So hilft Ihnen die Medizin bei Inkontinenz
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten zum Thema Inkontinenz
vom 15. Juni 2011, 09:26 Uhr
GNL5356
In der Schulmedizin wird die Harninkontinenz zumeist durch Medikamente und Operationen bekämpft. Auf Arzneien spricht vor allem die sogenannte Dranginkontinenz an. Hier kommen Anticholinergika zum Einsatz, die die überempfindliche Blasenmuskulatur beruhigen sollen. Leider klagen viele Frauen über Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Mundtrockenheit. Man hofft, dass verbesserte Präparate hier Abhilfe schaffen können. Zudem ist bei den Medikamenten zwar eine Besserung der Symptome zu erwarten, jedoch keine Heilung. Frauen in den Wechseljahren machen gelegentlich gute Erfahrungen mit östrogenhaltigen Scheidencremes und Zäpfchen. Wesentlich sinnvoller ist ein gezieltes Training Ihres Beckenbodens, wie ich es Ihnen gestern beschrieben habe - das ist auch die beste Form der Vorsorge.
Bei einer Operation werden unter Vollnarkose die Bindegewebsstrukturen des Beckenbodens angehoben, die dann den Blasenhals stabilisieren. Diese Operation ist mit einem Bauchschnitt oberhalb des Schambeins sowie einem etwa einwöchigen Klinikaufenthalt verbunden und hilft nur bei einer Stressinkontinenz. Die sogenannte TVT-Operation ist ebenfalls nur bei Stressinkontinenz geeignet. Sie gilt als einfacher und schonender. Von der Scheide aus wird unter Lokalanästhesie eine spannungsfreie Schlinge U-förmig um die Harnröhre gelegt. So wird die Harnröhre gestützt. Dann wird die Schlinge so justiert, dass kein Harn mehr abgeht, wenn Sie husten. In das Band können Bindegewebszellen einwachsen und nachfolgend für eine natürliche Stabilisierung sorgen. Der Eingriff ist minimal-invasiv und dauert etwa eine halbe Stunde. Leider kommt es in 10 bis 30 Prozent der Fälle zu einem verstärkten Harndrang, der medikamentös behandelt werden muss.