So lässt sich das Risiko des Delirium nach einer Operation reduzieren
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund zum Thema Akutes Delirium
vom 19. Juli 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Verwirrtheit, Schlafprobleme, Störungen des Bewusstseins, der Aufmerksamkeit und des Wahrnehmens - so lauten die zentralen Symptome eines Deliriums, das häufig bei älteren Erwachsenen nach einem größeren operativen Eingriff auftreten kann. Auch wenn ein postoperatives Delirium in der Regel innerhalb von ein paar Tagen wieder verschwindet, kann es die Genesung nach einer Operation erheblich verlangsamen. Nach Schätzungen sind 15 Prozent bis 50 Prozent der Patienten von einem postoperativem Delirium betroffen.
Eine vor kurzem durchgeführte Studie kommt nun zu folgendem Ergebnis: Durch eine Anpassung der Narkose kann das Risiko eines postoperativen Deliriums in einem bestimmten Verfahren um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Die Studie wurde vor wenigen Wochen in einer Ausgabe des wissenschaftlichen Fachmagazins Mayo Clinic Proceedings veröffentlicht. An der Studie nahmen 114 Erwachsene über 65 Jahre oder älter teil, die sich nach einer Hüftfraktur einem größeren operativen Eingriff unterzogen hatten. Keiner der untersuchten Studienteilnehmer hatte vor der Operation ein Delirium oder schwere Wahrnehmungsstörungen.
Bei etwa der Hälfte der Patienten wurde im Rahmen der Narkose ein Spinalblock durchgeführt. Dabei werden mithilfe eines üblichen Betäubungsmittels vorübergehend die Nervenimpulse von der Hüfte abwärts unterbrochen, so dass der Patient von den Zehen bis zur Hüfte gefühllos und schmerzfrei ist. Die andere Hälfte der in der Studie untersuchten Patienten erhielt ebenfalls eine Spinalanästhesie, allerdings war die Dosis des eingesetzten Betäubungsmittels niedriger.
Nach der Operation erhielten beide Gruppen dieselben Medikamente, um postoperative Schmerzen zu kontrollieren. Zu diesen Medikamenten gehörten auch Opiate, die bekannt dafür sind, das Risiko eines Deliriums zu erhöhen. Der Vergleich beider Gruppen nach der Operation brachte folgendes Ergebnis: 40 Prozent der Patienten, die eine höhere Dosis Betäubungsmittel erhielten, hatten ein postoperatives Delirium, während nur 19 Prozent der Patienten in der Gruppe mit dem niedriger dosierten Betäubungsmittel nach der Operation unter einem Delirium zu leiden hatten.
Nach dem Ergebnis dieser Studie kommen die Anästhesisten der Mayo Clinic zu folgendem Schluss: Geringere Dosen an Betäubungsmitteln können das Risiko eines postoperativen Deliriums bei den Menschen senken, die eine Spinalanästhesie zur Schmerzvorbeugung während der Operation erhalten haben.