Sekundäre Pflanzenstoffe: Ein Apfel am Tag ... und Ihr Doktor bleibt arbeitslos
Täglich Gesund
vom 28.02.2005 16:00 Uhr
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Frauen haben zum Apfel eine ganz besondere Beziehung, denn schließlich soll die Ur-Eva den Adam mit einem Apfel verführt haben. Die Strafe folgte bekanntlich auf dem Fuße. Doch in jedem Apfel steckt eine ganze Naturapotheke: Deshalb wandeln Sie weiter auf Evas Spuren und beißen Sie kräftig zu.
Der Apfel ist des Deutschen liebstes Obst. Aber leider ist er nicht mehr das, was er einmal war. Im Obstregal des Supermarktes finden sich heute oft nur noch Designeräpfel.Mehr als sechs, sieben Sorten gibt es selten im Angebot – außer auf den Wochenmärkten und bei speziellen Apfelbauern. Elstar, Jonagold, Braeburn, Golden Delicius, Granny Smith oder Boskop sind die Äpfel unserer Tage. Sie müssen modernen Kriterien genügen: gleichmäßig in Form und Größe, lagerungs- und transportfähig, geeignet für Sortiermaschinen und jederzeit in großen Mengen lieferbar. Das macht kein normaler Apfel mit. Man schätzt, dass es mehrere tausend Apfelsorten in Deutschland gab oder vielleicht noch gibt. Wie viele es sind, weiß niemand so genau. Manche von ihnen gibt es nur lokal, andere haben keine Namen. Viele sind verschwunden zugunsten ihrer pflegeleichten Nachfolger.
Aber auch der Apfel selbst ist daran nicht unschuldig, denn allen Gerüchten zum Trotz fällt der Apfel sehr weit vom Stamm. "Die Natur spielt mit den Genen des runden Dutzends Wildapfelarten, aus denen die Kulturäpfel hervorgegangen sind, ständig Lotterie. Bei jedem Sämling werden die Lose neu gemischt. Meist wird es ein unauffälliger Abkömmling. Manchmal aber entsteht ein Volltreffer, der an die örtlichen Klima- und Bodenverhältnisse besonders gut angepasst ist!", erklärt die "natur & kosmos" die natürliche Auslese.
Wir wissen den Apfel nicht mehr wirklich zu schätzen
Ein anderer Killer der Sortenvielfalt sind wir selbst. Denn viele von uns wollen keine ungenormten normalen Äpfel mehr essen. Und schon gar keine schrumpeligen Lageräpfel – quer durch das Jahr soll es die Äpfel immer und immer frisch geerntet geben. Vor allem wollen wir Verbraucher keine teuren Äpfel.Die Apfel-Forscherin Dr. Stefanie Böge: "Die Obstkultur ist trotz aller Technik noch immer sehr arbeitsaufwändig. Man kann sich nur wundern, wie billig ein Kilo Äpfel ist, besonders wenn es aus Neuseeland oder Südamerika kommt ... die Preise werden, wie bei vielen Lebensmitteln, durch Subventionen niedrig gehalten. Dadurch sind Äpfel im Bewusstsein der Menschen nichts mehr wert. Wir sind es inzwischen gewohnt, alles immer und überall zu günstigen Preisen zu bekommen. Dazu kommt, dass den meisten Menschen nicht mehr bewusst ist, was es heißt, ein Nahrungsmittel zu produzieren." Früher hatte fast jede Familie ihre eigenen Apfelbäume zur Selbstversorgung. Streuobstwiesen umgaben Städte und Dörfer. Der Apfel ließ sich vielfältig verwenden: Er wurde gekocht, gebacken, gebraten, gedörrt, zu Marmelade verarbeitet, zu Saft gepresst, zu Wein vergoren oder zu Schnaps destilliert. Besonders schöne große Äpfel galten als begehrtes Geschenk. Einen Apfel roh zu genießen, kam erst relativ spät in Mode. Rohe Äpfel hielt man für reine Medizin. Daraus kreierte der amerikanische Volksmund den Spruch "an apple a day keeps the doctor away" (ein Apfel am Tag hält den Doktor fern). Zahlreiche kleinere Initiativen von Apfelfans versuchen heute, die einstige Artenvielfalt zu retten.
Genießen Sie die Gesundheit vom Baum
Die Ernährungswissenschaftler hingegen beschäftigen sich mit dem ernährungsphysiologischen Wert des Apfels – beispielsweise mit der Frage, ob der Apfel krebshemmend wirkt.
- Vor allem roten Äpfeln wird diese krebshemmende Eigenschaft häufig zugeschrieben, weil sie insbesondere in der Schale sekundäre Pflanzenstoffe wie Phenole und Anthozyane enthalten. Obst und Gemüse bilden diese sekundären Pflanzenstoffe, um sich selbst widerstandsfähig gegen Krankheiten und Krankheitserreger zu machen. Von dieser "eingebauten Apotheke" profitiert auch der Mensch. Die Polyphenole beispielsweise wirken nachgewiesenermaßen vorbeugend auf die Tumorbildung. In der Schale steckt auch der Tausendsassa unter den sekundären Pflanzenstoffen, das Quercetin. Es macht die freien Radikale unschädlich.Damit beugt es Zellveränderungen vor, die langfristig zu vorzeitigen Alterserscheinungen oder Krebs führen können.
- Äpfel senken mit Hilfe des Quellstoffs Pektin den Cholesterinspiegel, indem offenbar in der Leber weniger Cholesterin gebildet und der Anstieg des Blutzuckerspiegels gemindert wird. Dadurch beugt der Genuss von Äpfeln der Arteriosklerose sowie anderen Herz- und Kreislauferkrankungen vor.
- Äpfel stärken die Darmflora und unterstützen die Verdauung. Sie entwässern und regen damit die Ausscheidung von Salz an. In der klassischen Naturheilkunde wurden Äpfel oder Apfeltee zur Wundheilung, zur Reinigung des Blutes und zur Stärkung der Abwehrkräfte eingesetzt.
- Bei Magen- und Darmbeschwerden kann Ihnen mildes Apfelmus helfen. Gegen Verstopfung werden frische geriebene Äpfel empfohlen. Denn nicht zu unterschätzen ist auch der Ballaststoffgehalt des Apfels, der dem Magen ein angenehmes Sättigungsgefühl und dem Darm Entlastung verschafft.
Der Nährstoffgehalt mancher Apfelsorten ist enorm. Durchschnittlich sind in 100 Gramm (ein "normaler" Apfel wiegt 140 g) außer etwa 86 Gramm Wasser auch 0,3 Gramm Fett, 12,1 Gramm Kohlenhydrate, 0,9 Gramm Zellulose, 0,4 Gramm Mineralstoffe – vor allem Kalium, Kalzium, Natrium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Fluor, Jod, Zink Kupfer und Selen – sowie 12 Milligramm Vitamin C enthalten. Vitamin A, B1, B2, B6, Folsäure und Vitamin E sind ebenfalls zu finden. Der Kaloriengehalt ist mit 60 Kalorien auf 100 Gramm niedrig. Allerdings kann der Vitamin-C-Gehalt von Sorte zu Sorte ziemlich schwanken. Wenig Vitamin C enthalten leider meist die Äpfel aus dem Supermarkt, nicht weil sie schlechte Sorten wären, sie werden einfach zu früh geerntet, wenn sie eigentlich zur Vitaminbildung noch etwas mehr Sonne gebraucht hätten.
Sind Bio-Äpfel gesünder?
Äpfel aus ökologischem Anbau müssen nicht unbedingt gesünder sein. So liefern sie den gleichen Gehalt an Nährund Vitalstoffen. Sie haben trotzdem etliche Vorteile. Sie sind seltener mit Pflanzenschutzmitteln belastet und die kommen dann in der Regel vom konventionell arbeitenden Nachbarhof. Denn viele konventionelle Apfelbauern nehmen es mit den gesetzlichen Vorschriften – scheint es – nicht so genau: Eine Kontrolle des Pflanzenschutzamtes Hannover bei 99 Obstbauern im Alten Land bei Hamburg ergab, dass die Apfelbäume mit einem Nebel von Gift überzogen wurden, häufig ohne vorgeschriebene Schutztechnik. Zudem führten die Apfelhöfe keine und nur unzureichende Spritzbücher. Das Fruchtfleisch der alten und naturgemäß gezogenen Sorten ist meist fester und schmackhafter. Die Früchte enthalten weniger Wasser, duften und schmecken dadurch intensiver. Außerdem sind sie länger lagerfähig. Weil Öko-Apfelbauern wegen des doch enormen Arbeitsaufwands nur etwa die Hälfte des konventionellen Anbaus ernten können, sind ihre Preise höher.
Empfehlung von Gesundheit für Frauen: Greifen Sie auf alle Fälle zu Äpfeln aus heimischem Bio-Anbau – auch wenn diese nicht der Norm entsprechen. Der bessere Geschmack wird Sie auch mit den höheren Preisen versöhnen. Essen Sie Äpfel am besten immer mit Schale – vorher gründlich abspülen und schadhafte Stellen entfernen.
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