So beugen Sie gefährlichen Durchblutungsstörungen vor
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 16. Februar 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Schaufensterkrankheit" oder auch „Raucherbein" wird sie im Volksmund genannt, die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz: paVK. In Deutschland leiden etwa 20 Prozent der älteren Bevölkerung über 60 Jahre an einer solchen Gefäßerkrankung. Zu den Leitsymptomen zählen Schmerzen in den Beinen, vor allen Dingen beim Gehen. Das klingt zunächst wenig dramatisch. In ihrem weiteren Verlauf führt diese Erkrankung aber bei 30.000 Menschen jährlich in Deutschland zu einer Amputation.
Nach Meinung von Experten könnte ein rechtzeitiges Erkennen und Behandeln drei Viertel der Betroffenen vor diesem Schicksal bewahren. 50 Prozent aller Erkrankten versterben in den ersten zehn Jahren nach der Diagnosestellung, denn diese Gefäßveränderungen betreffen oft nicht nur die Beine. Gehäuft kommt es zu Schlaganfällen und Herzinfarkten.
Arteriosklerose ist fast immer die Ursache der paVK
In über 95 Prozent der Fälle ist eine Arteriosklerose, eine Gefäßverkalkung, die Ursache einer peripheren Durchblutungsstörung. Fettsubstanzen lagern sich hierbei an und in den Gefäßwänden ab. Später kommen regelrechte Kalkauflagerungen hinzu. Diese Einengungen in den Gefäßen werden durch mehrere Faktoren gefördert:
- 90 Prozent der Gefäßpatienten sind Raucher, die dreimal so häufig Durchblutungsstörungen wie Nichtraucher bekommen.
- Bluthochdruck fördert die Verkalkung der Gefäße.
- Gleiches gilt für den Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit.
- Auch ein erhöhter Cholesterin- und Triglyceridspiegel zählt zu den Ursachen der Arteriosklerose.
Selten führen Entzündungen der inneren Gefäßhaut oder Funktionsstörungen der Gefäßmuskulatur zu Beschwerden wie bei einer Arteriosklerose.
Erste Anzeichen der Gefäßverkalkung
Als erstes Anzeichen bemerken Sie Schmerzen bei Belastung, d. h. beim Gehen. Schmerzen im Unterschenkel werden durch Verengungen der Gefäße im Oberschenkel verursacht. Sie werden dadurch gezwungen, immer wieder stehen zu bleiben, so als ob Sie von einem Schaufenster zum nächsten bummeln würden. Daher kommt auch der Name „Schaufensterkrankheit". Je nach Ort der Arterienverengung kann der Schmerz natürlich auch im Oberschenkel oder im Hüft- und Beckenbereich sitzen. Häufig sind auch Füße und Zehen, die zunehmend kalt und empfindungslos werden, Anzeichen von Gefäßverkalkungen.
Akuter Verschluss: Ein absoluter Notfall
Beim akuten Verschluss, einer plötzlichen Verstopfung einer Beinarterie durch ein Blutgerinnsel (Embolie), kommt es zu einem sehr heftigen Schmerz verbunden mit Kältegefühl und Taubheit der Haut. Der Puls ist an dem betroffenen Bein nicht mehr vorhanden. Der Betroffene kann einen Schock entwickeln. Hier heißt es: Rasch handeln und einen Notarzt alarmieren. Der Kranke gehört sofort in eine Klinik.
Das A und O: Die Bekämpfung der Ursachen
Die Basis der paVK-Therapie und der Vorbeugung ist die Bekämpfung der Ursachen. Hier können Sie selbst viel mithelfen. Aber beziehen Sie auch Ihre Angehörigen ein. Denn oft ist es ja der Partner, der für Sie einkauft oder kocht und der auch Ihre Freizeitgestaltung akzeptieren muss. Optimal wäre es, wenn er oder sie bei der Ursachenbekämpfung sogar aktiv mitmachen würde!
- Versuchen Sie, mit dem Rauchen aufzuhören. Tabakgenuss ist teuer, ungesund für Sie und Ihre Mitmenschen sowie außerdem inzwischen an vielen Orten verboten - Grund genug, damit aufzuhören.
- Achten Sie auf regelmäßige Bewegung. Gehen Sie täglich spazieren, fahren Sie Rad, treten Sie einem Sportverein bei. Täglich 30 Minuten ausdauernde Bewegung reichen aus, um Sie fit zu halten. Sie brauchen kein Leistungssportler zu werden. Haben Sie schon eine Durchblutungsstörung, ist Bewegung umso wichtiger. Denn bei einem Gehtraining wird der Körper angeregt, wieder neue Gefäße an den Beinen zu bilden, die dann Umgehungskreisläufe um die verengten Stellen schließen. Achtung: Sie dürfen nur so weit gehen und „trainieren", dass Sie keine Schmerzen in den Beinen bekommen!
- Gesunde Ernährung hilft, Ihre Blutfette im Rahmen zu halten. Vermeiden Sie Speisen mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten (Fleisch, Wurst, Eier, Milch). Essen Sie abwechslungsreich: Gemüse, Obst und Fisch gehören regelmäßig auf den Speiseplan. Reduzieren Sie eventuell vorhandenes Übergewicht.
- Neigen Sie zu hohem Blutdruck, kontrollieren Sie ihn regelmäßig oder lassen Sie ihn kontrollieren. Nehmen Sie die verordneten Blutdruckmedikamente nach Plan ein.
Weitere Maßnahmen
Ihr Arzt wird zusätzlich zu den Maßnahmen der allgemeinen Lebensumstellung (wie Ernährung, Sport etc.) Medikamente einsetzen, wenn bereits Beschwerden bestehen. Das sind Mittel, die die Blutgerinnung hemmen, d. h. das Blut „dünner" machen und so die Fließfähigkeit verbessern. Ein bekanntes Medikament, das auch für diesen Zweck eingesetzt wird, ist Aspirin, allerdings in einer anderen Dosierung als bei der Therapie von Fieber und Schmerzen.