So finden Sie einen guten Arzt für Naturheilverfahren
Sylvia Schneider in Täglich Gesund
vom 20. Oktober 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Möglichst natürlich behandelt zu werden, ist heute der Wunsch der meisten Frauen. Dabei müssen Sie unterscheiden einerseits zwischen einem Hausarzt, der zusätzlich zu den schulmedizinischen Möglichkeiten auch natürliche Alternativen im Blick hat. Andererseits einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung Naturheilkunde, der dabei ganzheitlich vor geht. Er darf jedoch seinem ärztlichen Berufsethos folgend auch keine unplausibeln und obskuren Methoden empfehlen oder anwenden.
Auch Heilpraktiker gehen bei ihrer Behandlung ganzheitlich vor und verwenden alternative Methoden. Ihre medizinischen Grundkenntnisse sind oft geringer, da sie im Gegensatz zum Arzt lediglich drei Jahre lang ausgebildet werden. Viele wirksame Behandlungsverfahren dürfen Heilpraktiker deshalb nicht durchführen.
Die Schulmedizin bewertet Krankheiten anhand bestimmter messbarer Kriterien, etwa Laborwerte (zum Beispiel Rheumafaktoren, Tumormarker oder Blutfettwerte), oder von Erkenntnissen durch bildgebende Verfahren (zum Beispiel Röntgen oder Computertomografie), die aufgrund der bestehenden Beschwerden erhoben werden. Danach richtet sich dann die Therapie. Diese soll schulmedizinischen Richtlinien folgen. Das bedeutet: Patienten mit den gleichen Krankheiten werden auch gleich behandelt. Die Naturheilkunde betrachtet hingegen erst einmal den betreffenden Menschen als Individuum.
Die medizinische Diagnose allein bestimmt nicht die Therapie. Entscheidend ist darüber hinaus auch die Einschätzung des ganzen Menschen. Dafür benötigt der Arzt für Naturheilkunde eine spezielle Ausbildung und im Idealfall viel Erfahrung. Auch sammelt er wesentlich mehr Informationen über Sie als Patientin.
Viele unseriöse „Anbieter" von Naturheilverfahren tummeln sich am Markt
Naturheilverfahren, Komplementärmedizin und Ganzheitsmedizin sind keine geschützten Begriffe. Das öffnet unseriösen Anbietern von Naturheilverfahren Tür und Tor. Und das kann schnell gefährlich werden. Deshalb sollten Sie Ihren Naturheilkundler tatsächlich mit Sorgfalt auswählen. Ein naturheilkundlich tätiger Arzt ist von Haus aus meist ein praktischer Arzt, ein Facharzt für Allgemeinmedizin, oder ein Internist. Nur selten ist er ein Facharzt für eine andere medizinische Teildisziplin wie Kardiologie oder Orthopädie. Im Verlauf ihrer Arbeit finden die meisten jedoch fast immer noch einen Schwerpunkt, etwa Traditionelle Chinesische Medizin, Homöopathie oder Anthroposophische Medizin. Denn wichtig ist es, dass der Arzt die Verfahren, die er Ihnen anbietet, auch wirklich beherrscht.
Wenn ein Arzt auf sein Praxisschild „Naturheilverfahren" schreibt, dann muss dies den ärztlichen Verordnungen entsprechen. Der Arzt muss einen Facharzt haben und an verschiedenen Kursen über Naturheilweisen beziehungsweise diversen Weiterbildungen teilgenommen haben. Erst dann bekommt er von der Ärztekammer die Erlaubnis, den Zusatz zu seinem Titel zu verwenden.
In der ganzheitlichen Medizin ist Ihre aktive Mitarbeit gefragt
Die Suche nach Ärzten, die Naturheilverfahren und andere alternative Heilverfahren anbieten, gestaltet sich in der Regel nicht ganz einfach. Die Fachverbände der Ärzte geben zwar Adressenlisten heraus, doch die Güte des Arztes und die persönliche Sympathie erfahren Sie daraus natürlich nicht. Es gibt aber naturheilkundliche Berufsverbände wie den Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e. V. (ZAEN) oder die Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde (EHK). Hier erhalten Sie Adressen von Therapeuten in Ihrer Nähe. In beiden Berufsverbänden haben sich insgesamt ca. 20.000 Ärzte und Ärztinnen zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist die Weiterbildung von Ärzten auf den Gebieten der Naturheilverfahren. Sie werden bei der Weiterentwicklung des Ausbildungsstandards für Deutschland von der Bundesärztekammer angehört.
Für Sie bedeutet die Zusammenarbeit mit einem naturheilkundlich tätigen Arzt in der Regel mehr Einsatz als bei einem ausschließlich schulmedizinisch ausgerichteten Arzt. Sie müssen aktiv mithelfen, Ihre Selbstheilung zu fördern. Das heißt in den meisten Fällen auch, dass Sie einen Teil Ihrer Lebensführung ändern müssen. Nur so können Sie mit Hilfe eines guten Arztes Ihre inneren Heilkräfte wirklich mobilisieren.
Leider erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für naturheilkundliche Verfahren nur in Ausnahmefällen. Deshalb sollten Sie an den Abschluss einer entsprechenden Zusatzversicherung denken.