Schützen Sie sich vor dem „Over-the-Hill"-Leiden
Sylvia Schneider in Täglich Gesund
vom 15. Juli 2008, 16:00 Uhr
GNL5356
Die Zeit vor den Ferien ist für fast alle Frauen meist wesentlich anstrengender als die normale Arbeitszeit und der Alltagsstress. Am Arbeitsplatz müssen noch viele Dinge erledigt, zu Hause die Vorbereitungen getroffen, die letzten Kleidungsstücke gebügelt, die Nachbarn verständigt, Mieze und Wuff weggebracht und die Koffer gepackt werden. Nie wieder Urlaub" - das haben Sie sicher auch schon häufiger direkt vor Ferienbeginn gestöhnt. Doch dann ist er endlich da, der erste Ferientag - und schon machen sich auch ein leichtes Brennen im Hals und eine heiße Stirn bemerkbar. Während der Arbeitszeit nie krank, im Urlaub immer - das kennen viele Frauen. Psychologen nennen es das Over-The-Hill-Syndrome"- das Leiden, das sich einstellt, wenn Sie mit all Ihrer Vorurlaubsanstrengung über den Berg sind und eine tiefe Erschöpfung von Ihnen Besitz ergreift.
Diese Freizeitkranken" hat der niederländische Psychologieprofessor Ad Vingerhoets einmal genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass etliche Betroffene seit Jahrzehnten zu Beginn ihres Urlaubs krank sind. Manche kennen ähnliche Erscheinungen auch vom Wochenende: In der Woche fühlen sie sich gut, am Samstag und Sonntag sind sie krank. Nach den Gründen befragt, erzählten viele Befragte dem Psychologen, sie hätten Schwierigkeiten, sich vom Arbeits-Rhythmus auf den Freizeitrhythmus umzustellen. Die meisten aber gaben an, die Arbeitsbelastung und der Zeitdruck - vor allem Hast und Hetze - vor den Ferien seien Ihnen zu groß gewesen.
Überforderung vor dem Urlaub legt Ihr Immunsystem lahm
Viele der Betroffenen, so berichtet die Zeitschrift Psychologie heute" (7/2004), fühlen sich für ihre Arbeit überaus verantwortlich und neigen zum Perfektionismus. Sie kranken gewissermaßen an ihrer Einstellung zur Arbeit. Gelingt es ihnen, diese zu ändern, haben sie auch weniger Stress mit Urlaubskrankheiten. Manche haben generell Probleme, sich zu entspannen. Wer im Urlaub krank wird, ist doppelt gestraft: Zum einen abgekämpft und dann auch noch krank, will sich die Erholung nicht einstellen. Obendrein kommen die schönen Urlaubstage ja auch nicht zurück. Zum anderen gesellen sich dann oft noch Enttäuschung und Schuldgefühle über die möglicherweise verpatzten Ferien hinzu, in denen die Familie wegen der kranken Partnerin oder Mutter womöglich auf Dinge und Unternehmungen verzichten muss, auf die sich schon lange gefreut hat.
Vingerhoets glaubt, dass das Immunsystem mit der Erkrankung zu Ferienbeginn auf den Stress vor dem Urlaub reagiert. Es hat sich gewissermaßen in der Vorurlaubshektik verausgabt. Aus diesem Grund sind die meisten Freizeitkranken Frauen. Denn an ihnen hängt vor dem Urlaub besonders viel. Und wer sehr perfektionistisch ist, neigt dazu, sich noch mehr aufzuladen - auch Dinge, die gar nicht unbedingt nötig sind. Der Psychologe empfiehlt, den Übergang von Stress auf Erholung anders zu gestalten - etwa indem Sie zu Beginn Ihres Urlaubs erst einmal eine Extrarunde Sport einlegen, bevor es auf Reisen geht.
Beim nächsten Urlaub wird alles anders
Wenn Sie zu den Freizeitkranken gehören, sollten Sie mit einem Antistress-Programm versuchen, der Hektik die Spitze zu nehmen; das gilt auch, wenn
Sie zu den Wochenendkranken zählen:
- Machen Sie sich einen genauen Ablauf: Was muss erledigt werden?
- Hinterfragen Sie sich kritisch: Muss wirklich alles vorher erledigt werden? Müssen beispielsweise die Fenster vor dem Urlaub geputzt, die Steuererklärung fertig gemacht, die Wäsche gebügelt, der Rasen gemäht werden oder hat es nicht auch Zeit bis nach den Ferien? Welche dieser Arbeiten ist für Sie selbst wirklich wichtig, welche meinen Sie eher der Leute wegen" machen zu müssen?
- Welche Arbeiten kann Ihnen jemand anderer abnehmen? Delegieren Sie klar und deutlich, sagen Sie auch dazu, was bis wann erledigt sein muss (sonst bekommen Sie nämlich deswegen wieder Stress).
- Kinder und Männer können - auch wenn man es kaum glauben will - ihre Koffer oder Taschen durchaus selbst packen. Die Lass-mal-ichmach-das-schon"-Haltung sollten Sie schleunigst aufgeben.
- Besprechen Sie mit Blumen-, Garten- und Hausbetreuern bereits einige Tage vor der Abfahrt alles Wichtige. Einige Extra-Haustürschlüssel, die nicht erst am Tag der Abreise übergeben werden müssen, können Ihren Zeitplan ziemlich entzerren.
- Lassen Sie zwischen Arbeit und Abfahrt eine kleine Pause, in der Sie sich schon etwas entspannen können.
- Legen Sie Ihren ersten Urlaubstag beziehungsweise den Tag, an dem Sie abfahren oder -fliegen, nicht an das Ende einer langen und anstrengenden Woche. Dann sind Sie zwangsläufig kaputt.
- Bewegen Sie sich unterwegs so viel wie möglich.
- Fahren Sie auf keinen Fall auf den letzten Drücker los. Schon ein hektischer Aufbruch kann Ihnen einen Fieberschub auf Mallorca und Co. einbringen, wenn Sie dazu neigen.
- Fahren Sie nicht an Tagen los, an denen ein oder mehrere Staus schon sind.
- Passen Sie sich am Urlaubsort dem örtlichen Rhythmus an und überanstrengen Sie sich nicht.
- Auch das Ende des Urlaubs sollte nicht hektisch sein. Planen Sie noch mindestens ein oder zwei Tage für zu Hause ein.