Selbstmord durch Altersdepression - Erkennen Sie die Vorzeichen
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund zum Thema Depression
vom 2. Februar 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Einsamkeit, Verlust des Partners, Verlust der Selbstständigkeit durch schwere körperliche Erkrankungen, Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und oft auch Depressionen sind es, die ältere Menschen in den Freitod treiben. Die Selbstmordrate ist im Alter sichtlich höher als in jungen Jahren. Zumal es eine gewisse Dunkelziffer gibt: Wenn Menschen ihre Medikamente nicht oder wissentlich falsch einnehmen und dies zum Tod führt, taucht das in keiner Statistik auf. Weltweit ist die Alterssuizidalität ein Problem, das durch den demografischen Wandel eine immer größere Bedeutung erlangt. In Ungarn und der Ex-Sowjetunion ist die Rate am höchsten, Deutschland liegt im Mittelfeld.
Im höheren Lebensalter gehören Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie können entstehen durch eine Veränderung in der Lebenssituation, in der die Betroffenen das Gefühl haben, ihr Leben nicht mehr bewältigen zu können, sei es nun das Ausscheiden aus dem Beruf, der Verlust des Partners oder eine körperliche Einschränkung durch Krankheit. Leider werden Depressionen oft durch körperliche Erkrankungen überlagert und deshalb nicht erkannt.
Die Anzeichen einer Depression
Zu einer Depression gehören u. a. folgende richtungsweisende Symptome:
- Antriebslosigkeit bis hin zur Apathie
- Verlust von Gefühlen wie Freude, Liebe, aber auch Trauer
- Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit
- Rückzugstendenzen, Vereinsamung
- Minderwertigkeits- und Unsicherheitsgefühle
Diese Beschwerden werden als Alterserscheinungen abgetan, auch von Fachleuten oft nicht richtig erkannt und vor allen Dingen nicht angemessen behandelt.
Das Selbstmordrisiko ist bei Depressiven sehr hoch
Das Risiko des Selbstmordes ist bei Depressiven sehr hoch: 10 bis 15 Prozent der Erkrankten wählen - erfolgreich - diesen Weg aus dem Leben. Einen Suizidversuch starten immerhin zwischen 25 und 50 Prozent der depressiven Patienten. Aber gerade hier gilt: Selbstmord ist keine Lösung, sondern ein Ausdruck der Erkrankung. Ein Selbstmord bei Depressionen ist kein Freitod. Fast alle Kranken sind nach dem Abklingen der akuten Phase froh, dass man sie aus dieser lebensbedrohlichen Situation befreit hat.
Hier müssen Sie hellhörig werden
- Zieht sich ein älterer Mensch in Ihrer Nähe immer weiter aus dem Alltag zurück?
- Ist er mutlos und kaum noch zu motivieren?
- Kann er sich über nichts mehr freuen, auf der anderen Seite aber auch nicht mehr richtig trauern?
- Äußert er Gedanken über die eigene Minderwertigkeit und über Lebensüberdruss?
- Oder spricht er sogar konkret Selbstmordgedanken aus?
Dann sprechen Sie unbedingt mit einem Arzt über diesen Mitmenschen und organisieren Sie einen gemeinsamen Termin mit dem Betroffenen. Dieser Mensch kann an einer Depression leiden, die ihn einerseits bis zum Selbstmord treiben kann, die aber andererseits auch in höherem Alter noch Erfolg versprechend behandelbar ist.
Nehmen Sie die Anzeichen ernst
Selbstmorddrohungen sind niemals hysterisch oder theatralisch, sie müssen immer ernst genommen werden. Nur wenn mit einem Lebensmüden aufrichtig und ernsthaft über seine düsteren Gedanken und negativen Gefühle gesprochen wird, kann ihm auch geholfen werden. Droht akut Selbstmordgefahr, muss der Betroffene dringend in eine psychiatrische Fachklinik - wenn es sein muss, auch gegen seinen Willen!
Selbstmord im Alter: Ein gesellschaftliches Problem
Die hohe Suizidalität im Alter resultiert auch aus unseren gesellschaftlichen Strukturen. In Ländern wie Mexiko ist die Suizidrate im Alter gering, denn dort werden die Alten in den Familien aufgefangen. Sie werden weiter gebraucht, sehen einen Sinn in ihrem Leben - auch noch an dessen Ende. Vielleicht können bei uns neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser, Senioren-WGs oder Ähnliches helfen, ältere Menschen aus ihrer sozialen Isolation zu befreien.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Sigurt Perk (02.02. 2011 18:34 Uhr):
Ich bin 75 Jahre alt. Für mich ist es klar, dass ich mich umbringen werde, wenn ich in eine aussichtslose gesundheitliche Situation kommen sollte. das wäre eine unheilbare Erkrankung oder der Verlust der eigenen Suveränität. Wir sollten aufhören, den Altersziosit zu stigmatisieren
Antworten - Kommentar von Bettina Harth (02.02. 2011 21:53 Uhr):
Mein Mann leidet an Altersdepression und Alkoholismus. Es ist unmöglich einen gemeinsamen Termin bei einem Arzt zu vereinbaren. Er will keine Hilfe sondern nur sterben. Das schwerste bei dieser Krankheit ist, die Hilflosigkeit mit der man konfrontiert wird. Leider gibt es gesetzlich keine Möglichkeit, wenn jemand sich nicht helfen lassen will und niemand gefährdet , ihn gegen seinen Willen in eine Klinik einzuliefern.
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