So legen Sie Ihren inneren Schweinehund an die Leine
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 11.09.2007 05:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leser,
Wellness ist etwas für Weicheier, meint mein Kumpel Jürgen. Er ist ein begnadeter Bierglas-Stemmer und kennt sich bestens aus in allen Sportarten. Die Tour de France schreckt ihn selbst trotz Doping nicht. Die Formel 1 ist sein Zuhause. Da kann ihm keiner was. Allerdings ist Jürgen das, was bei uns in Norddeutschland ein „Schnacker“ genannt wird. Ein Stammtischsportler. Jürgen bringt gut und gerne 120 Kilo auf die Waage. Natürlich weiß er, dass körperliches Wohlbefinden gerade etwas für ganze Kerle ist. Klar weiß er auch, dass man dafür etwas tun muss, dass man sich einen Waschbrettbauch nicht vor dem Flachbildschirm holt. Doch er leidet unter schwerer Aufschieberitis. Immer wieder, wenn er sich etwas mehr bewegen will, zieht sein innerer Schweinehund ihn wieder auf die Relax-Liege zurück.
Des Mannes Wege zur Fitness sind wundersam. Jeder muss seinen eigenen finden. Doch die gute Nachricht: Es kommen beileibe nicht nur die Harten in den Garten. Für Ihre Gesundheit müssen Sie weit weniger tun, als Sie womöglich glauben. Bereits sanfte Bewegung macht Sie rundum fit und schenkt Ihnen neue Power. Weniger relaxen, mehr bewegen, lautet die Parole. Bei der schwierigsten Übung helfe ich Ihnen: Den inneren Schweinehund zu überwinden. Und das rechtzeitig vor der Stubenhocker-Saison!
Kennen Sie den Lieblingssatz des gemeinen inneren Schweinehundes? Mit „Ich würde mich ja gerne mehr bewegen, aber ...“ meldet er sich zu Wort, wenn er Sie davon abhalten will, sich regelmäßig zu bewegen. Das sind seine weiteren Lieblingsausreden:
Ich habe keine Zeit!
Das ist Quatsch, weil Sport Ihnen Zeit schenkt, denn Sie werden ausgeglichener, leistungsfähiger und können konzentrierter arbeiten. Fangen Sie einfach mit dem Anfang an: Nehmen Sie sich ein Wochenende vor, an dem Sie einen ausgedehnten Spaziergang von mindestens 2 Stunden machen, eine Runde mit dem Rad fahren oder ins Schwimmbad gehen. Wenn Sie dann auf den Geschmack gekommen sind, fällt es Ihnen leichter, morgens eine Stunde früher aufzustehen, um zu laufen, Gymnastik zu machen oder im Schwimmbad Ihre Runden zu drehen.
Ich renne doch sowieso schon den ganzen Tag herum!
Das reicht nicht. Zwar kann ein hektischer Alltag Sie auf Trab halten, doch diese Form der Bewegung reicht nicht aus, um Sie gesund und munter zu halten. Suchen Sie sich eine Sportart, die Ihren Alltag ergänzt und ausgleicht. Denn alle Muskeln brauchen ihre gezielte Ansprache. Wohl ist auch Gartenarbeit wie Graben, Rasenmähen oder Heckenschneiden und Hausarbeit wie Hoffegen, Schneeräumen, Fensterputzen, Streichen oder Tapezieren eine körperliche Ertüchtigung und nicht zu gering einzuschätzen. Sie brauchen jedoch zusätzlich etwas gezielte Ausgleichsbewegung wie Laufen, Schwimmen oder Tanzen.
Ich kann mich nicht aufraffen!
Sport schenkt Ihnen Energie und nimmt sie Ihnen nicht. Nach dem Training fühlen Sie sich vitaler und werden sich auch zu anderen Dingen viel eher aufraffen können. Wenig Bewegung ist immer noch besser als gar keine. Schaffen Sie sich Rituale, die Ihnen das Aufraffen leichter machen. Kommen Sie vielleicht eher in Schwung, wenn Sie mit anderen zusammen trainieren?
Ich sehe doch sowieso keine Ergebnisse!
Sie unterliegen wahrscheinlich dem Irrglauben, dass einmal Sporttreiben schon ausreicht, um einen Traumbody zu bekommen. Was Sie stattdessen bekommen, ist Frust. Schrauben Sie Ihre Ansprüche herunter und machen Sie sich klar, dass es vor allem darum geht, regelmäßig in Bewegung zu kommen. Es ist gefährlich, gleich mit zu hohen Zielen und zu hohen Erwartungen an den Sport heranzugehen. Fangen Sie mit leichten Übungen an und steigern Sie sich langsam. Das Wichtigste sind nicht die Ergebnisse, die Sie gleich sehen wollen, sondern dass Sie an der Bewegung Spaß haben und sich rundum besser fühlen.
Also dann: Auf geht‘s! Und wenn Sie meinen Kumpel Jürgen treffen, sagen Sie ihm: Es funktioniert!
Ihr
Helmut Erb