Schwindelanfälle: Bewegung trainiert Ihr Innenohr

in Täglich Gesund zum Thema Schwindel (Vertigo)
vom


von Sylvia Schneider

Als Kind haben Sie wahrscheinlich mit dem Schwindel „gespielt“: Wenn Sie sich nur schnell genug im Kreis drehten, fühlten Sie sich rasch ganz „torkelig“ und hatten einen „Drehwurm“. Ihr Gleichgewichtsorgan war dann mit der Bewegungsübertragung nicht nachgekommen, und es stellte sich das bekannte Schwindelgefühl ein.


Schwindel selbst ist keine Krankheit

Schwindelgefühle entstehen im Gleichgewichtsorgan, das im Ohr sitzt. Es besteht aus drei Bogengängen, die jeweils für bestimmte Bewegungsrichtungen zuständig sind. Sie sind mit Flüssigkeit gefüllt, die die Bewegungen auf die Sinneszellen überträgt und an das Gehirn weiterleitet. Medizinisch gesehen ist Schwindel keine eigenständige Erkrankung, sondern der Ausdruck eines anderen Grundleidens. Die Medizin unterscheidet drei Arten von Schwindel, die bereits Hinweise auf ihre Entstehungsursachen geben:

  • Benommenheitsschwindel,
  • Drehschwindel und
  • Schwankschwindel.

Benommenheitsschwindel: Blutleere im Gehirn macht Sie schwindelig

Diese „Schwindelei“ kennt fast jede Frau: Wenn Sie nach langem Sitzen zu schnell aufstehen, wird Ihnen schwarz vor Augen oder vor den Augen glitzern Sternchen. Manchmal passiert das auch morgens nach dem Aufstehen, wenn Sie länger krank waren oder wenn Sie sich eine Zeit lang nicht genügend bewegt haben. Benommenheitsschwindel entsteht durch eine Mangeldurchblutung des Gehirns und verschwindet deshalb meist sofort, wenn durch Bewegung und Aktivität wieder mehr Sauerstoff ins Gehirn gelangt. Wenn Sie wissen, dass Sie dafür anfällig sind, sollten Sie aus dem Sitzen oder Liegen nicht zu schnell aufstehen und sich dabei eventuell festhalten. Wichtig ist es dann jedoch, dass Sie in Bewegung kommen. Keine Lösung ist es, aus Angst vor dem Schwindel liegen zu bleiben.

Die Blutleere im Gehirn kann mehrere Ursachen haben:

  • zu niedriger Blutdruck
  • zu hoher Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Arteriosklerose in der Hirnregion
  • Linksherzschwäche
  • Lungenprobleme
  • Blockaden der Halswirbelsäule
  • bestimmte Hirnerkrankungen (z.B. Multiple Sklerose)
  • Hirnverletzungen
  • die Einnahme von Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmitteln, Diuretika oder Bluthochdruckmitteln
  • starke Erschöpfung
  • Bewegungsmangel

Gelegentlich kann auch ein plötzlicher Schreck oder Angst einen Benommenheitsschwindel auslösen.

Schwankschwindel: Angstblockade im Gehirn

Diese Art des Schwindels kennen Sie sicher von Boots- und Schifffahrten, wenn Ihr Gleichgewichtssinn durch einen starken Wellengang völlig durcheinander gerät. Das Auge funkt dem Gehirn dabei stehende Bilder, Ihr Gleichgewichtsorgan kommt mit der Ortung der Bewegungen nicht mehr hinterher. Daraus kann sich Ihr Gehirn keinen Reim machen: Ihnen wird schwindelig und schlecht. Auf dem Schiff lässt dann oft auch das Erbrechen nicht lange auf sich warten. Dieser Schwankschwindel kann sich aber auch ohne Wellengang einstellen. Dann stecken meist übersteigerte Ängste dahinter. Ganz besonders häufig kommt das bei Frauen vor, die sich vor Menschenansammlungen, engen Räumen und Aufzügen fürchten oder Höhenangst haben. Bei ihnen ist nicht das Gleichgewichtsorgan irritiert, sondern die Verarbeitung der unterschiedlichen Informationen gestört. Ganz selten stecken schwerwiegende Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans wie Nervenentzündungen und Tumore dahinter. Viele Frauen, die unter Schwankschwindel leiden, haben ständig Angst, dass sie in Ohnmacht fallen. Nach den Erfahrungen von Psychologen kippt jedoch kaum eine wirklich jemals um. Ihre ständige Angst führt zu einer starken Verkrampfung und damit zu chronischen Muskelverspannungen. Überdies neigen „Schwankschwindlerinnen“ dazu, sich ängstlich selbst zu beobachten. Sie registrieren nach einer Weile jede innere Bewegung, die normalerweise unbewusst anläuft.

Frauen mit Schwankschwindel schonen sich meist zu sehr

Wenn Sie unter Schwankschwindel leiden, sollten Sie sich wesentlich mehr bewegen. Denn körperliche Schonung gebiert weitere Angstzustände. Wer sich zu wenig bewegt, büßt seine Fitness ein. Alltägliche Belastungssituationen lösen dann übermäßige körperliche Reaktionen aus: Herzrasen, Atemnot, Schweißausbrüche, Unsicherheit auf den Beinen. Die Grund- und die Bewegungsangst schaukeln sich gegenseitig mehr und mehr hoch, bis die Betroffene kaum noch einen Ausweg weiß. Frauen mit Schwankschwindel neigen dazu, sich schon bei den geringsten Anzeichen von Unwohlsein oder unklaren Beschwerden hinzulegen und möglichst lange liegen zu bleiben. Wenn sie wieder aufstehen, handeln sie sich durch ihre Schonhaltung unbändiges Herzrasen sowie Unwohlsein ein und fühlen sich darin bestätigt, dass sie schwer krank sind und sich nicht bewegen können. Sie legen sich wieder hin und schonen sich noch mehr. Das löst einen regelrechten Kreislauf aus.

Sich hinzulegen ist deshalb völlig falsch: Die Lösung heißt bewegen, bewegen, bewegen. Am besten hilft eine Mischung aus Gymnastik und Ausdauertraining wie Wandern, Radfahren, Laufen, Schwimmen, Skilanglauf, Rudern oder Bergwandern. Sportliche Betätigung verbessert ohnedies die depressive Grundhaltung der „Schwankschwindlerinnen“. Sie hören auf, unablässig ängstlich zu grübeln, was denn mit ihnen los sei, und wenden sich automatisch mehr ihrer Umwelt zu.

Drehschwindel: Die Abläufe in Ihrem Innenohr sind behindert

Bei der dritten „Schwindelart“ – dem Drehschwindel – wird die Störung meist durch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr hervorgerufen. Sie haben dabei das Gefühl, dass sich die Umgebung oder Ihr eigener Körper unablässig drehen. Das kann folgende Ursachen haben:

  • Ablösung von Gleichgewichtssteinchen im Gleichgewichtsorgan
  • Menière-Krankheit (Morbus Menière, eine Erkrankung der Innenohrschnecke)
  • Schädigungen des Gleichgewichtsorgans beziehungsweise des Gehirns
  • Vergiftungen – vor allem Alkoholvergiftungen

Die häufigste Ursache ist die Ablösung von Gleichgewichtssteinchen. Diese mikroskopisch kleinen Ablagerungen können sich bei Stürzen oder einem Schleudertrauma lösen und die Sinneszellen im hinteren Bogengang des Gleichgewichtsorgans reizen. Bei älteren Menschen lösen sich solche Steinchen auch ohne erkennbaren Grund. Wenn Sie öfter damit zu tun haben, sollten Sie unter ärztlicher Aufsicht lernen, wie Sie die Steinchen mit ruckartigen Kopfbewegungen aus dem Gang hinausschleudern können. Frauen sind vom Verrutschen der Ohrsteinchen doppelt so häufig betroffen wie Männer.


von
Sylvia Schneider

Erfahren Sie hier mehr zu Sylvia Schneider - aus dem Redaktionsteam von FID Gesundheitswissen.

 
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