So überlisten Sie die Hausstaubmilben
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 15. März 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Hausstaubmilben sind kleine Spinnentierchen, die gerade einmal 0,2 bis 0,3 mm groß sind. Sie übertragen keine Krankheiten, deshalb stellen sie eigentlich kein Problem dar. Allerdings können durch die winzigen eiweißhaltigen Kotballen, die sich mit dem Hausstaub vermischen und dann von uns Menschen eingeatmet werden, heftige allergische Reaktionen ausgelöst werden.
Achtung: Nicht die Milben an sich und auch nicht der Hausstaub, sondern die Ausscheidungen der Milben verursachen die sogenannte Hausstaubmilbenallergie. Optimale Lebensbedingungen finden die Milben bei ca. 25 Grad Celsius in Kombination mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Deshalb siedeln diese Tierchen so gerne in der Matratze in Ihrem Bett - und das dann direkt zu vielen Tausenden. Die besten Jahreszeiten für die Milben sind der Beginn und das Ende der Heizperiode mit warmer und feuchter Witterung.
Diese Beschwerden sind typisch bei der Hausstauballergie
Ausgelöst durch die Eiweißstoffe im Kot der Milben, kommt es zu den typischen allergischen Symptomen, die meist nachts oder morgens beim Aufwachen sowie beim Bettenmachen auftreten:
- verstopfte Nase, selten auch einmal Nasenlaufen und Schnupfen
- Niesattacken
- gereizte, gerötete, juckende und tränende Augen
- Asthma-Beschwerden
- Atemnot
- Verschlimmerung von Hautekzemen besonders bei Kindern
Hier heißt es: Sofort zum Arzt!
Bei anfallsartiger Atemnot und asthmaähnlichen Beschwerden mit Husten müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Im Notfall wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder eine dienstbereite Notfallpraxis, im Extremfall an den Rettungsdienst der Feuerwehr unter der einheitlichen Telefonnummer 112.
Bei Verdacht auf eine Allergie: Lassen Sie sich testen
Stoffe, auf die Sie allergisch reagieren können, gibt es viele, und die Beschwerden sind oft sehr ähnlich. Anhand von Hauttests und Blutuntersuchungen kann Ihr Arzt jedoch die Verdachtsdiagnose auf eine Hausstaubmilbenallergie bestätigen.
Es gibt verschiedene Medikamente, die eine allergische Reaktion bei Ihnen unterdrücken können. Sie können auch eine so genannte Hyposensibilisierungstherapie beginnen, die Jahre dauert und bei der Sie in regelmäßigen Abständen Spritzen unter die Haut bzw. Tropfen unter die Zunge bekommen, die in ansteigenden Konzentrationen das Allergen enthalten. Ob diese Therapie bei Ihnen sinnvoll ist, muss im Einzelfall Ihr Arzt im Gespräch mit Ihnen entscheiden.
12 wirksame Tipps im Kampf gegen die Milben
Ganz aus Ihrem Alltag und Ihrem Haushalt entfernen können Sie die Milben nicht. Sie können aber versuchen, durch folgende Maßnahmen wenigstens ihre Anzahl zu verringern.
- Überziehen Sie Ihre Matratze und Ihr Bettzeug mit milbenundurchlässigen Bezügen. Dadurch können Sie die Milben und Ihre Ausscheidungen von sich fern halten. Solche Bezüge erhalten Sie in Fachgeschäften.
- Waschen Sie Ihre Bettwäsche häufig, und zwar bei mindestens 60 Grad, dann werden die Milben abgetötet.
- Richten Sie Ihre Wohnung mit möglichst wenig Polstermöbeln ein. Verzichten Sie auf Kissen und unnötige Plüschdekorationen.
- Entfernen Sie Staubsammler wie Trockenblumen und Kuscheltiere.
- Versuchen Sie auch, mit möglichst wenig Teppichen und Gardinen auszukommen. Die vorhandenen „Unverzichtbaren" sollten Sie häufig waschen oder reinigen lassen.
- Beim Putzen sollten Sie keinen Staubwedel verwenden, sondern die Böden und Möbel mit einem feuchten Lappen reinigen.
- Lüften Sie täglich, die kleinen Untermieter mögen keine Kälte.
- Vermeiden Sie es, Ihre Räume zu überheizen, 20 Grad sollten ausreichend sein.
- Lassen Sie die Finger von Luftbefeuchtern. Diese schaffen optimale Bedingungen für die Hausstaubmilben.
- Matratzen und Polstermöbel können Sie mit Pestiziden besprühen (auch auch auf pflanzlicher Basis z. B. mit Nienbaumsamenextrakt erhältlich).
- Es gibt spezielle Luftfiltersysteme und Staubsauger, die allerdings sehr kostspielig sind. Sie sollen die Staubmenge deutlich reduzieren.
- Tierhaltung führt zu einer Vermehrung der Hausstaubmilben. Also: Sind Sie Hausstauballergiker, verzichten Sie besser auf Waldi und Miezi, auch wenn das im Einzelfall schwierig sein sollte, denn in einem Allergikerhaushalt haben Tiere nichts zu suchen.
Übrigens: Ab 1.600 Meter Höhe gibt es die Hausstaubmilbe nicht mehr. Gönnen Sie sich daher häufiger einen allergiefreien Urlaub in den Bergen.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Andrea Karsten (15.03. 2010 19:52 Uhr):
Um die Hausstaubmilbenallergie wirksam zu bekämpfen ist es wichtig den Lebenszyklus der Hausstaubmilben - HSM zu verstehen. Sie sind überall – es ist unmöglich sie total aus der Umwelt/ Wohnung zu vertreiben. Wichtig ist für Allergiker die Lebensbedingungen der Hausstaubmilben so zu gestalten, daß sie keine idealen Zustände antreffen und sich nur so gering wie möglich vermehren. Wie in ihrem Artikel erwähnt bieten Betten die ideale Lebensbedingungen für die HSM. HSM brauchen Wärme, 20-30ºC, eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 65-80% und die Anwesenheit von Schimmel und Nahrung. Hausstaubmilben ernähren sich von Schimmel, der mikroskopisch klein auf menschlichen, auch tierischen – falls Sie Haustiere haben, Hautschuppen wächst. Jeder Mensch verliert täglich ca. ein Gramm Hautschuppen – dies genügt ca. eine Million HSM zu ernähren. Die Hautschuppen können von den HSM nicht direkt verdaut werden, der hohe Fettgehalt ist giftig für sie. Als ihren Anteil dieser symbiotischen Beziehung transportieren die HSM die Schimmelsporen zu geeigneten Keimplätzen. Die meisten Ihrer Tips zur Vermeidung machen Sinn, aber milbenundurchlässige Bezüge schützen eher die Matratze / Bettzeug vor den Milben als Sie, den Schläfer. Außerdem tragen sie oft dazu bei, daß die Matratze und das Bettzeug nicht richtig atmen können und sich Feuchtigkeit und Wärme staut, was wiederum die idealen Bedingungen für eine Vermehrung der Hausstaubmilbe schafft. Es macht erheblich mehr Sinn atmungsaktive Matratzenbezüge und Bettzeug kein Polyester zu wählen, damit ein trockenens Schlafkllima gewährleistet ist. Tagsüber sollte die Bettdecke zurückgeschlagen bleiben, damit alles gut lüften kann, also nicht gleich nach dem Aufstehen das Bett machen. Wenn möglich ab und zu mal das Bettzeug in der Sonne draußen gut lüften lassen, wie Oma früher. Beim Staubsaugen auch die Matratze regelmäßig saugen einen Hepa Filter verwenden. Formstabile Kissen wählen, die nicht jeden Tag aufgeschüttelt werden müssen – so gelangt das Allergen in die Atemluft. Sources: Universät Berlin, Universitätsklinik Benjamin Franklin, Institut für klinische Physiologie, Pathophysiological seminar WS 00/01 Lungen- und Bronchialheilkunde , Bochum, Drs. Querfurt, Otto, Hoster I.G.A.V.Interessengemeinschaft Allergenvermeidung;
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