, welches die Besucher kompetent beraten kann. Die Geräte müssen bestimmten Standards genügen, regelmäßig gewartet und gesäubert werden. Ebenso muss die Hygiene im Sonnenstudio stimmen.
Fragen Sie nach dem Alter der Geräte: Nach einer EU-Bestimmung müssen neue Geräte auf 0,3 Watt Bestrahlungsstärke pro Quadratmeter begrenzt werden. Diese Geräte sind entsprechend gekennzeichnet. Eine Regelung für ältere Gerate steht noch aus.
Gehen Sie niemals ohne Augenschutz auf die Sonnenbank: Die Strahlen können Ihre Augen schädigen, etwa indem sie Entzündungen oder Linsentrübungen auslösen. Sonnenstudios, die nicht automatisch Schutzbrillen vergeben, sollten Sie unbedingt meiden.
Befragen Sie zunächst Ihren Arzt: Wenn Sie unter Hautkrankheiten leiden oder Medikamente einnehmen, sollten Sie sich vorher mit Ihrem Arzt besprechen. Bei einer Schuppenflechte oder Neurodermitis kann der Besuch eines Solarium sogar sinnvoll sein.
Verwenden Sie keine Kosmetika: Entfernen Sie alle Kosmetika und Parfums am besten schon einige Stunden vor dem Sonnenbaden. Benutzen Sie im Solarium kein Sonnenschutzmittel.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Alexander Beck (12.01. 2012 18:11 Uhr):
Das mit den Zahlen leuchtet mir nicht so ganz ein, es steht dort, dass man schon nach 10 Besuchen ein doppelt so hohes risiko hat, was ja einer Risikoerhöhung von 100% entspricht. Dann weiter heißt es, wer die sonnenbank schon bevor er 35 jahre alt ist, hat ein !!!noch höheres!!!! Risiko, nämlich um 75% erhöht gegenüber Nichtbenutzern. ääähhmmm um 75 % höher ist aber weniger als doppelt so hoch, oder täusch ich mich da??? danke für klarstellungen
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