So werden Sie Nackenschmerzen schnell und dauerhaft los
Dr. Dietmar Kowertz in Täglich Gesund zum Thema Nackenschmerzen
vom 5. Februar 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
Unsere Hals- und Nackenmuskulatur nebst den dazugehörigen Knochen und Gelenken sind starken Belastungen ausgesetzt. Sie müssen nicht nur den verhältnismäßig schweren Kopf halten und bewegen, sondern sind auch an fast allen Bewegungen unseres Oberkörpers beteiligt. Nackenschmerzen haben ihre Ursache oft in Belastungssituationen, die durch Überanstrengung der Muskeln, etwa beim Heben eines schweren Gegenstandes, durch unnatürliche Haltung, durch ständig wiederkehrende Bewegungen des Kopfes und nicht zuletzt durch das nach Unfällen häufig auftretende Schleudertrauma, hervorgerufen werden. Darüber hinaus können aber auch Muskelverspannungen, Knochenveränderungen sowie Schulter- oder Ellbogenverletzungen bis hin zu Gallenblasenerkrankungen die Auslöser sein.
Die gute Nachricht: Da Nackenschmerzen häufig mit Muskelentzündungen einhergehen, können Sie sie erfolgreich selbst behandeln. Selbst chronische Schmerzen können Sie lindern - oder vorbeugen -, und zwar mit einfachen Bewegungsübungen. Doch Vorsicht: Nicht alle Ursachen lassen sich auf diese Weise beheben!
Schnelle Selbsthilfe bei akuten Nackenschmerzen
- Sofort mit Eis kühlen. Entzündungen und Schmerzen lassen durch Kühlen am schnellsten nach. Geben Sie eine Hand voll Eiswürfel in eine Plastiktüte, umwickeln Sie diese mit einem Küchenhandtuch und legen Sie die Packung 20 Minuten lang auf die schmerzende Stelle. Bei anhaltenden Schmerzen einmal pro Stunde wiederholen. Achtung: Wärme (z.B. Rotlicht) sollten Sie nicht anwenden, sie würde zwar die Versteifung der Muskeln lösen, kann aber die Entzündung und damit die Schmerzen verstärken!
- Muskeln strecken. Gegen Nackenschmerzen, die von Fehlhaltungen herrühren (sitzende Tätigkeit, Telefonieren), sollten Sie Folgendes ausprobieren: Beugen Sie Ihren Kopf im Stehen oder Sitzen langsam in Richtung rechte Schulter. Stoppen Sie, sobald der Schmerz zu heftig wird. Halten Sie diese Position einige Sekunden und richten Sie den Kopf wieder auf. Dann den Kopf in Richtung linke Schulter beugen. Wenn möglich, acht- bis zwölfmal wiederholen, fünfmal täglich üben. Sie können die Übung auch abwandeln, indem Sie versuchen, Ihr Kinn in Richtung Schultern zu drehen.
- Schmerzmittel. Frei verkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen (z.B. von Togal) und Naproxen (z.B. von Stada) lindern sowohl Muskelschmerzen als auch -entzündungen. Während die Wirkung von Ibuprofen etwa vier bis sechs Stunden andauert, hält Naproxen acht bis zwölf Stunden vor. Achtung: Beide Schmerzmittel verursachen Nebenwirkungen (können z.B. auf den Magen schlagen). Nehmen Sie sie keinesfalls länger als eine Woche ein!
- Akupunktur hat sich bei Nackenschmerzen ebenfalls als sehr hilfreich und wirksam erwiesen. Wichtig: Die Behandlung muss so lange erfolgen, bis die Schmerzen vollständig verschwunden sind. Auch eine chiropraktische Therapie kann helfen, aber deren Effekt ist meist nur von kurzer Dauer und muss daher entsprechend oft - am besten mit zusätzlicher Massage - wiederholt werden.
Was Sie vorbeugend gegen Nackenschmerzen tun können
Den meisten Menschen mit Nackenschmerzen helfen ein paar einfache Regeln und Übungen, die die Nackenmuskulatur kräftigen und Fehlhaltungen vermeiden helfen.
Achten Sie auf Ihre Schlafposition. Liegen Sie nach Möglichkeit nicht auf dem Bauch. Ihr Kopf wird dabei nämlich unnatürlich abgewinkelt. Ebenso schädlich für die Nackenmuskulatur ist ein zu dickes Kopfkissen. Das Kissen sollte Ihren Kopf nicht höher als ca. 10 Zentimeter über dem Matratzenniveau lagern.
Tagsüber. Wenn Sie viel telefonieren: Klemmen Sie den Hörer nie zwischen Kopf und Schulter ein! Am besten ist ein Headset, also eine Sprechvorrichtung, die mit einem Bügel am Kopf getragen wird (ab ca. 20 Euro, z.B. von Callstel, im Elektronik-Fachhandel oder in Media-Häusern). Auch die Lauthörvorrichtung Ihres Telefons können Sie benutzen.
Wenn Sie viel am PC sitzen: Kontrollieren Sie Ihre Sitzposition. Der Mittelpunkt Ihres Monitors sollte maximal auf Augenhöhe, besser etwas darunter sein. Ihre Knie sollten etwas niedriger als Ihre Hüften positioniert sein. Bevorzugen Sie einen Schreibtischsessel mit Armlehnen, um Ihre Schultern zu entlasten. Wechseln Sie regelmäßig die Sitzposition.